Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hadron2011 in München: Auf der Jagd nach exotischen Teilchen

16.06.2011
Das Künstlerhaus in München ist in diesen Tagen Schauplatz einer großen internationalen Tagung. Auf der „Hadron2011“, die in diesem Jahr zum 14. Mal stattfindet, befassen sich etwa 250 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit den kleinsten Bausteinen, die das Universum zu bieten hat – den Elementarteilchen.

Thema der Konferenz sind die Teilchen Quarks und Gluonen, die zusammen die Hadronen bilden. Als Bausteine von Protonen und Neutronen stellen sie außerdem wesentliche Bestandteile der Materie dar. Auf der einwöchigen Tagung diskutieren die Physiker Resultate und theoretische Entwicklungen, die helfen, die Wechselwirkungen und Zustände von Quarks und Gluonen besser zu verstehen.

Durch ihre Untersuchungen erhoffen sich Teilchenphysiker weitere Erkenntnisse über das Zusammenspiel der verschiedenen Quarks und der Gluonen – letztere sind die Teilchen, welche die Quarks wie ein Superkleber zusammenhalten. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass ein besseres Verständnis der Quark-Gluon-Konstellationen auch die Frage klärt, wie sich aus dem heißen Plasma des frühen Universums stabile Materie bilden konnte.

Auf der Hadron2011 konnten die Wissenschaftler bereits einige Erfolge vermelden: Sie präsentierten einige „Neuentdeckungen“ aus der Teilchenwelt, die mit Hilfe von Beschleuniger-Experimenten in den USA, Japan und dem Large Hadron Collider in Genf gefunden wurden. Wissenschaftler des COMPASS-Experiments berichteten von einem Durchbruch in der Hadronenforschung: Einem Team unter Leitung von Wissenschaftlern der Technischen Universität München (TUM) gelang es, die Existenz exotischer Teilchen zu bestätigen, die theoretische Berechnungen schon länger vorausgesagt hatten.

Für besonderes Aufsehen und viel Diskussionsstoff sorgen Teilchenkombinationen mit einem schweren b-Quark, deren Eigenschaften noch unklar sind. Offensichtlich treten sie als Partner anderer, leichterer Teilchen in Erscheinung. Diese Teilchen bereiten den Physikern seit einigen Jahren Kopfzerbrechen, da sie bisher noch nicht im Rahmen der Standardmodelle der Hadronenphysik klassifiziert werden konnten. Die Beobachtungen deuten darauf hin, dass die Wechselwirkung von Quarks und Antiquarks bei großen Abständen noch immer für Überraschungen gut ist.

Studien in der Hadronenphysik nehmen viel Forschungszeit in Anspruch – das weiß Suh-Urk Chung nur zu gut. Der ursprünglich aus Korea stammende Wissenschaftler ist eines der Gründungsmitglieder der „Hadron“-Konferenz, die 1983 ins Leben gerufen wurde und seither alle zwei Jahre an wechselnden Orten stattfindet. „Seit der ersten Tagung beschäftigen wir uns zum Beispiel mit so genannten Glueballs, exotischen Teilchen, die ausschließlich aus Gluonen bestehen. Theoretische Überlegungen sagen uns, dass die Teilchen existieren sollten – bisher konnten sie aber noch nicht gefunden werden“, erklärt der Teilchenphysiker.

Die Tagung bot darüber hinaus den Anlass, den theoretischen Physiker Harry Lipkin zu ehren, der auf der Hadron2011 seinen 90. Geburtstag feierte. Lipkin gilt als einer der Pioniere der Hadronenforschung und ist auch heute noch wissenschaftlich aktiv.

Prof. Stephan Paul, Leiter des Exzellenzclusters ‚Universe’ an der Technischen Universität München und einer der beiden Hauptorganisatoren der Hadron2011, zeigt sich mit dem Verlauf der Konferenz überaus zufrieden: „Wir konnten in einer Reihe von Gebieten der Hadronen-Physik wichtige Fortschritte erzielen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass insbesondere die Hochenergie-Experimente am Large Hadron Collider am CERN, aber auch zukünftige Experimente in Japan weitere spannende Resultate liefern werden, die uns dabei helfen, das Rätsel der Materiebildung im Universum nach und nach aufzuklären.“

Barbara Wankerl | idw
Weitere Informationen:
http://www.universe-cluster.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Internationale Konferenz zur Digitalisierung
19.04.2018 | Leibniz Universität Hannover

nachricht 124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus
19.04.2018 | Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e. V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Im Focus: Spider silk key to new bone-fixing composite

University of Connecticut researchers have created a biodegradable composite made of silk fibers that can be used to repair broken load-bearing bones without the complications sometimes presented by other materials.

Repairing major load-bearing bones such as those in the leg can be a long and uncomfortable process.

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Grösster Elektrolaster der Welt nimmt Arbeit auf

20.04.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Bilder magnetischer Strukturen auf der Nano-Skala

20.04.2018 | Physik Astronomie

Kieler Forschende entschlüsseln neuen Baustein in der Entwicklung des globalen Klimas

20.04.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics