Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Größte europäische Konferenz für Softwareforschung findet in Saarbrücken statt

21.03.2011
Wenn Bankautomaten Kreditkarten verweigern oder Fluggäste nicht einchecken können, sind oft nur kleine Softwarefehler daran schuld.

Viele Computerprogramme sind aber heute so komplex, dass auch Informatiker sie kaum beherrschen. Das zeigen die Sicherheitslücken bei Facebook, Google und anderen großen Systemen.

Deutlich wird dies aber auch bei Softwarepannen, die etwa die Entwicklung des Airbus A380, des Toll-Collect-Systems oder die Bearbeitung von Lohnsteuererklärungen erheblich verzögerten.

Wie man aufwändige Softwaresysteme sicherer und zuverlässiger gestalten kann, diskutieren Informatikforscher aus der ganzen Welt bei der größten wissenschaftlichen Software-Konferenz Europas.

Die ETAPS-Konferenz findet vom 26. März bis 3. April in Saarbrücken statt.

Viele große Computerprogramme steuern heute Aktienmärkte, Zugfahrpläne und die industrielle Produktion. Sie sind über die Jahre gewachsen und immer komplexer geworden, aber dadurch auch anfälliger für Fehler. „Man kann das mit dem Bau einer Kathedrale vergleichen. Da wurde im Mittelalter vieles ausprobiert und gebaut, was dann zum Teil auch wieder einstürzte.

Die Statik konnte damals keiner berechnen, dennoch kann man viele hohe Kirchenbauten noch heute bewundern“, erläutert der Saarbrücker Informatik-Professor Reinhard Wilhelm. Bei Softwaresystemen werde heute auch vieles konstruiert, was zwar in den meisten Fällen funktioniere, aber in der Theorie nicht verstanden sei und dann im ungünstigen Fall zum Absturz führe.

„Hier besteht noch viel Forschungsbedarf, damit Unternehmen die Komplexität der Systeme besser in den Griff bekommen“, sagt Wilhelm, der Initiator der Konferenzserie und diesjährige Vorsitzende der Software-Konferenz ETAPS.

Für die Softwareforscher ist von Interesse, wie man ein Computerprogramm von vornherein so konstruieren kann, dass es keine Fehler enthält oder man zumindest darin Fehler automatisch findet. Zu diesem Thema wird Gerard J. Holzmann, ein renommierter Forscher der amerikanischen Weltraumbehörde NASA, in Saarbrücken vortragen. Prakash Panangaden, der in Kanada forscht, wird über das Quantencomputing sprechen und sich mit der Frage beschäftigen, wie damit die Rechenleistung von Computern noch um ein Vielfaches gesteigert werden kann.

Wenn Quantencomputing eines Tages funktionieren würde, was noch nicht klar ist, könnte es allerdings mit einem Schlag die kryptographische Infrastruktur zerstören, auf der alle Sicherheitsmechanismen der heutigen Informationstechnologie beruhen. Andrew Appel von der Princeton University (USA) hat mehrere Standardwerke zu Compilern geschrieben, die die Programmiersprachen erst in die für Computer lesbare Sprache übersetzen. Er wird in Saarbrücken darüber reden, wie man Software und Compiler verifizieren kann, damit sie genau das tun, was von ihnen erwartet wird und zwar mit hundertprozentiger Sicherheit. In weiteren Vorträgen wird es um das Testen von Software und die Sicherheit von komplexen Computersystemen gehen. Ross Anderson von der Elite-Universität Cambridge wird erklären, warum es Datenschutz für große Datenbestände – wie etwa Facebook – niemals geben kann und wie damit umzugehen ist.

Die internationale ETAPS-Konferenz findet erst zum zweiten Mal in Deutschland statt und wurde von den Saarbrücker Informatik-Professoren Holger Hermanns, Bernd Finkbeiner und Reinhard Wilhelm organisiert. Als industrielle Partner und Sponsoren sind unter anderem die Deutsche Forschungsgemeinschaft, Bosch, Microsoft Research, T-Systems, Software AG, IDS Scheer, IBM Research und das saarländische Unternehmen Absint Angewandte Informatik GmbH beteiligt. Auf der Konferenz werden mehr als 500 Teilnehmer aus der ganzen Welt erwartet, rund 60 davon kommen aus der Industrie.

Fragen beantwortet:

Prof. Holger Hermanns
Tel. 0681/302-5631
hermanns@cs.uni-sb.de
Hinweis für Hörfunk-Journalisten: Sie können Telefoninterviews in Studioqualität mit Wissenschaftlern der Universität des Saarlandes führen, über Rundfunk-ISDN-Codec. Interviewwünsche bitte an die Pressestelle (0681/302-3610) richten.

Friederike Meyer zu Tittingdorf | idw
Weitere Informationen:
http://www.etaps.org
http://www.uni-sb.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal
18.08.2017 | Bergische Universität Wuppertal

nachricht Einblicke ins menschliche Denken
17.08.2017 | Universität Potsdam

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie