Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Größte deutsche Tagung über Klimawandel und Landnutzung in Braunschweig

16.06.2009
Wald kompensiert Teile der landwirtschaftlichen Emissionen / Verbraucher können aktiv zum Klimaschutz beitragen

"Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel gehören zu den wichtigsten umwelt-, gesellschafts- und wirtschaftspolitischen Herausforderungen der heutigen Zeit."

Das sagte Staatssekretär Gert Lindemann vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) in Braunschweig zur Eröffnung des zweitägigen Kongresses 'Aktiver Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel - Beiträge der Agrar- und Forstwirtschaft'. Mit mehr als 370 angemeldeten Personen ist es die größte Tagung, die bislang in Deutschland zu dieser Thematik stattgefunden hat. Veranstaltet wird sie vom Johann Heinrich von Thünen-Institut (vTI) und dem BMELV im Auftrag der Agrarministerkonferenz.

Land- und Forstwirtschaft sind sowohl Betroffene als auch Akteure des Klimawandels, wie Heinz Flessa vom vTI-Institut für Agrarrelevante Klimaforschung deutlich machte. So ging im Jahr 2007 der Ausstoß von Treibhausgasen in Deutschland zu rund 11 Prozent auf das Konto der Landwirtschaft. Der Hauptteil entweicht als Kohlendioxid (CO2) aus landwirtschaftlich genutzten Moorböden. Auch Lachgas (N2O) aus der Stickstoffdüngung und Methan (CH4) aus der Rinderhaltung sind bedeutend. Ein Teil der landwirtschaftlichen Emissionen wird kompensiert durch die Aufnahme von CO2 im deutschen Wald. An zahlreichen Einzelbeispielen wurde auf der Tagung verdeutlicht, wie höhere Durchschnittstemperaturen, zunehmende Sommertrockenheit und ein verändertes Schaderregerspektrum Kulturpflanzen und Waldbäume stressen und zu Ertrags- oder Qualitätseinbußen führen können.

Die Politik hat verschiedene Programme zum Energiesparen und zur Förderung von Bioenergie aufgelegt. Vorreiterprojekte in den Niederlanden versuchen, landwirtschaftliche Reststoffe in geschlossenen Kreisläufen zwischen Gewächshäusern, Tierhaltung, Aquakultur und Ackerbau zu nutzen, wie Jan de Wilt aus Utrecht darstellte. Doch welche Vorgehensweisen sind am aussichtsreichsten? Eine vergleichende Beurteilung verschiedener Klimaschutzoptionen ist bisher erst in Ansätzen erfolgt. Vorläufige Empfehlungen der Wissenschaftler sind unter anderem: Keine weitere Verringerung von Grünlandflächen, insbesondere kein Umbruch von Moorstandorten, Reduzierung der regionalen Stickstoffüberschüsse, zum Beispiel durch Güllebörsen, Neuanlage von Energieholzplantagen und verstärkte Nutzung von Holz in langlebigen Produkten. Bernhard Osterburg vom vTI-Institut für Ländliche Räume, einer der Organisatoren der Tagung, bewertete die Kosten verschiedener Ansätze zur Minderung des Treibhausgas-Ausstoßes aus umweltökonomischer Sicht.

Zahlreiche Untersuchungen zeigen, dass Produkte aus Holz wesentlich geringere negative Auswirkungen auf das Klima haben als vergleichbare Produkte aus anderen Werkstoffen. Noch stärker verbessern lässt sich dieser positive Klimaeffekt, wenn die Holzprodukte in Kaskadennutzung verwendet und an ihrem Lebensende energetisch genutzt werden und dadurch fossile Brennstoffe ersetzen, so Sebastian Rüter und Arno Frühwald vom vTI-Institut für Holztechnologie und Holzbiologie in Hamburg.

Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Fischerei beleuchtete Anne Sell vom vTI-Institut für Seefischerei. In der Nordsee kommen mittlerweile vor allem im Bereich des Ärmelkanals regelmäßig südliche Arten wie Sardine, Anchovy und Streifenbarbe vor. Die Klimaänderung führt hier regional zu einer Erhöhung der Artenzahl, die ökologischen Folgen sind aber noch unbekannt. Beim Kabeljau, einer wirtschaftlich bedeutsamen Art, scheint sich durch die höhere Wassertemperatur in der südlichen Nordsee das Nahrungsangebot für die Jungfische zu verschlechtern, was den Aufwuchsrate für den Kabeljau signifikant mindert.

Erika Claupein vom Max Rubner-Institut in Karlsruhe führte aus, dass auch der einzelne Verbraucher durch sein Ernährungsverhalten aktiv zum Klimaschutz beitragen kann. Bis zu 20 Prozent der deutschen Treibhausgasemissionen gehen auf die Herstellung, Lagerung, den Vertrieb und die Zubereitung von Lebensmitteln zurück. Eine wesentliche Rolle spielt der Anteil tierischer Lebensmittel bei der Ernährung. Durch eine vegetarische Kost ließen sich rund 40 Prozent der ernährungsbegleitenden Emissionen vermeiden. Auch die saisongemäße Auswahl von regional erzeugtem Obst und Gemüse sowie die Bevorzugung gering verarbeiteter Lebensmittel anstelle von Tiefkühl- und Convenience-Produkten würden sich positiv auf die Klimabilanz auswirken. Besonders vorteilhaft: Eine klimafreundliche Ernährungsweise geht einher mit einer gesunden Ernährung.

Die Tagung zeigt, dass sich die deutsche Forschung in den letzten Jahren in beeindruckender Weise neu aufgestellt hat, um den Herausforderungen des aktiven Klimaschutzes und der Anpassung an den Klimawandel zu begegnen. In den letzten Jahren sind zu dieser Thematik eine Vielzahl regionaler, nationaler und internationaler Forschungsverbünde und Netzwerke zwischen Wissenschaft und Praxis entstanden, Entscheidungssysteme für die Praxis sind im Aufbau. Während vor allem die naturwissenschaftlichen Aspekte intensiv bearbeitet werden, sind ökonomische und sozialwissenschaftliche Untersuchungen bislang noch unterrepräsentiert.

Dr. Michael Welling | idw
Weitere Informationen:
http://www.vti.bund.de

Weitere Berichte zu: Anpassung BMELV CO2 Emission Ernährung Klimaschutz Klimawandel Landnutzung Nordsee Thematik

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2017
23.08.2017 | Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

nachricht 6. Leichtbau-Tagung: Großserienfähiger Leichtbau im Automobil
23.08.2017 | Fraunhofer-Allianz Leichtbau

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Platz 2 für Helikopter-Designstudie aus Stade - Carbontechnologie-Studenten der PFH erfolgreich

Bereits lange vor dem Studienabschluss haben vier Studenten des PFH Hansecampus Stade ihr ingenieurwissenschaftliches Können eindrucksvoll unter Beweis gestellt: Malte Blask, Hagen Hagens, Nick Neubert und Rouven Weg haben bei einem internationalen Wettbewerb der American Helicopter Society (AHS International) den zweiten Platz belegt. Ihre Aufgabe war es, eine Designstudie für ein helikopterähnliches Fluggerät zu entwickeln, das 24 Stunden an einem Punkt in der Luft fliegen kann.

Die vier Kommilitonen sind im Studiengang Verbundwerkstoffe/Composites am Hansecampus Stade der PFH Private Hochschule Göttingen eingeschrieben. Seit elf...

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2017

23.08.2017 | Veranstaltungen

6. Leichtbau-Tagung: Großserienfähiger Leichtbau im Automobil

23.08.2017 | Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Turbulente Bewegungen in der Atmosphäre eines fernen Sterns

23.08.2017 | Physik Astronomie

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2017

23.08.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Mit Algen Arthritis behandeln

23.08.2017 | Biowissenschaften Chemie