Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Das Gröbste ist ausgestanden

31.08.2009
Psychoanalytiker treffen sich am 4./5. September zur Ost-West-Tagung an der Universität Jena

Zwanzig Jahre ist die deutsche Wiedervereinigung mittlerweile her und noch immer stehen sich viele Ost- und Westdeutsche voreingenommen gegenüber.

"Im Grunde war bereits unmittelbar nach der Wende klar, dass der Vereinigungsprozess auch mental nicht ohne Unwuchten verlaufen wird", sagt Professor Günter Jerouschek von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. "Anfangs herrschte zwar die totale Vereinigungseuphorie, aber die gegenseitigen Differenzen, auch auf mentaler Ebene, waren schwer zu verleugnen", so der Jurist und Psychoanalytiker weiter.

Zusammen mit Kollegen hat Jerouschek diesen Prozess in den vergangenen Jahren aus psychoanalytischer Sicht begleitet. Wie konstruktiv diese Begleitung war und wie diese gemeinsamen Treffen ost- und westdeutscher Psychoanalytiker den konfliktreichen deutsch-deutschen Vereinigungsprozess widerspiegeln, ist Schwerpunkt der diesjährigen Ost-West-Tagung, die am 4. und 5. September in Jena stattfindet.

"Erst unlängst erbrachte eine Befragung, dass Studenten den Osten jenseits aller Realitätsprüfung als verfallen, grau und zurückgeblieben ansehen", sagt Prof. Jerouschek. Der Inhaber des Jenaer Lehrstuhls für Strafrecht, Strafprozessrecht und Geschichte des Strafrechts geht davon aus, dass diese Vorurteile noch über Jahre hinweg bestehen bleiben. Mittlerweile gibt es auch interessante klinische Befunde dafür, dass zur Wendezeit Pubertierende und Adoleszente psychische Auffälligkeiten und Symptome entwickelten, die sie psychischen Verwerfungen im Elternhaus verdanken. Trotzdem habe er in den vergangenen Tagungen eine positive Entwicklung wahrgenommen. So habe sich in der Gruppenarbeit gezeigt, dass die Differenzen beider Seiten mehr und mehr gegenseitig anerkannt werden. "Dass sich Ost- und Westdeutsche aufgrund ihrer unterschiedlichen Sozialisation voneinander unterscheiden, ist ganz natürlich", so Jerouschek. "Sie tragen die Konflikte gewissermaßen stellvertretend aus." Wichtig sei jedoch, den Anderen nicht sofort zu be- oder abzuwerten, sondern sein Anderssein zu akzeptieren oder gar als Bereicherung anzusehen.

Der Austausch von klinischen Erfahrungen aus der psychoanalytischen Praxis im Rahmen der vergangenen Tagungen habe sogar gezeigt, dass der Ost-West-Konflikt mitunter gar nicht die entscheidende Rolle spielte. "Es gibt Fälle bei ostdeutschen Patienten, die sich genauso im Westen hätten abspielen können", sagt Prof. Jerouschek und bezeichnet es als "ein Zeichen für Normalität".

Sowohl die DDR als auch die alte BRD haben nach der Wiedervereinigung nicht mehr existiert. Wie jedoch die Alltagserfahrungen in beiden Systemen die kulturelle Identität der einzelnen Bürger im vereinten Deutschland geprägt haben, wollen die 80 Teilnehmer auf der Jenaer Tagung besprechen.

Das von der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung organisierte Fachsymposium findet in diesem Jahr zum 17. Mal statt und wird die Tagungsreihe nach zwanzig Jahren Wiedervereinigung abschließen. Um weitere Entwicklungen und Probleme angemessen reflektieren zu können, soll die Tagung in Zukunft nicht mehr jährlich, sondern in größeren zeitlichen Abständen stattfinden. "Das Gröbste im Vereinigungsprozess ist ausgestanden", so Professor Jerouschek. "Das Thema wird uns auch weiterhin ein wichtiges Anliegen bleiben."

Kontakt:
Prof. Dr. Dr. Dr. h. c. Günter Jerouschek
Lehrstuhl für Strafrecht, Strafprozessrecht und Geschichte des Strafrechts
Rechtswissenschaftliche Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Carl-Zeiß-Str. 3, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 942310
E-Mail: G.Jerouschek[at]recht.uni-jena.de

Manuela Heberer | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de
http://www.recht.uni-jena.de/s05/index.htm

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen
24.03.2017 | Technische Hochschule Wildau

nachricht Lebenswichtige Lebensmittelchemie
23.03.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise