Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gießen im Fokus der internationalen Krebsmedizin

04.06.2012
Studiengruppe der Justus-Liebig-Universität Gießen erkannte Potenzial des ehemaligen DDR-Medikaments Bendamustin – Prof. Rummel hält Vortrag vor US-amerikanischer Krebsgesellschaft ASCO

In den 60er Jahren in der DDR entwickelt, wurde das Krebsmedikament Bendamustin lange unterschätzt. Erst eine Gießener Studiengruppe hat das hohe Potenzial erkannt: Bendamustin kann bei bestimmten Krebserkrankungen konventionelle und sehr belastende Chemotherapien ablösen.

Heute sorgen die Daten der Studiengruppe indolente Lymphome (StiL) um Prof. Dr. Mathias J. Rummel, Leiter des Schwerpunktbereiches Hämatologie der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU), weltweit für Furore: Die renommierte US-amerikanische Krebsgesellschaft ASCO (American Society of Clinical Oncology) hat den Beitrag der StiL-Studie, der für die derzeit in Chicago stattfindende ASCO-Tagung eingereicht wurde, als einen von insgesamt nur vier Vorträgen in die Plenarsitzung hoch gestuft – das Nonplusultra eines jeden wissenschaftlichen Kongresses.

Maßgeblich für das internationale Aufsehen war eine klinische Studie – die StiL NHL 1-2003 der Gießener Studiengruppe. Bendamustin ist eine alte Substanz aus Deutschland, die aufgrund ihres erst seit jüngerer Zeit bekannten wahren Potenzials einen weltweiten Siegeszug angetreten hat. Derzeitige Haupteinsatzgebiete des Zytostatikums sind maligne Lymphome, eine Gruppe von bösartigen Erkrankungen des lymphatischen Systems. Dank seiner hohen antitumoralen Wirksamkeit bei gleichzeitig außerordentlich guter Verträglichkeit trägt Bendamustin entscheidend zur Optimierung der Chemotherapie bei, sei es als alleinige Gabe oder in Kombination mit weiteren Zytostatika.

Dies gilt insbesondere für indolente, das heißt langsam wachsende Lymphome, die lange Zeit keine Beschwerden verursachen und daher erst spät erkannt werden, sowie für Mantelzell-Lymphome, die eine schlechte Prognose haben und zumeist erst im fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert werden. Die Gießener Forscherinnen und Forscher konnten bei 549 nicht vorbehandelten Patienten mit verschiedenen indolenten und Mantellzell-Lymphomen zeigen, dass eine Kombination aus Bendamustin und dem in der Krebsimmuntherapie eingesetzten Antikörper Rituximab (B-R) die Prognose deutlich günstiger beeinflusst als das konventionelle hochtoxische Chemotherapie-Schema CHOP plus Rituximab (CHOP-R). Das Kürzel CHOP steht für die drei Zytostatika Cyclophosphamid, Doxorubicin, Vincristin und das Kortikoid Prednison.

Die Studie erregte nicht nur internationales Aufsehen; sie sorgte auch dafür, dass B-R im Jahr 2011 als Kategorie 1 der Primärtherapie in die Leitlinien des US-amerikanischen National Comprehensive Cancer Network (NCCN) aufgenommen wurde. Für Prof. Rummel etwas noch nie Dagewesenes: „Eine deutsche Studiengruppe beeinflusst die amerikanischen Leitlinien – das ist ein einmaliger Durchbruch“. Inzwischen wird das B-R-Schema in vielen Ländern der Welt als neuer Standard in der Lymphom-Therapie gewertet. Das Potenzial des alten Krebsmedikamentes Bendamustin scheint indes immer noch nicht vollständig ausgeschöpft.

Aus der Fülle von mehr als 5.500 für die Jahrestagung (1. bis 5. Juni 2012 in Chicago/Illinois) eingesandten Abstracts hatte das Wissenschaftliche Komitee der ASCO den Beitrag von Prof. Rummel zunächst für eine Lymphom-Sitzung vorgesehen, um ihn dann nur wenig später in das wissenschaftliche Programm der Plenarsitzung hoch zu stufen. „Zu den vier besten Abstracts zu gehören und seine Arbeit im Plenum des ASCO Annual Meetings präsentieren zu können, das ist schon ein sensationelles Ereignis, das ich erst selbst nicht fassen konnte“, so Prof. Rummel. Schon zuvor hatte ihn aus Amerika die Mitteilung erreicht, dass sein Abstract auch für die offizielle Pressekonferenz ausgewählt worden war – eine Auszeichnung, die laut ASCO weniger als 1 Prozent der eingereichten Arbeiten widerfährt.

Titel des Beitrags
Bendamustine plus rituximab (B-R) versus CHOP plus rituximab (CHOP-R) as first-line treatment in patients with indolent and mantle cell lymphomas (MCL): Updated results from the StiL NHL1 study

Kontakt

Prof. Dr. Mathias Rummel, Leiter Hämatologie / Onkologie
Medizinische Klinik IV, Universitätsklinikum Gießen und Marburg
Klinikstraße 36, 35392 Gießen
Telefon: 0641 985-42650 (Sekretariat: -42651)

Charlotte Brückner-Ihl | idw
Weitere Informationen:
http://chicago2012.asco.org/
http://www.stil-info.de/
http://abstract.asco.org/AbstView_114_95807.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Gemeinsam innovativ werden
23.01.2018 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

nachricht Leichtbau zu Ende gedacht – Herausforderung Recycling
23.01.2018 | Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forscher decken die grundsätzliche Limitierung im Schlüsselmaterial für Festkörperbeleuchtung auf

Zum ersten Mal hat eine internationale Forschungsgruppe den Kernmechanismus aufgedeckt, der den Indium(In)-Einbau in Indium-Galliumnitrid ((In, Ga)N)-Dünnschichten begrenzt - dem Schlüsselmaterial für blaue Leuchtdioden (LED). Die Erhöhung des In-Gehalts in InGaN-Dünnschichten ist der übliche Ansatz, die Emission von III-Nitrid-basierten LEDs in Richtung des grünen und roten Bereiches des optischen Spektrums zu verschieben, welcher für die modernen RGB-LEDs notwendig ist. Die neuen Erkenntnisse beantworten die langjährige Forschungsfrage: Warum scheitert dieser klassische Ansatz, wenn wir versuchen, effiziente grüne und rote LEDs auf InGaN-Basis zu gewinnen?

Trotz der Fortschritte auf dem Gebiet der grünen LEDs und Laser gelang es den Forschern nicht, einen höheren Indium-Gehalt als 30% in den Dünnschichten zu...

Im Focus: Optisches Nanoskop ermöglicht Abbildung von Quantenpunkten

Physiker haben eine lichtmikroskopische Technik entwickelt, mit der sich Atome auf der Nanoskala abbilden lassen. Das neue Verfahren ermöglicht insbesondere, Quantenpunkte in einem Halbleiter-Chip bildlich darzustellen. Dies berichten die Wissenschaftler des Departements Physik und des Swiss Nanoscience Institute der Universität Basel zusammen mit Kollegen der Universität Bochum in «Nature Photonics».

Mikroskope machen Strukturen sichtbar, die dem menschlichen Auge sonst verborgen blieben. Einzelne Moleküle und Atome, die nur Bruchteile eines Nanometers...

Im Focus: Optical Nanoscope Allows Imaging of Quantum Dots

Physicists have developed a technique based on optical microscopy that can be used to create images of atoms on the nanoscale. In particular, the new method allows the imaging of quantum dots in a semiconductor chip. Together with colleagues from the University of Bochum, scientists from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute reported the findings in the journal Nature Photonics.

Microscopes allow us to see structures that are otherwise invisible to the human eye. However, conventional optical microscopes cannot be used to image...

Im Focus: Vollmond-Dreierlei am 31. Januar 2018

Am 31. Januar 2018 fallen zum ersten Mal seit dem 30. Dezember 1982 "Supermond" (ein Vollmond in Erdnähe), "Blutmond" (eine totale Mondfinsternis) und "Blue Moon" (ein zweiter Vollmond im Kalendermonat) zusammen - Beobachter im deutschen Sprachraum verpassen allerdings die sichtbaren Phasen der Mondfinsternis.

Nach den letzten drei Vollmonden am 4. November 2017, 3. Dezember 2017 und 2. Januar 2018 ist auch der bevorstehende Vollmond am 31. Januar 2018 ein...

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

15. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

23.01.2018 | Veranstaltungen

Gemeinsam innovativ werden

23.01.2018 | Veranstaltungen

Leichtbau zu Ende gedacht – Herausforderung Recycling

23.01.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Enzym mit überraschender Doppelfunktion

24.01.2018 | Biowissenschaften Chemie

Neuartiger hoch-produktiver Prozess für robuste Schichten auf flexiblen Materialien

24.01.2018 | Messenachrichten

Neuartiger Sensor zum Messen der elektrischen Feldstärke

24.01.2018 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics