Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

»Future Security«-Konferenz: intelligente Sensorsysteme für eine sichere Gesellschaft

22.08.2016

Neueste Technologien wie Logistiklösungen in Industrie-4.0-Fabriken, Radarsensorik für autonomes Fahren oder die Miniaturisierung unbemannter Flugsysteme (Drohnen) zur zivilen Nutzung eröffnen viele Chancen und bergen zahlreiche Risiken. Wie können intelligente Sensorsysteme genutzt werden, um mögliche Gefahren für den Einzelnen und die Gesellschaft zu erkennen und abzuwehren – ohne die Privatsphäre zu verletzen? Darüber diskutieren über 200 führende internationale Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik auf der 11. Future Security Konferenz für Sicherheitsforschung vom 13. bis 14. September 2016 in Berlin.

»Sensorsysteme für Schutz und Sicherheit« lautet das Motto der diesjährigen Future Security. Die Konferenz besteht seit 2006 unter der Schirmherrschaft des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und hat sich seitdem als wichtiges internationales Forum für Sicherheitsforschung etabliert.


Autonomes Fahren könnte künftig nicht nur die Sicherheit, sondern auch den Komfort und die Produktivität der Verkehrsteilnehmer deutlich erhöhen.

© Foto Chombosan - Fotolia.com


Sichere Lieferung bis an die Haustür: Logistikkonzerne erproben bereits den Gebrauch von Drohnen als fliegende Paketzusteller.

© Foto Peter Heimpel - Fotolia.com

Dabei bietet sie nicht nur ein breites Themenspektrum – von Grenz- und Flughafensicherheit über Datenschutz und Cyber Security bis hin zum Schutz von Smart Factories und sicherem autonomen Fahren: Durch die Interaktion von Ingenieurs-, Natur-, Rechts- und Sozialwissenschaftlern fördert die Future Security die Entwicklung von Sicherheitstechnik unter Berücksichtigung ethischer und wirtschaftlicher Gesichtspunkte wie der Freiheit des Einzelnen, des Freihandels und Warenverkehrs oder der Reisefreiheit und Mobilität.

Neue Technologien werden immer auch von neuen Herausforderungen und Risiken begleitet. So führt die Umsetzung innovativer Logistiklösungen für die Industrie 4.0 zu neuem Gefahrenpotenzial in der Betriebssicherheit – beispielsweise in der Mensch-Maschine-Interaktion. Beim Thema autonomes Fahren oder unbemannte Luftfahrzeuge müssen viele rechtliche Fragestellungen geklärt und Sicherheitsrisiken bewältigt werden.

Hier leistet Sensorik einen wichtigen Beitrag: »Innovative Sensortechnologien und -netzwerke bieten ein hohes Potential, wenn es darum geht, Systeme noch sicherer zu machen, Risiken frühzeitig zu erkennen oder Gefahren aus der Ferne zu analysieren, um Einsatzkräfte zu schützen«, erläutert Prof. Oliver Ambacher, Vorsitzender der Future Security 2016 und Leiter des Fraunhofer-Institut für Angewandte Festkörperphysik IAF.

Autonomes Fahren: Risiko- und Fahrsicherheitsanalysen

Topthema der Future Security 2016 ist das autonome Fahren. Ob Daimler, GM, Peugeot, Tesla, Valeo oder VW: Beim Entwickeln von Autos, die ganz ohne den Menschen oder halbautonom via Autopilot fahren, steuern oder parken, sind nicht nur zahllose Automobilhersteller, sondern auch Internet-Giganten wie Google ganz vorne mit dabei.

Sicherheit ist dabei das zentrale Thema: Denn autonomes Fahren könnte einem Bericht der Boston Consulting Group (BCG) und des Weltwirtschaftsforum zufolge 90 Prozent aller Unfälle verhindern.[1] Da die Zahl der Verkehrstoten 2015 gestiegen ist – deutschlandweit auf 3.475 und europaweit auf 26.000, spielt das fahrerlose Auto eine bedeutende Rolle beim EU-Plan, die Todeszahlen auf der Straße bis 2020 im Vergleich zu 2010 um 50 Prozent zu senken.[2]

Rückschläge bei teilautonomen Fahrassistenzsysteme wie beispielsweise der tödliche Unfall eines Nutzers des Tesla-Autopiloten im Juni 2016 zeigen auf, wie wichtig ausgefeilte Sicherheitsanalysen und Testszenarien sind, um sowohl die Sicherheit als auch die gesellschaftliche Befürwortung autonomer Fahrtechnik zu fördern. Eine hohe soziale Akzeptanz ist die Voraussetzung für die großflächige Einführung selbsttätig fahrender Autos im Straßenverkehr, die BCG für 2035 prognostiziert.[3]

Wie man Nutzer selbstfahrender Autos durch erprobte Sicherheitsstrategien noch besser schützen kann, ist auch Thema der diesjährigen Future Security: Thomas Raste von Continental wird in seinem Vortrag darauf eingehen, wie autonome Fahrkonzepte oder Autopiloten durch Fahrsicherheitsanalysen und Risiko-Assessments noch sicherer werden.

Das Gesamtziel ist dabei die »Vision Zero«: Bis 2050 sollen Straßen und Verkehrsmittel so sicher werden, dass es keine Verkehrstoten und Schwerverletzten mehr gibt. Holger Meinel erläutert als langjähriger Fachexperte und ehemaliger Manager Technologie Monitoring bei Daimler aktuelle Herausforderungen in der Zugangskontrolle selbstfahrender Autos. Mit den Sicherheitsvorteilen und dem technischen Nutzen hochintegrierter Mikrowellen-Radarsensoren für das autonome Fahren befasst sich Dietmar Kissinger vom Leibniz-Institut Innovations for High Performance Microelectronics IHP.

Kleinste unbemannte Luftfahrzeuge (UAV) identifizieren

Ein anderer Schwerpunkt der diesjährigen Future Security ist die Abwehr und Überwachung sogenannter unbemannter Luftfahrzeuge (Unmanned Aerial Vehicle oder UAV). Die Miniaturisierung dieser ferngesteuerten Flugsysteme, die es im militärischen Bereich bereits seit den 1930er Jahren gibt, führt zu einer rasanten Entwicklung des relativ jungen Markts für zivile Drohnen: Der US-Luftfahrtspezialist Teal Group schätzt, dass die weltweiten Ausgaben von 2,6 Milliarden US-Dollar in diesem Jahr auf knapp 11 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 ansteigen werden.[4] Damit stellen zivile unbemannte Luftfahrzeuge den am stärksten wachsenden Markt der Luftfahrtindustrie dar.

Einsatz in der Industrie finden Quadro- und Multicopter bereits jetzt in der Inspektion und Wartung von Kraftwerken, Staudämmen und Industrieanlagen, zur Erkundung von Bergwerken, zur Begutachtung von Schornsteinen und Fackelanlagen oder in der Fabrik- und Baustellenplanung. Behörden und Feuerwehren nutzen sie zur Landvermessung, bei Rettungseinsätzen sowie im Katastrophenschutz. Logistikkonzerne erproben den Gebrauch der Drohnen als fliegende Paketzusteller. Auch im privaten Bereich nimmt der unbemannte Luftverkehr zu: Bereits jetzt fliegen in Deutschland etwa 3 Millionen solcher Drohnen umher – kleinste Spielzeugfluggeräte nicht miteingerechnet.

Entsprechend stellen sich wichtige Sicherheitsfragen: Mit welchen rechtlichen und technischen Mitteln lassen sich die Risiken von UAVs für die Passagierluftfahrt eingrenzen? Wie lassen sich kleine Drohnen beispielsweise beim Anflug kritischer Infrastrukturen oder Zonen schnell identifizieren und zuverlässig neutralisieren, ohne dass die Umwelt gefährdet wird? Was ist der aktuelle technologische Stand in der Identifikation unbemannter Flugsysteme? Wie lassen sich Gefahren im Hinblick auf Privatsphäre und Datenschutz eingrenzen und abwenden? Diese und andere Fragen wird die Future Security 2016 behandeln. So werden Wissenschaftler der Fraunhofer Gesellschaft und Bernd Michael Fischer vom Deutsch-Französisches Forschungsinstitut Saint-Louis in ihren Vorträgen die Detektion kleiner und kleinster Drohnen und MAVs (Micro Aerial Vehicle) durch hochleistungsfähige Radare und andere Sensorsysteme thematisieren.

Effizienter Grenzschutz und Sicherheitskontrollen

Ein weiterer Fokus der Future Security 2016 ist der Grenzschutz: Die gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Bedeutung des Themas lässt sich derzeit europaweit an der nach wie vor brisanten Flüchtlingskrise festmachen. Nach Angaben der UNO-Flüchtlingshilfe UNHCR gelang 2015 etwa einer Millionen Menschen – vor allem Syrer, Afghanen und Iraker – die Einreise nach Europa.[5] Im gleichen Jahr wurden in Deutschland laut Bundesinnenministerium mit knapp einer halben Million mehr als doppelt so viel Asylanträge als 2014 gestellt, wobei die Gesamtzahl der Asylsuchenden über 1 Million betragen haben könnte.[6] Für 2016 und 2017 schätzt die EU-Kommission, dass bis zu drei Millionen Flüchtlinge meist illegal über Schlepperbanden nach Europa gelangen könnten – trotz verstärkter Bemühungen der Europäischen Union, der gemeinsamen Grenzschutzagentur Frontex und der europäischen Polizeibehörde Europol. Damit steht Europa auch mittel- bis langfristig bei Themen wie Flüchtlingsintegration, Grenzschutz oder Sicherheitskontrollen vor großen Herausforderungen.

Wie lassen sich in diesem Kontext die Flüchtlingsströme besser und schneller koordinieren? Wie lässt sich die europäische Außengrenze effizienter schützen? Mit welchen Technologien können Sicherheitskontrollen beschleunigt werden? Im Rahmen der Future Security 2016 werden mögliche Antworten auf diese Fragen diskutiert. So befasst sich Bernhard Strobl vom Austrian Institute of Technology (AIT) in seinem Vortrag mit mobilen Biometriegeräten für den Grenzschutz der Zukunft. Harm Greidanus vom Joint Research Center (JRC) der Europäischen Kommission zeigt auf, wie man über Detektion von Anomalien bei Schiffsdaten die maritime Sicherheit erhöhen kann. Krzysztof Samp vom polnischen ITTI beschäftigt sich mit dem optimierten Management grenzüberschreitender Ströme von Drittstaatsangehörigen.

Zur Sicherheitskonferenz Future Security

Die Future Security ist eine Plattform zum Austausch zwischen Forschern, Experten und Akteuren aus Wissenschaft, Industrie und Politik. Unter Schirmherrschaft des Bundesministeriums für Bildung und Forschung vermittelt die Konferenz seit 2006 Einblicke in aktuelle Forschungsbereiche und Themen rund um Sicherheit. Organisiert wird sie vom Fraunhofer-Verbund für Verteidigungs- und Sicherheitsforschung VVS. Konferenzvorsitzender ist in diesem Jahr Prof. Oliver Ambacher, Leiter des Fraunhofer-Institut für Angewandte Festkörperphysik IAF in Freiburg.

Anmeldung und Konferenzprogramm: http://www.future-security2016.de

[1] Bericht »Self-Driving Vehicles, Robo-Taxis, and the Urban Mobility Revolution« der Boston Consulting Group und des Weltwirtschaftsforum, August 2016, https://www.bcgperspectives.com/content/articles/automotive-public-sector-self-d...

[2] »Statistik zur Sicherheit im Straßenverkehr 2015«, der Europäischen Kommission, März 2016, http://europa.eu/rapid/press-release_MEMO-16-864_de.htm

[3] Studie »Back to the Future: The Road to Autonomous Driving« der Boston Consulting Group, Januar 2015, http://www.bcg.de/media/PressReleaseDetails.aspx?id=tcm:89-180204

[4] Studie »World Civil Unmanned Aerial Systems, Market Profile and Forecast 2016« der Teal Group, Juli 2016, http://www.tealgroup.com/index.php/about-teal-group-corporation/press-releases/1...

[5] Mitteilung »Over one million sea arrivals reach Europe in 2015« der UNHCR, Dezember 2015, http://www.unhcr.org/5683d0b56.html

[6] Mitteilung des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge des Bundesinnenministeriums, Januar 2016, http://www.bmi.bund.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2016/01/asylantraege-dez...

Weitere Informationen:

http://www.future-security2016.de Anmeldung und Konferenzprogramm
http://www.iaf.fraunhofer.de/de/presse/pressemitteilungen/future-security-konfer... Pressemitteilung auf der Website des Fraunhofer IAF

Michael Teiwes | Fraunhofer-Institut für Angewandte Festkörperphysik IAF

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Im Fokus: Klimaangepasste Pflanzen
25.05.2018 | Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung

nachricht Größter Astronomie-Kongress kommt nach Wien
24.05.2018 | Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

Je mehr die Elektronik Autos lenkt, beschleunigt und bremst, desto wichtiger wird der Schutz vor Cyber-Angriffen. Deshalb erarbeiten 15 Partner aus Industrie und Wissenschaft in den kommenden drei Jahren neue Ansätze für die IT-Sicherheit im selbstfahrenden Auto. Das Verbundvorhaben unter dem Namen „Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 7,2 Millionen Euro gefördert. Infineon leitet das Projekt.

Bereits heute bieten Fahrzeuge vielfältige Kommunikationsschnittstellen und immer mehr automatisierte Fahrfunktionen, wie beispielsweise Abstands- und...

Im Focus: Powerful IT security for the car of the future – research alliance develops new approaches

The more electronics steer, accelerate and brake cars, the more important it is to protect them against cyber-attacks. That is why 15 partners from industry and academia will work together over the next three years on new approaches to IT security in self-driving cars. The joint project goes by the name Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) and has funding of €7.2 million from the German Federal Ministry of Education and Research. Infineon is leading the project.

Vehicles already offer diverse communication interfaces and more and more automated functions, such as distance and lane-keeping assist systems. At the same...

Im Focus: Mit Hilfe molekularer Schalter lassen sich künftig neuartige Bauelemente entwickeln

Einem Forscherteam unter Führung von Physikern der Technischen Universität München (TUM) ist es gelungen, spezielle Moleküle mit einer angelegten Spannung zwischen zwei strukturell unterschiedlichen Zuständen hin und her zu schalten. Derartige Nano-Schalter könnten Basis für neuartige Bauelemente sein, die auf Silizium basierende Komponenten durch organische Moleküle ersetzen.

Die Entwicklung neuer elektronischer Technologien fordert eine ständige Verkleinerung funktioneller Komponenten. Physikern der TU München ist es im Rahmen...

Im Focus: Molecular switch will facilitate the development of pioneering electro-optical devices

A research team led by physicists at the Technical University of Munich (TUM) has developed molecular nanoswitches that can be toggled between two structurally different states using an applied voltage. They can serve as the basis for a pioneering class of devices that could replace silicon-based components with organic molecules.

The development of new electronic technologies drives the incessant reduction of functional component sizes. In the context of an international collaborative...

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Im Fokus: Klimaangepasste Pflanzen

25.05.2018 | Veranstaltungen

Größter Astronomie-Kongress kommt nach Wien

24.05.2018 | Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Berufsausbildung mit Zukunft

25.05.2018 | Unternehmensmeldung

Untersuchung der Zellmembran: Forscher entwickeln Stoff, der wichtigen Membranbestandteil nachahmt

25.05.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

25.05.2018 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics