Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Freundschaften sind wichtige soziale Werkzeuge

29.07.2011
Münsterscher Experte Prof. Dr. Michael Grünbart zum ersten „Tag der Freundschaft“ der Vereinten Nationen

Zum ersten internationalen „Tag der Freundschaft“ am Samstag heben Wissenschaftler die hohe soziale Bedeutung von Freundschaften hervor. Freundschaften und Freundschaftsnetzwerke hätten sich in der Geschichte immer wieder als wichtige soziale Werkzeuge erwiesen, sagte Historiker und Byzantinist Prof. Dr. Michael Grünbart vom Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Universität Münster. Er gehört dem internationalen Forschungsprojekt „Medieval Friendship Networks“ an, das über verschiedene mittelalterliche Kulturen hinweg vergleicht, wie Freundschaften funktionierten.

Prof. Grünbart sieht viele Parallelen zwischen Geschichte und Gegenwart: Zur Pflege politischer Verbindungen hätten in byzantinischer Zeit (330-1453) genauso wie heute Bankette zu Staatsbesuchen, Gastgeschenke, rote Teppiche und festliche Empfänge gedient. Die Feinheiten im diplomatischen Zeremoniell ähnelten sich ebenfalls stark, wenn man historische und gegenwärtige Abläufe vergleiche.

Überlieferte Briefe weisen nach den Worten des Wissenschaftlers gewisse Parallelen zu sozialen Netzwerken wie Facebook auf: „Dem Verfasser von Briefen ging es mitunter schlicht darum, ein Lebenszeichen zu geben, Neuigkeiten auszutauschen, sich in Erinnerung zu rufen oder einfach sein Schreib- und Lesebedürfnis zu stillen.“ Mit dem „Tag der Freundschaft“ am 30. Juli, den die Vereinten Nationen in diesem Jahr erstmals ausgerufen haben, soll an Freundschaften zwischen Personen, Ländern und Kulturen erinnert werden.

Wenn das Wort „Freundschaft“ in einem historischen Text fällt, rät Wissenschaftler Grünbart, dessen Bedeutung nicht mit heutigen Vorstellungen von emotionaler und uneigennütziger Verbundenheit zwischen Freunden gleichzusetzen. „Ganz offen schrieb beispielsweise 1158 ein Zeitgenosse über ein Abkommen zwischen Wilhelm I. von Sizilien und dem byzantinischen Kaiser Manuel I., dass keine ‚ehrliche Eintracht‘, sondern der gegenseitige Nutzen im Vordergrund stand. Obwohl die vermeintliche Freundschaft der beiden Herrscher alles andere als uneigennützig war, profitierten Kriegsgefangene und Soldaten sehr davon.“

Die Menschen im mittelalterlichen byzantinischen Reich pflegten laut Grünbart einen pragmatischen Freundschaftsbegriff: „Man durfte Freundschaft einsetzen, um etwas zu erreichen.“ In der damaligen Politik sei Freundschaft häufig ein erster Schritt zur Anbahnung einer Verwandtschaftsverbindung gewesen, erläuterte der Experte. „Wollte das Kaiserhaus seine Beziehungen zu anderen Mächten festigen, ließ es freundschaftliche Bündnisse möglichst mit verwandtschaftlichen Verhältnissen untermauern.“ Die nach Byzanz verheirateten Prinzessinnen hätten einen griechischen Namen annehmen müssen. Wie Piroschka von Ungarn, Tochter der Adelheid von Rheinfelden und Ladislaus von Ungarn, die zu Beginn des 12. Jahrhunderts Johannes II. heiratete, wurden viele von ihnen zu ihrer Hochzeit auf den Namen „Eirene“, also „Frieden“, getauft.

Wie wichtig staatliche Freundschaft in ihrer Funktion als gesellschaftlicher Kitt war, zeigte laut Prof. Grünbart auch eine Episode ihrer Abwesenheit. Quellen hätten die Herrschaft von Andronikos I. Komnenos 1183 bis 1185 als unerträgliche „Zeit des Zwietrachts“ bezeichnet, in der „alle Bande des Vertrauens, selbst zwischen den engsten Verwandten, zerrissen waren“.

Prof. Grünbart forscht am Exzellenzcluster im Projekt B11 „Kaiser und Patriarch in Byzanz – eine spannungsreiche Beziehung“. Im Forschungsprojekt „Medieval Friendship Networks“ befasst er sich mit Freundschaften in der Geschichte. Die Ergebnisse einer Tagung des Netzwerkes, die sich mit dem Austausch von Gaben zur Freundschafts- und Netzwerkpflege im europäischen Mittelalter befasste, sind soeben in einem Sammelband in der Reihe „Byzantinistische Studien und Texte“ im Münsterschen LIT-Verlag erschienen.

Redaktion: Brigitte Heeke/Viola van Melis (Kontakt: Brigitte.Heeke@uni-muenster.de; Telefon 0251 83-23376)

Dr. Christina Heimken | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-muenster.de/Religion-und-Politik/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel
02.12.2016 | Münchner Kreis

nachricht Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen
01.12.2016 | Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie