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Willensfreiheit sei eine Illusion, sagen Hirnforscher. Kritiker halten ihnen Reduktionismus vor.
Die Diskussion über diese Streitfrage lässt kaum eine wissenschaftliche Disziplin, die sich mit dem Menschen beschäftigt, unberührt und inzwischen wird sie auch in einer breiten Öffentlichkeit teilweise heftig geführt.
Die Aufregung wird verständlich angesichts zum Teil einschneidender Konsequenzen, die sich für nicht wenige Politik- und Gesellschaftsbereiche bis hin zum persönlichen Lebensumfeld ergäben, wenn man nicht mehr – wie lange Zeit selbstverständlich – davon ausgehen könnte, eine geistig reife, psychisch gesunde und nicht unter äußerem Zwang stehende Person könne ihr Entscheiden und Handeln nach ihrem freien Willen steuern. Gäbe es noch eine Verantwortlichkeit für das eigene Tun wenn Willensfreiheit illusionär wäre?
Exemplarisch zugespitzt folgt daraus nicht nur für Juristen die Frage, ob dann das Schuldprinzip im Strafrecht noch aufrecht erhalten werden könnte. Kann eine Gesellschaft, die nicht in anarchischem Chaos enden will, aber darauf verzichten, Rechtsbrecher zur Verantwortung zu ziehen? Und wie könnte Verantwortlichkeit anders begründet werden als mit der Fähigkeit, nach freiem Willen zwischen verschiedenen Verhaltens- und Handlungsoptionen zu entscheiden? Welche Auswirkungen hätte es schließlich für die alltägliche Lebenspraxis, wenn es eine solche Freiheit nicht gäbe?
Nach Berichten über die grundlegenden Erkenntnisse der Hirnforschung und der Rezeption dieser Erkenntnisse in verschiedenen Wissenschafts- und Lebensbereichen werden diese und weitere damit zusammenhängende Fragen bei einer Tagung vom 30. Oktober bis 1. November in Thurnau von namhafte Experten aus verschiedenen Disziplinen diskutiert. Konkret wird gefragt: Was spricht anthropologisch – im Blick auf den Menschen als Individuum wie auch als Sozialwesen – für und was gegen die These, der freie Wille sei eine Illusion? Wie sieht die Psychoanalyse den menschlichen Willen? Wie stellt sich das Spannungsfeld zwischen dessen Freiheit und Unfreiheit für die Theologie dar, in der das Thema eine lange Tradition hat? Und wie schließlich sieht es damit in der alltäglichen Lebenspraxis aus? Dem allen vorangestellt ist eine Einführung in die „Hirnforschung – gestern und heute“.
Organisatoren der Tagung sind Dr. Christoph Meier, Evangelische Akademie Tutzing, und Professor Dr. Helmut Büttner von der Universität Bayreuth.
Anmeldungen sind bis zum 23. Oktober bei der Evangelischen Akademie Tutzing möglich. Die Tagungsorganisation ist telefonisch unter der Nummer 08158/251125 oder per E-Mail unter brosch@ev-akademie-tutzing.de erreichbar.
Frank Schmälzle | Quelle: Universität Bayreuth
Weitere Informationen: www.ev-akademie-tutzing.de
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