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Fachtagung: Zeitarbeiter und Stammbelegschaft gleich behandeln

06.09.2010
Die Zeitarbeit ist ein Motor auf dem Arbeitsmarkt. Mittlerweile befinden sich wieder rund 850.000 Beschäftigte in Zeitarbeit.

Zurzeit kommt jede dritte gemeldete freie Stelle laut Angaben der Bundesagentur für Arbeit aus der Zeitarbeit. Andererseits tragen Zeitarbeiter ein doppelt so hohes Unfallrisiko wie die übrigen Beschäftigten. Damit sind Zeitarbeiter deutlich gefährdeter als die Stammbelegschaften.

Hinzu kommen hohe körperliche und psychische Belastungen bei Beschäftigten in der Zeitarbeit, wie es heute bei der Fachveranstaltung „Sicherheit und Gesundheit bei der Zeitarbeit in Entleihunternehmen“ der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) hieß.

Über 100 Experten und Praktiker informierten sich dabei über den Stand von Sicherheit und Gesundheit in der Zeitarbeit sowie über Ansätze, um die offensichtlichen Probleme in der Zeitarbeit zu lösen. Im Mittelpunkt standen aktuelle Informationen über Aktivitäten, Erkenntnisse und Zwischenergebnisse des Projekts GRAZiL (Gestaltung, Umsetzung und Transfer von Instrumenten zum Ressourcenmanagement und zum Arbeitsschutz im Rahmen eines zielgruppenbezogenen Ansatzes für Leiharbeitnehmer in Entleihunternehmen) und das Arbeitsprogramm „Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Zeitarbeit“ der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie (GDA).

„Angesichts des niedrigeren Qualifikationsniveaus sehen sich Zeitarbeiter deutlich höheren körperlichen Belastungen ausgesetzt als andere Beschäftigte. So sind etwa ein Drittel der Arbeitnehmer in Zeitarbeitsfirmen Hilfsarbeiter“, bilanzierte Dr. Beate Beermann, BAuA. „Zeitarbeiter müssen deshalb häufiger schwer heben und tragen, sind öfter Lärm ausgesetzt und arbeiten öfter im Stehen oder unter schwierigen klimatischen Bedingungen. Hinzu kommen psychische Belastungen, wenn die Zeitarbeiter beispielsweise anders als die Stammbelegschaft im Betrieb behandelt werden. Hier sind dringend Maßnahmen notwendig, um die Belastungen und das Unfallrisiko zu senken“, fordert die Arbeitspsychologin.

Im Rahmen des Modellprogramms zur Bekämpfung arbeitsbedingter Erkrankungen, das vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales gefördert und durch die BAuA fachlich begleitet wird, untersucht das Projekt GRAZiL die besondere Gefährdungssituation von Leiharbeitskräften auch unter dem Aspekt ihrer hohen psychischen Fehlbelastungen. „Die Erfahrungen des GRAZiL-Forschungsverbundes zeigen, dass es im Zusammenhang mit einer ganzheitlichen Gefährdungsbeurteilung zu einer Reihe von Problemen bei der Arbeitnehmerüberlassung im Entleihbetrieb kommt“, erklärt Projektleiter Prof. Dr. Thomas Langhoff. „Dabei kristallisieren sich mangelnde Abstimmung und Kommunikation als besonders hinderliche Faktoren heraus, um die Zeitarbeiter nachhaltig in den betrieblichen Arbeitsschutz einzubinden. Zudem führt die Ausgrenzung der Zeitarbeiter im Entleihbetrieb zu krankmachenden psychosozialen Belastungen.“ GRAZiL hat deshalb auch ein Wertschätzungstraining entwickelt. Dennoch sind insbesondere bei Führungskräften Einstellungs- und Verhaltensänderungen nötig, um die schwerwiegenden Mängel hinsichtlich Gesundheit und Sicherheit der Zeitarbeitnehmer zu beheben.

Das GDA-Arbeitsprogramm „Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Zeitarbeit“ setzt über die Aufsichtsbehörden an. „Dazu arbeiten wir in drei Phasen“, sagt Dr. Bernhard Brückner, GDA. „Im ersten Schritt werden die Bedingungen des Einsatzes der Zeitarbeiter im Zuge der routinemäßigen Revisionen überprüft. Daran schließt sich eine Informationskampagne an. In einer dritten Phase erfolgt eine Überprüfung der empfohlenen Maßnahmen in den beratenen Entleihunternehmen und eine Evaluation der Ergebnisse“, ergänzt er. Seit September 2009 besuchen Vertreter der Aufsichtsbehörden Entleihbetriebe. Insgesamt will die GDA rund 10.000 Betriebe in das Arbeitsprogramm einbeziehen.

Die Vorträge und Diskussionen der Fachveranstaltung zeichneten ein positives Bild. Vielen Unternehmen ist bewusst, dass sich Zeitarbeiter besser in Entleihunternehmen integrieren lassen könnten. Mit den auf der Tagung vorgestellten Maßnahmen soll die Belastungs- und Gefährdungssituation von Zeitarbeitern nachhaltig verbessert werden.

Forschung für Arbeit und Gesundheit
Sichere und gesunde Arbeitsbedingungen stehen für sozialen Fortschritt. Sie ermöglichen Unternehmen wie auch der gesamten Volkswirtschaft einen Vorsprung im globalen Wettbewerb. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) forscht und entwickelt im Themenfeld Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit, fördert den Wissenstransfer in die Praxis, berät die Politik und erfüllt hoheitliche Aufgaben – im Gefahrstoffrecht, bei der Produktsicherheit und mit dem Gesundheitsdatenarchiv. Die BAuA ist eine Ressortforschungseinrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Rund 660 Beschäftigte arbeiten am Hauptsitz in Dortmund und den Standorten Berlin, Dresden sowie in der Außenstelle Chemnitz.

Jörg Feldmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.baua.de

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