Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fachtagung Biotechnologie: Tomaten auf Rezept und Algen zum Frühstück

10.05.2016

Die Akademie der Hochschule Biberach bietet im Juni erstmals eine Fachtagung der Biotechnologie an. Die ganztägige Veranstaltung wird am 2. Juni am Campus Stadt angeboten. In Zusammenarbeit mit dem Studiengang Industrielle Biotechnologie soll künftig jedes Jahr ein anderer Schwerpunkt aus der weißen Biotechnologie beleuchtet werden, um auf der Seite der Industrie, aber auch der des akademischen Nachwuchses ein Bewusstsein für die Vielschichtigkeit der eigenen Branche zu schaffen.

Zum Auftakt haben sich die Veranstalter für die Sparte „Lebensmittelindustrie“ entschieden – die Fachtagung richtet sich deshalb insbesondere an Lebensmitteltechnologen und -chemiker, Mikrobiologen und Verfahrenstechniker.


Prof. Dr.-Ing. Heike Frühwirth und Saumil Shah prüfen die Mikroalge Spirulina, die in Bangkok auf urbanen Flächen angebaut wird

Foto: HBC

Bierbrauen und Hefegebäck – dies sind seit Jahrhunderten bekannte Prozesse, die den Einsatz von Biotechnologie in Lebensmitteln begründet haben. Bei der Fachtagung sollen innovative Beispiele die Möglichkeiten der Biotechnologie aufzeigen und darstellen, wie unterschiedlich sich die Anwendungsgebiete an der Schnittstelle Chemie, Physik, Biologie und Verfahrenstechnik gestalten können.

Etwa „Fruitflow“, ein neuartiges Verfahren, das eine Arbeitsgruppe um Dr. Bernd Mussler (Innovation Project Director, Human Nutrition and Health, DSM) entwickelt hat, um Komponenten der Tomate zu extrahieren, die beim Menschen eine blutverdünnende Wirkung haben – allerdings ohne die unerwünschten Nebenwirkungen wie man sie beispielsweise von der Acetylsalicylsäure kennt.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hat Fruitflow bereits eine pharmakologische Wirkung zuerkannt. Ob es künftig also Tomaten auf Rezept gibt, das wird die Fachtagung Biotechnologie mit einem Vortrag von Dr. Mussler, der aus Kaiseraugst in der Schweiz anreist, klären.

Ein erfolgsversprechendes Verfahren in Bangkok stellt Saumil Shah (Managing Director and Founder, EnerGaia) dem Tagungspublikum vor: Der Jungunternehmer aus Thailand produziert die Mikroalge „Spirulina“ im großen Stil. Shah baut die als blaugrünes Wunder bekannte Meerespflanze über den Dächern Bangkoks an; in Tonnen vermehrt er auf diesen urbanen Flächen die Spirulina-Algen, um sie als Nahrungsergänzungsmittel auf den Markt zu bringen.

Die Alge ist seit langem für ihren hohen Gehalt an Proteinen, Vitaminen und Mineralstoffen bekannt und soll das Immunsystem stärken, die Verdauung auf Trab bringen und unsere Zellen vor schädlichen freien Radikalen schützen. Der Studiengang Industrielle Biotechnologie an der Hochschule Biberach steht seit rund einem Jahr mit dem Start-up-Unternehmen in Thailand in Kontakt.

Eine Bachelorarbeit wurde bereits innerhalb dieses Projektes verfasst; aktuell untersuchen Studierende, wie man die Anlage von Saumil Shah noch verbessern kann, so dass das Nahrungsergänzungsmittel aus Bangkok vielleicht bald auch auf den deutschen Frühstückstellern landet, etwa in Form einer Kapsel, die man einmal täglich einnimmt.

„Noch sind derartige Produkte für den Verbraucher sehr teuer“, erläutert Professorin Dr.-Ing. Heike Frühwirth, Studiendekanin des Studienganges Industrielle Biotechnologie an der Hochschule Biberach und Leiterin der Fachtagung. Die Optimierung der Prozesse sei ein wichtiger Schritt, diese innovativen Produkte kostengünstiger herstellen zu können und damit eine größere Marktdurchdringung zu schaffen.

Grundsätzlich, so Frühwirth, sei die industrielle Biotechnologie in der Lage, durch den gezielten Einsatz spezieller Mikroorganismen Prozesse effizient und nachhaltig zu gestalten. Klassische chemische Verfahren könnten dadurch abgelöst werden.
Wie in allen Biotechnologie-Sparten sei die Zielsetzung dem Anspruch geschuldet, den Energieaufwand zu minimieren sowie das Gefährdungspotenzial für Produktionsmitarbeiter und Konsumenten zu verringern, so Frühwirth. Ferner gehe es darum, aus der Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen zu kommen, ohne dass die Flächen für den Pflanzenanbau zur Erzeugung von Bioenergie mit jenen für die Nahrungs- und Futtermittelindustrie konkurrieren.

In diesem Sinne sieht sich die Fachtagung Biotechnologie als Plattform für den Austausch zwischen Forschung und Industrie. Als Hochschule für angewandte Wissenschaften sei die HBC interessiert daran, konkrete Fragestellungen aus der Branche zu analysieren und zu beantworten, so Frühwirth. „Wissenschaftler und Industrievertreter sind herzlich eingeladen, uns bei der Fachtagung der Biotechnologie in Biberach zu treffen“.

Ideeler Träger der Fachtagung ist das Netzwerk „BioRegion Ulm“; unterstützt wird die Veranstaltung auch durch „BioLAGO“, einem Verbund für Life Sciences in der Vierländer Region Bodensee. Anmeldungen für die Fachtagung Biotechnologie nimmt die Akademie der Hochschule Biberach ab sofort an.

Weitere Informationen:

http://www.akademie-biberach.de/biotech
http://www.hochschule-biberach.de

Anette Schober-Knitz | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein
28.03.2017 | Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT

nachricht Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle
28.03.2017 | Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Warum der Brennstoffzelle die Luft wegbleibt

28.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chlamydien: Wie Bakterien das Ruder übernehmen

28.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Sterngeburt in den Winden supermassereicher Schwarzer Löcher

28.03.2017 | Physik Astronomie