Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Europäischer Chemie-Kongress in Nürnberg - Innovative Materialien überall begehrt

19.08.2010
Auf eine Entdeckungsreise in die Welt der Synthese innovativer Materialien kann man sich auf dem 3rd EuCheMS Chemistry Congress begeben, der vom 29. August bis 3. September 2010 in Nürnberg stattfindet.

Einführend schickt Professor Dr. Klaus Müllen die Teilnehmer an der Eröffnungsveranstaltung auf eine solche Reise. Der Direktor am Max-Planck-Institut für Polymerforschung in Mainz und Vizepräsident der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) berichtet von neuen funktionellen Nanopartikeln wie Latexpartikel, strukturstabile Dendrimere (baumartig verzweigte Moleküle), oberflächenfunktionalisierte Globularproteine, Graphen-Moleküle und Kohlenstoffnanoröhrchen.

Sie können vielseitig verwendet werden, beispielsweise für katalytische Reaktionen, für die Gentransfektion und für Neuentwicklungen bei Lithiumionenbatterien oder Sensoren.

Graphen-Moleküle bilden eine Substanzklasse, die derzeit im Fokus der Forschung steht. Bei Graphen handelt es sich um eine zweidimensionale Kohlenstoffnanostruktur. In einer Ebene, also in einer einatomaren Schicht, befinden sich Kohlenstoffatome, die jeweils von drei anderen Kohlenstoffatomen umgeben sind, wodurch ein bienenwabenförmiges Muster ausgebildet wird. Ihre physikalischen Eigenschaften und ihre hohe chemische Stabilität prädestinieren Graphene für zahlreiche elektronische Anwendungen bis hin zu Elektrodenmaterialien in Brennstoffzellen und Lithiumionenbatterien.

Die unglaublich dünnen Folien entzogen sich bislang einer Massenproduktion. Dr. Xinliang Feng, Leiter der Projektgruppe Graphit am Max-Planck-Institut für Polymerforschung, stellt in Nürnberg eine Fertigungstechnik für Graphen für transparente Elektroden vor, die von preiswertem Graphenoxid ausgeht. Interessant könnte dies für Organische Photovoltaik-Systeme und Organische Feldeffekt-Transistoren werden.

Dr. Dariush Hinderberger leitet am Max-Planck-Institut für Polymerforschung eine Arbeitsgruppe, in der er mit Hilfe der Elektronenspinresonanz (ESR)-Spektroskopie erforscht, wie nichtkovalente Wechselwirkungen die Struktur und Funktion weicher Materie bestimmen. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Untersuchung von Polymermaterialien, die sehr stark und definiert auf Temperaturveränderungen reagieren. Diese sogenannten thermoresponsiven Polymere können große Mengen an Wasser aufnehmen und bei Temperaturerhöhung abgeben. Sie verfügen über großes Potenzial in der Mikroanalytik (Sensoren, Lab-on-a-chip), bei der gezielten Wirkstoffabgabe oder bei Oberflächenmodifikationen. Doch was passiert eigentlich genau, wenn sich die Materialeigenschaften bei bestimmten Temperaturen verändern? Wie verändert sich dann die Struktur des Materials auf der Nanometerskala? Nur wenn diese Frage beantwortet werden kann, lassen sich derartige Materialien auf die jeweiligen Anwendungen maßschneidern, macht Hinderberger in Nürnberg deutlich.

Nach innovativen Materialien auf Polymerbasis wird vor allem auch in der Medizin gesucht. Die Chemikerin Dr. Karen Lienkamp, Habilitandin am Institut für Mikrosystemtechnik der Universität Freiburg, stellt in Nürnberg Forschungsarbeiten vor, die sie kürzlich als Postdoc an der University of Massachusetts durchgeführt hat. Dort wird nach neuen Polymermaterialien gesucht, die die Ausbreitung von multiresistenten Bakterien in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen eindämmen können. Lienkamp hat dazu synthetische Imitate antimikrobiell wirkender Peptide (SMAMPs) hergestellt und untersucht. Diese Polymere sollen dort, wo das Infektionsrisiko besonders hoch ist, beispielsweise beim Einsatz von medizinischen Geräten und in der Implantationschirurgie, antibiotikaresistente „Superbugs“ wie multiresistente Staphylococcus aureus Bakterien (MRSA und ORSA) bekämpfen.

Im Gegensatz zu konventionellen Antibiotika, die genau definierte Ziele in Bakterien angreifen, wirken SMAMPs unspezifisch gegen die Zellmembran der Bakterien. Dadurch ist die Resistenzbildung gegen SMAMPs deutlich reduziert. Trotz ihrer unspezifischen Wirkung sind SMAMPs in der Lage, zwischen körpereigenen Zellen und schädlichen Keimen zu unterscheiden, da die verschiedenen Zellsorten unterschiedliche Oberflächenladungen haben. SMAMPs sind relativ kleine kationische Polymere, die sehr unterschiedlich wirken können, je nachdem von welchen monomeren Bausteinen ausgegangen wird, wie hoch das Molekulargewicht ist und welche Gegenionen sie tragen. Durch Variation dieser „Stellschrauben“ lässt sich einstellen, welche Bakterien bekämpft werden sollen. Für die Eindämmung von MRSA- und ORSA-Infektionen hat Frau Lienkamp aussichtsreiche SMAMP-Kandidaten finden können.

Der bedeutendste europäische Chemiekongress, der EuCheMS Chemistry Congress, wird von der European Association of Chemical and Molecular Sciences (EuCheMS) veranstaltet, die in diesem Jahr mit etwa 3.000 Teilnehmern rechnet. Zum 17. August hatte der Gastgeber und Hauptorganisator, die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und mit annähernd 30.000 Mitgliedern zweitgrößte EuCheMS-Mitgliedsgesellschaft, bereits rund 2.400 Teilnehmer aus über 60 Ländern registrieren können. Der Kongress wartet unter dem Motto „Chemistry – the Creative Force“ mit aktuellen Forschungsergebnissen aus allen wichtigen Teilbereichen der Chemie auf. Besonders herausgehoben werden Themen mit gesellschaftlicher Relevanz wie innovative Materialien, Rohstoffe und Nachhaltigkeit, molekulare Lebenswissenschaften oder Katalyse.

Dr. Renate Hoer | GDCh
Weitere Informationen:
http://www.gdch.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni
24.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

nachricht Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet
24.05.2017 | Deutsche Diabetes Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften