Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Europäische Forschungskonferenz Klimawandel und Naturschutz

25.06.2013
Klimawandel verändert Europas Natur und Landschaften
Naturschutzmaßnahmen unterstützen effizient die Anpassung an den Klimawandel
Konsequenter Auenschutz und Auen-Renaturierung leisten einen Beitrag zum Klimaschutz und sind volkswirtschaftlich effektiver Hochwasserschutz

Heute hat in Bonn eine dreitägige Europäische Forschungskonferenz zum Thema Klimawandel und Naturschutz begonnen. Etwa 200 Fachleute aus 22 Nationen Europas und außereuropäischen Ländern sind der Einladung des Bundesamts für Naturschutz (BfN) gefolgt, um sich über die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse auszutauschen.

„Die Wissenschaft ist sich einig: Der Klimawandel ist in Europa angekommen. Die Zunahme der Starkregen-Ereignisse, die zu den verheerenden Hochwasserschäden an Elbe und Donau geführt haben, auf der einen Seite und die Dürreperioden in Teilen Europas auf der anderen Seite, sprechen eine deutliche Sprache. Für den Naturschutz stellt sich die Frage, wie man Arten und Lebensräumen eine optimale Anpassung an die Klimaveränderungen ermöglichen kann. Die Handlungsempfehlungen der Wissenschaftler umfassen neben einer Anpassung des Managements vor allem eine verbesserte Vernetzung von Schutzgebieten sowie den Aufbau grenzüberschreitender Biotopverbundsysteme“, sagte BfN-Präsidentin Prof. Dr. Beate Jessel.

„Damit die vom Klimawandel bedrohten Arten geeignete neue Lebensräume finden können, ist die europaweite Durchlässigkeit der Landschaft von großer Bedeutung. Auch in Deutschland gibt es noch erheblichen Nachholbedarf, etwa bei der Schaffung eines länderübergreifenden Biotopverbunds. Daher müssen Investitionen in eine grüne Infrastruktur gestärkt werden,“ so Jessel.

Angesichts der Hochwasserereignisse der vergangenen Wochen sind die Ökosystemleistungen der deutschen Flussauen ebenfalls ein wichtiges Thema der Konferenz. „Um nachhaltig für einen Hochwasserschutz zu sorgen, dürfen wir uns nicht nur einseitig auf technische Hochwasserschutzmaßnahmen fokussieren. Der Klimawandel erfordert eine Rückbesinnung auf intakte Auenlandschaften, die den Flüssen mehr Raum geben, gleichzeitig den Wasserabfluss bremsen und so Hochwasserspitzen vermindern. Dies muss mit Maßnahmen einhergehen, die den Böden im Einzugsgebiet wieder eine bessere Wasserrückhaltefähigkeit verleihen. Der positive Nebeneffekt ist dabei, dass diese Böden einen höheren Humusanteil haben und wiederum mehr Kohlenstoff speichern können,“ sagte BfN-Präsidentin Jessel.

Auf der Konferenz werden auch vielfältige Beispiele vorgestellt, wie Ökosysteme und Naturschutzmaßnahmen zum Klimaschutz sowie zur gesellschaftlichen Anpassung an die Folgen des Klimawandels beitragen können. In vielen Fällen stellen ökosystembasierte Maßnahmen im Vergleich zu technischen Lösungen kosteneffektive Alternativen dar und erzeugen zudem oft noch weiteren Zusatznutzen für Mensch und Natur. So trägt die Rückgewinnung naturnaher Auengebiete zum Hochwasserschutz bei, unterstützt die Selbstreinigung der Gewässer, mindert die Emission von CO² und schafft Hotspots der Biodiversität. Die Anlage von Grünflächen als Frischluftschneisen in Städten schafft nicht nur neue Lebensräume für an urbane Lebensräume angepasste Pflanzen und Tiere sondern verbessert das Lebensumfeld der Stadtbewohner, u. a. indem die städtische Überhitzung vermindert und Luft gefiltert wird.

Im Bereich des ökosystem-basierten Klimaschutzes stehen die Erhaltung und die Wiederherstellung kohlenstoffspeichernder Ökosysteme wie Moore und Wälder im Mittelpunkt. Nach einer aktuellen Studie des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) stellt die Renaturierung von Mooren einen vergleichsweise kostengünstigen und äußerst effektiven Beitrag zum Klimaschutz dar. „Damit werden Klimaschutzmaßnahmen zum günstigen Koppelprodukt des Naturschutzes, - eine echte Win-Win-Situation,“ erklärte die BfN-Präsidentin.

In Projekten zur Grundlagenforschung wurden die bereits beobachtbaren Auswirkungen des Klimawandels auf Arten, Lebensräume und Landschaften erfasst und anhand von Modell-Rechnungen für verschiedene Artengruppen mögliche zukünftige Veränderungen ihrer Verbreitungsgebiete ermittelt. Hierbei wird deutlich, dass sich die klimatisch geeigneten Lebensräume von vielen Tier- und Pflanzenarten verkleinern bzw. großräumig nach Norden oder in höher gelegene Lagen verschieben, - vor allem Letzteres mit nur begrenzten Ausweichmöglichkeiten. Eine Reihe von kälteliebenden Arten wird daher langfristig aus Mitteleuropa verschwinden, etwa alpine Pflanzen und arktische bzw. boreale Arten (der kalt gemäßigten Klimazone), die seit der letzten Eiszeit auf klimatischen Sonderstandorten überdauern konnten. Im Gegenzug werden verstärkt wärmeliebende Arten wie z.B. Schmetterlinge oder Libellen aus dem Mittelmeerraum einwandern.
„Es ist wichtig, dass es sich bei der Verschiebung von Lebensräumen um notwendige Anpassungsprozesse an den Klimawandel handelt. Für den Naturschutz stellt sich die Frage, wie man den betroffenen Arten und Lebensräumen eine optimale Anpassung an die Veränderungen ermöglichen kann. Antworten darauf zu finden ist ein Hauptziel dieser Tagung, und ein funktionierender länderübergreifender Biotopverbund ist hier genauso wichtig, wie die Durchlässigkeit der genutzten Kulturlandschaft für wandernde Arten", so Beate Jessel.

Das BfN legt dabei besonderen Wert darauf, im Rahmen der Veranstaltung auch sozioökonomische Gesichtspunkte zu berücksichtigen. Der letzte Tag der Konferenz ist diesem Themenschwerpunkt gewidmet. „Selbstverständlich lässt sich der Wert der Natur nicht allein mit finanziellen Maßstäben messen, jedoch bietet die Bewertung von Leistungen, die durch Ökosysteme gerade auch für den Klimaschutz bereitgestellt werden, eine Möglichkeit, sich die ökonomischen Konsequenzen des zunehmenden Verlustes von Biodiversität bewusst zu machen“ erklärt Frau Prof. Jessel.
Hintergrund: Europäische Forschungskonferenz Klimawandel und Naturschutz
Das Verhältnis von biologischer Vielfalt und Klimawandel stellt seit 1994 eines der wesentlichen Forschungsfelder des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) dar. Die Veranstaltung, die in Kooperation mit dem Netzwerk der Europäischen Naturschutzbehörden (ENCA) und der FU-Berlin durchführt wird, steht ganz im Zeichen des grenz- und disziplinübergreifenden Erfahrungsaustauschs europäischer Wissenschaftler und Behördenvertreter aber auch Naturschutzpraktikern, die an der Schnittstelle von Biologischer Vielfalt und Klimawandel forschen und arbeiten. „Gerade vor den Hintergrund des Klimawandels wird es für den Naturschutz zunehmend wichtiger über die nationalen Grenzen hinweg zusammenzuarbeiten und den Austausch von Forschungs- und Lösungsansätzen zu fördern. Denn weder der Klimawandel noch die biologische Vielfalt enden an nationalen Grenzen, und sie werden unsere Natur und unsere Landschaften über die Grenzen hinweg maßgeblich verändern,“ sagte BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel in ihrer Eröffnungsrede.

Im Dialog mit dem europäischen Fachpublikum werden auf der Konferenz Möglichkeiten zur Anpassung von Ökosystemen an den Klimawandel identifiziert, aber auch deren wichtige Beiträge zum Klimaschutz und zur gesellschaftlichen Anpassung beleuchtet. An den drei Konferenztagen präsentieren hochkarätige Expertinnen und Experten aus ganz Europa das breite Spektrum an Fragestellungen bzw. Herausforderungen, mit denen der Klimawandel den europäischen Naturschutz konfrontiert und erarbeiten gemeinsam mit den Teilnehmenden Strategien und Lösungsmöglichkeiten.

Franz August Emde | idw
Weitere Informationen:
http://www.bfn.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel
02.12.2016 | Münchner Kreis

nachricht Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen
01.12.2016 | Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie