Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Es lebe der Boden - wie Mensch und Tier gemeinsam Wüstenböden urbar machen

16.04.2015

Um die weltweite Bedeutung der Böden für das menschliche Wohlergehen deutlicher zu machen, findet vom 19. bis 23. April in Berlin die 3. Global Soil Week statt.

Wissenschaft, Politik und andere Interessensgruppen tragen hier den aktuellen Forschungsstand und Lösungsansätze zusammen, die helfen sollen, die Nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen zu erreichen, die dieses Jahr die Millennium-Entwicklungsziele ablösen.


Zai-Loch mit Laubfüllung

D. Kaiser/Uni Würzburg

Überraschend großes Potenzial haben dabei traditionelle Ansätze, die das Leben im Boden nutzen statt zu bekämpfen. So können beispielsweise Termiten verödete Böden in weiten Teilen des Afrikanischen Kontinents wieder nutzbar machen.

Yacouba Sawadogo ist ein über 70 Jahre alter Bauer aus Burkina Faso. Während der extremen Dürren Anfang der 1980er Jahre, in der ein Großteil der Menschen aus der Sahelzone floh, hatte er eine Vision und vor allem Ausdauer: Er entwickelte eine traditionelle Methode weiter, mit der er völlig verödete steinharte Böden wieder fruchtbar machte.

Er hackte Tausende kleiner Löcher in den Boden und füllte sie mit Kompost. Wo vor 30 Jahren nur Wüste war, stehen heute üppige Hirsefelder und ein artenreicher Wald, das Grundwasser stieg, die Brunnen füllten sich, die Menschen kamen zurück und kultivieren nach Yacoubas Methode die Böden. Ein Film machte den alten Bauern berühmt als „Der Mann, der die Wüste bezwang".

Dieses Wunder war das Ergebnis harter Arbeit, nicht nur von Menschen sondern auch einer Heerschar von Bodenorganismen, vor allem von Termiten. Die Biologin Dorkas Kaiser von der Universität Würzburg untersucht seit zehn Jahren, welchen Anteil diese Tiere an Yacoubas Wunder haben.

Die Ergebnisse sind faszinierend. Die Termiten werden durch den Kompost in den Löchern angezogen und schichten den Boden daraufhin völlig um. Innerhalb weniger Jahre werden hier unglaubliche Massen an Erdreich transportiert, worauf der wenige Niederschlag in den Boden eindringen kann und Pflanzen wurzeln können.

Das Ergebnis sind nutzbare Böden. Studien gehen davon aus, dass mit dieser Zaï-Methode große Teile Afrikas nutzbar gemacht werden könnten.

Weltweit sind durch nicht-nachhaltige Bewirtschaftung schätzungsweise 20 bis 25 Prozent aller Böden degradiert, und jedes Jahr kommen bis zu zehn Millionen Hektar, rund die Fläche Österreichs, hinzu. Wüchse die heutige Nachfrage nach Agrarprodukten unverändert weiter, müsste bis 2050 eine zusätzliche Agrarfläche irgendwo zwischen der Größe Indiens und Brasiliens erschlossen werden, schreibt Agrarreferentin Christine Chemnitz von der Böll-Stiftung im Bodenatlas.

In Europa sind es vor allem industrielle Produktionsmethoden unter Einsatz großer Mengen von Kunstdünger und Pflanzenschutzmitteln, die den Helfern im Boden zusetzen und damit dessen Leistungsfähigkeit kontinuierlich senken.

Dazu kommt Erosion durch Wind und Regen durch fehlende Barrieren in der Landschaft. So hätten gesunde Böden in unseren Breiten eigentlich Humusgehalte zwischen 3,5 und 6 Prozent. Die meisten landwirtschaftlich intensiv genutzten Flächen enthalten jedoch lediglich ein bis zwei Prozent Humus, oft sogar weniger. Das macht sich auch am Ertrag bemerkbar.

Traditionelle Methoden nutzen in der Regel die Artenvielfalt statt sie zu bekämpfen. In der lokalen Bevölkerung aller Weltregionen schlummert ein Wissensschatz, der eine Vielzahl unserer heutigen Probleme einer nachhaltigen Ernährung lösen könnte. Der Weltbiodiversitätsrat IPBES (Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services) hat sich deshalb zur Aufgabe gemacht, traditionelles Wissen neben der klassischen Wissenschaft einzubeziehen, um den rapiden Verlust der biologischen Vielfalt und ihrer Leistungen, von denen die Menschen abhängen, zu stoppen. Diese sollen die politischen Entscheidungsträger in aller Welt auf einen einheitlichen aktuellen Wissensstand bringen, um dauerhafte und gerechte Lösungen der Nutzung zu schaffen.

Politische Entscheidungsträger werden bei der Global Soil Week in Berlin ebenfalls erwartet. Geplant ist hier vor allem, die Bedeutung der Böden auch in den so genannten Nachhaltigen Entwicklungsziele (Sustainable Development Goals) der UNO zu verankern, die im kommenden September die Millennium Entwicklungsziele ablösen sollen. Diese enorm wichtige Ressource sei in den bisherigen Entwürfen schlicht nicht berücksichtigt, so die Veranstalter. Weiteres Highlight ist die Ankündigung eines Großforschungs- und Entwicklungsprojektes zur Bodenwiederherstellung in fünf Ländern (Burkina Faso, Benin, Kenia, Äthiopien und Indien).

Zum vollständigen Artikel „Es lebe der Boden"

http://www.biodiversity.de/index.php/fuer-presse-medien/top-themen-biodiversitae...

Zur offiziellen Pressemitteilung des IASS-Potsdam zur Global Soil Week

http://www.biodiversity.de/index.php?subid=1278&option=com_acymailing&ct...

Zum Bodenatlas

http://www.biodiversity.de/index.php?subid=1278&option=com_acymailing&ct...

Kontakt:
Sebastian Tilch
NeFo-Pressereferent
Telefon: 0341-235-1062
E-Mail: sebastian.tilch@ufz.de
Web: http://www.biodiversity.de

Netzwerk-Forum zur Biodiversitätsforschung Deutschland ist ein Projekt im Rahmen von DIVERSITAS-Deutschland e.V., gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung. Das Projekt wird maßgeblich durchgeführt durch das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ in Leipzig und das Museum für Naturkunde Berlin.

Sebastian Tilch | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Technologievorsprung durch Textiltechnik
17.11.2017 | Technische Universität Chemnitz

nachricht Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS
17.11.2017 | Frankfurt University of Applied Sciences

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Im Focus: Pflanzenvielfalt von Wäldern aus der Luft abbilden

Produktivität und Stabilität von Waldökosystemen hängen stark von der funktionalen Vielfalt der Pflanzengemeinschaften ab. UZH-Forschenden gelang es, die Pflanzenvielfalt von Wäldern durch Fernerkundung mit Flugzeugen in verschiedenen Massstäben zu messen und zu kartieren – von einzelnen Bäumen bis hin zu ganzen Artengemeinschaften. Die neue Methode ebnet den Weg, um zukünftig die globale Pflanzendiversität aus der Luft und aus dem All zu überwachen.

Ökologische Studien zeigen, dass die Pflanzenvielfalt zentral ist für das Funktionieren von Ökosys-temen. Wälder mit einer höheren funktionalen Vielfalt –...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

Börse für Zukunftstechnologien – Leichtbautag Stade bringt Unternehmen branchenübergreifend zusammen

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

IHP präsentiert sich auf der productronica 2017

17.11.2017 | Messenachrichten

Roboter schafft den Salto rückwärts

17.11.2017 | Innovative Produkte