Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erforschung von Sauerstoffminimumzonen: Internationales Expertenteam erarbeitet Weißbuch

31.08.2015

Am Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) kommt vom 30. August bis zum 3. September 2015 ein hochrangiges internationales Expertenteam zu einem Arbeitstreffen zusammen. Die 16 Wissenschaftler aus sieben Nationen gehören zu einer Arbeitsgruppe des Scientific Committee on Oceanic Research (SCOR), die auf die Analyse mikrobieller Lebensgemeinschaften und biogeochemischer Prozesse in marinen Sauerstoffminimumzonen spezialisiert ist. Ziel des Workshops ist, Methodenstandards und „Best-Practice“-Beispiele zu diskutieren, und Empfehlungen zu entwickeln, an denen sich weltweit alle an diesem Thema Forschenden orientieren können.

„Wir freuen uns auf intensiven, spannenden Austausch“, sagt Klaus Jürgens, der als Leiter der Arbeitsgruppe Mikrobielle Ökologie des IOW das Warnemünder Treffen koordiniert. „Bei uns am IOW spielt die Erforschung von Sauerstoffminimumzonen – in der Öffentlich-keit oft auch „Todeszonen“ genannt – eine große Rolle.

Unsere Arbeiten an der Grenze zwischen sauerstoffreichen und sauerstoffarmen Zonen in der Ostsee und im Schwarzen Meer haben wichtige Erkenntnisse zu den Stoffumsetzungen und den daran beteiligten Organismen in diesem Bereich erbracht, die weltweit in der Ozeanforschung Beachtung finden. Außerdem wollen wir den internationalen Kollegen unsere spezielle, hier am Insti-tut entwickelte und zum Patent angemeldete Beprobungstechnik vorstellen und sind ge-spannt auf die Resonanz“, so Jürgens.

Mit rund 250 Mitgliedern aus knapp 40 Nationen ist SCOR eine der wichtigsten internationalen Wissenschaftsorganisationen auf dem Gebiet der Meeresforschung. Spezialisierte SCOR-Arbeitsgruppen lenken dabei den Fokus auf Themen von besonderer wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Relevanz. Innerhalb eines gesetzten Zeitraumes entwickeln sie Strategien, um erkannte Defizite in Methodik, Zusammenarbeit und Finanzierung zu überwinden.

Die Erforschung mikrobieller Lebensgemeinschaften und biogeochemischer Kreisläufe in Sauerstoffminimumzonen stellt für die Meeresforschung insofern eine besondere Herausforderung dar, als der ursprüngliche In-situ-Status schon allein durch die Beprobung leicht verfälscht werden kann. Zur Lösung dieses Problems gibt es viele unterschiedliche Ansätze, jedoch keine methodischen Richtlinien.

Dies gilt auch für die Analyse und Auswertung von Proben. Die SCOR-Arbeitsgruppe, die jetzt in Warnemünde tagt, hat diese Methodenvielfalt als Handicap identifiziert, das die vergleichende Bewertung von Forschungsergebnissen behindert. Aussagen zu weltweit beobachteten Trends der Sauerstoffentwicklung sollen so verbessert werden. Der Warnemünder Workshop soll Abhilfe schaffen, indem vorhandenes Wissen zusammengetragen wird, um auf dieser Basis weltweit anwendbare Standards in Technik, Verfahren und Auswertung zu entwickeln.

*Zum Hintergrund:
Sauerstoffminimumzonen in marinen Lebensräumen – tiefe Wasserschichten, in denen so wenig O2 gelöst ist, dass viele Meeresorganismen dort nicht existieren können – stehen weltweit im Fokus von Forschung und Öffentlichkeit. Sie bilden sich dort, wo unter gut durchlüfteten und meist wärmeren Oberflächenwasser eine kalte und damit schwerere Tiefenwasserschicht liegt, die nicht von der Oberflächendurchmischung erfasst wird. Dort lebende Bakterien und andere Mikroorganismen zersetzen herabsinkendes organisches Material und zehren dabei den vorhandenen Sauerstoff auf.

Dieses Phänomen lässt sich vor allem in nährstoffreichen, tropischen Ozeanregionen mit stark erwärmtem Oberflä-chenwasser beobachten. Aber auch in Randmeeren gemäßigter Breiten wie der Ostsee, in denen die Stabilität der Wasserschichtung weniger durch die Temperatur sondern vor allem durch einen vertikalen Salzgradienten bedingt ist, herrschen in tieferen Bereichen regelmäßig sauerstoffarme oder komplett sauerstofffreie Bedingungen. Die Lebensfeind-lichkeit der O2-freien Bereiche wird zusätzlich durch giftige Substanzen wie Schwefelwas-serstoff verstärkt, die durch bakterielle Zersetzungsprozesse entstehen, weshalb diese Zonen auch „Todeszonen“ genannt werden. Überleben können dort im Wesentlichen nur spezialisierte Mikroorganismen.

Das eigentlich natürliche Phänomen der Sauerstoffminimumzonen wird zunehmend zum Problem, da sich diese Zonen weltweit vergrößern. Eine Mitschuld daran trägt vermutlich der Klimawandel. Seit den 1970er Jahren steigt die Oberflächentemperatur der Meere pro Jahrzehnt um durchschnittlich 0,1 °C. Wärmeres Wasser kann jedoch weniger Sauerstoff aufnehmen als kälteres. Zudem verstärkt es den Schichtungseffekt und erschwert damit eine Durchmischung und Belüftung des Tiefenwassers. Außerdem trägt die Eutrophierung zu temporären Sauerstoffdefiziten an vielen Küstenstandorten bei. Aktuell nehmen die Sauerstoffminimumzonen weltweit etwa acht Prozent der Meeresfläche ein. Durch die fortschreitende Ausbreitung dieser Zonen ist mit weitreichenden Konsequenzen für marine Ökosysteme zu rechnen, da sie den Lebensraum für Sauerstoff-abhängige Meeresbewohner verkleinert.

*Fragen zum SCOR-Workshop beantwortet
Prof. Dr. Klaus Jürgens | Stellvertretender Leiter der IOW-Sektion Biologische Meereskunde
Tel.: 0381 5197 250 | klaus.juergens@io-warnemuende.de

*Kontakt IOW-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit:
Dr. Kristin Beck | Tel.: 0381 – 5197 135 | kristin.beck@io-warnemuende.de
Dr. Barbara Hentzsch | Tel.: 0381 – 5197 102 | barbara.hentzsch@io-warnemuende.de

Das IOW ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft, zu der zurzeit 89 Forschungsinstitute und wissenschaftliche Infrastruktureinrichtungen für die Forschung gehören. Die Ausrichtung der Leibniz-Institute reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Sozial- und Raumwissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften. Bund und Länder fördern die Institute gemeinsam. Insgesamt beschäftigen die Leibniz-Institute etwa 18.100 MitarbeiterInnen, davon sind ca. 9.200 WissenschaftlerInnen. Der Gesamtetat der Institute liegt bei mehr als 1,64 Mrd. Euro. (http://www.leibniz-gemeinschaft.de)

Dr. Kristin Beck | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017
16.08.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT

nachricht Sensibilisierungskampagne zu Pilzinfektionen
15.08.2017 | Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie - Hans-Knöll-Institut (HKI)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Im Focus: Exotic quantum states made from light: Physicists create optical “wells” for a super-photon

Physicists at the University of Bonn have managed to create optical hollows and more complex patterns into which the light of a Bose-Einstein condensate flows. The creation of such highly low-loss structures for light is a prerequisite for complex light circuits, such as for quantum information processing for a new generation of computers. The researchers are now presenting their results in the journal Nature Photonics.

Light particles (photons) occur as tiny, indivisible portions. Many thousands of these light portions can be merged to form a single super-photon if they are...

Im Focus: Wissenschaftler beleuchten den „anderen Hochtemperatur-Supraleiter“

Eine von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) geleitete Studie zeigt, dass Supraleitung und Ladungsdichtewellen in Verbindungen der wenig untersuchten Familie der Bismutate koexistieren können.

Diese Beobachtung eröffnet neue Perspektiven für ein vertieftes Verständnis des Phänomens der Hochtemperatur-Supraleitung, ein Thema, welches die Forschung der...

Im Focus: Tests der Quantenmechanik mit massiven Teilchen

Quantenmechanische Teilchen können sich wie Wellen verhalten und mehrere Wege gleichzeitig nehmen, um an ihr Ziel zu gelangen. Dieses Prinzip basiert auf Borns Regel, einem Grundpfeiler der Quantenmechanik; eine mögliche Abweichung hätte weitreichende Folgen und könnte ein Indikator für neue Phänomene in der Physik sein. WissenschafterInnen der Universität Wien und Tel Aviv haben nun diese Regel explizit mit Materiewellen überprüft, indem sie massive Teilchen an einer Kombination aus Einzel-, Doppel- und Dreifachspalten interferierten. Die Analyse bestätigt den Formalismus der etablierten Quantenmechanik und wurde im Journal "Science Advances" publiziert.

Die Quantenmechanik beschreibt sehr erfolgreich das Verhalten von Partikeln auf den kleinsten Masse- und Längenskalen. Die offensichtliche Unvereinbarkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

Sensibilisierungskampagne zu Pilzinfektionen

15.08.2017 | Veranstaltungen

Anbausysteme im Wandel: Europäische Ackerbaubetriebe müssen sich anpassen

15.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neue Einblicke in die Welt der Trypanosomen

16.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Maschinensteuerung an Anwender: Intelligentes System für mobile Endgeräte in der Fertigung

16.08.2017 | Informationstechnologie

Komfortable Software für die Genomanalyse

16.08.2017 | Informationstechnologie