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Englisch ab Klasse 1 oder 3? Never mind!

22.09.2014

In der Grundschule wird die erste Fremdsprache erlernt, in der Regel Englisch. Doch in vielen Bundesländern steht das Fach erst ab der dritten Klasse auf dem Stundenplan, in einigen schon in der ersten. Je früher, desto besser? Oder doch nicht? Aktuelle Forschungsergebnisse legen nahe: Beide Wege führen zum gleichen Ziel.

"Entscheidend ist wohl nicht, wann es losgeht. Entscheidend ist, dass wir ein einheitliches Abschlussprofil für das Ende von Klasse 4 definieren", sagt Professor Norbert Schlüter von der Universität Leipzig. Die Ergebnisse werden vorgestellt bei der 4. Konferenz zu den "Fortschritten im Frühen Fremdsprachenlernen", die vom 2. bis 4. Oktober in Leipzig stattfindet.

Es sind 15 Jahre vergangen, seit einzelne Bundesländer die Einführung der ersten Fremdsprache auf die 3. Klasse der Grundschule vorverlegt haben. Innerhalb von sechs Jahren zogen alle anderen Bundesländer nach. Seit dem Schuljahr 2005/06 ist der Unterricht in einer Fremdsprache für alle Schüler an der Grundschule verpflichtend.

Der frühere Beginn des Fremdsprachenlernens löste eine kontroverse Debatte um geeignete Unterrichtsmaterialien, Vermittlungsmethoden und um den unterschiedlichen Stellenwert der vier Fertigkeiten Hörverstehen, Sprechen, Leseverstehen und Schreiben aus. Uneins ist man sich in den Bundesländern auch weiterhin über den Zeitpunkt des Beginns. Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz beginnen zum Beispiel mit dem Fremdsprachenunterricht vom ersten Tag an in Klasse 1, Nordrhein-Westfalen dagegen zu Beginn des zweiten Halbjahres von Klasse 1. Die Mehrzahl der Bundesländer jedoch, darunter Sachsen, Hessen, Berlin und Bayern beginnen mit dem Fremdsprachenunterricht in Klasse 3.

"Aufgrund der unterschiedlichen Rahmenbedingungen in den einzelnen Bundesländern wurde im Fremdsprachenunterricht bisher kein einheitliches Abschlussprofil für das Ende von Klasse 4 definiert", sagt Norbert Schlüter, an der Universität Leipzig Professor für die Didaktik des Englischen als Fremdsprache. "Dass die Kultusministerkonferenz vor zehn Jahren keine Bildungsstandards für die Fächer Englisch und Französisch in der Grundschule erstellt hat, war richtig. Es lagen einfach nicht genügend Erfahrungen mit dem frühen Fremdsprachenlernen vor. Aber jetzt ist es unbedingt erforderlich, diese Lücke zu schließen."

Schlüter ist Mitglied des BIG-Kreises (Beratungen, Informationen und Gespräche), der sich seit 1999 intensiv für die Verbesserung und Weiterentwicklung des Fremdsprachenlernens an der Grundschule einsetzt und von der Stiftung Lernen des Domino Verlags unterstützt wird. 2013 hat der BIG-Kreis die erste bundesweite Studie zur Erhebung des Lernstands im Englischunterricht am Ende von Klasse 4 durchgeführt.

Insgesamt nahmen 2148 Schüler in 115 Klassen an 84 Schulen in allen Bundesländern (mit Ausnahme des Saarlandes) an der Studie teil. "Das Ziel der Studie besteht darin, eine Übersicht über die ganze Bandbreite an Leistungen im Englischunterricht am Ende von Klasse 4 zu erhalten, nicht die Bundesländer miteinander zu vergleichen", sagt Schlüter, der mit seinem Fachdidaktik-Team an der Universität Leipzig die Studie koordiniert hat. "Wir hoffen, damit die Grundlage für die Erstellung der fehlenden Bildungsstandards im Fach Englisch im Primarbereich zu schaffen."

Außerdem sei es wichtig, einen Einblick in den tatsächlichen Ablauf und die Effizienz des frühen Fremdsprachenlernens zu erhalten. Nur so könne man der immer wieder aufflammenden Kritik in diesem Bereich auf empirischer Grundlage gewonnene Erkenntnisse entgegen setzen. Mithilfe eines Testheftes wurden den Viertklässlern Aufgaben im Hörverstehen, im Leseverstehen, und Schreiben vorgelegt. Jeweils sechs Schüler einer Klasse wurden außerdem in der Fertigkeit des Sprechens getestet.

Die ersten Ergebnisse der Studie zeigen, dass sich das erreichte Leistungsniveau im Hör- und Leseverstehen am Ende von Klasse 4 deutlich verbessert hat. So konnten die getesteten Schüler im Durchschnitt eine Aufgabe mehr lösen, als die Teilnehmer der "Evening-Studie" 2006/07 in Nordrhein-Westfalen. Die ersten Auswertungen weisen allerdings auch darauf hin, dass es offenbar keinen großen Unterscheid macht, ob die Schüler mit dem Englischunterricht in Klasse 1 angefangen haben oder in Klasse 3 - ihre Leistungen sind ähnlich gut.

Vorgestellt werden die ersten Ergebnisse auf der Konferenz zu den "Fortschritten im Frühen Fremdsprachenlernen (FFF)" an der Universität Leipzig. Erwartet werden mehr als 250 Teilnehmer. Die FFF-Konferenz veranstaltet Norbert Schlüter in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Heiner Böttger von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Sie umfasst eine Vielzahl von Einzelvorträgen und Workshops unter anderem zu aktuellen Entwicklungen in der Methodik der Vermittlung von Fremdsprachen.

Es ist zudem die erste FFF-Konferenz, auf der sich die Forscher auch mit dem Sprachenlernen im Vorschulbereich und dem Übergang zur Grundschule beschäftigen. Präsentiert wird in diesem Bereich eine aktuelle Studie zur mehrsprachigen Vorschulbetreuung in Deutschland, durchgeführt vom Verein für Frühe Mehrsprachigkeit an Kitas und Schulen (FMKS) in Kiel.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Norbert Schlüter
Telefon: +49 341 97 37 323
E-Mail: schlueter@uni-leipzig.de

Weitere Informationen:

http://www.fff-konferenz.de

Carsten Heckmann | Universität Leipzig

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