Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

DGRh-Kongress: Entzündlicher Rückenschmerz oft jahrelang fehlgedeutet

12.08.2014

Neue DGRh-Leitlinie soll Früherkennung einer Spondyloarthritis verbessern

Chronische Rückenschmerzen entstehen meist durch überstrapazierte oder einseitig belastete Muskeln, Sehnen und Bänder. Andere Ursachen lassen Ärzte bei der Diagnose häufig außer Acht. Dabei kann auch eine rheumatisch-entzündliche Erkrankung der Wirbelsäule Grund für die Schmerzen sein:

Rund eine Million Menschen in Deutschland leiden an der sogenannten axialen Spondyloathritis (SpA), deren bekannteste Unterform der Morbus Bechterew (ankylosierende Spondylitis) ist. Wegen der unspezifischen Frühsymptome diagnostizieren Ärzte eine SpA oft erst mit jahrelanger Verspätung.

Um dem entgegenzuwirken, wurde unter Leitung der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) eine neue S3-Leitlinie erarbeitet, die sie am 18. September auf einer Pressekonferenz in Düsseldorf anlässlich ihres 42. Jahreskongresses erläutert.

„Zwischen dem Auftauchen erster Symptome einer SpA und der Diagnose liegen im Durchschnitt mehrere Jahre“, sagt Dr. med. Uta Kiltz vom Rheumazentrum Ruhrgebiet in Herne, Autorin der neuen DGRh-Leitlinie. Erste Symptome der Erkrankung sind tiefsitzende, häufig nächtlich auftretende Rückenschmerzen und eine Steifigkeit der Wirbelsäule. Patienten mit diesen Beschwerden gehen in erster Linie zu Ärzten ohne rheumatologische Erfahrung, die die SpA nicht sofort im Blick haben.

„Die Erkrankung äußert sich meist erstmals im zweiten bis dritten Lebensjahrzehnt“, erklärt Kiltz. „Bei Patienten, die jünger als 45 Jahre alt sind und länger als drei Monate an chronischen Rückenschmerzen leiden, sollte der behandelnde Arzt unbedingt der Frage nachgehen, ob eine Entzündung dahintersteckt.“

Dies kann zum Beispiel dann der Fall sein, wenn sich die Schmerzen bei Bewegung verbessern, wenn sie vor allem in der zweiten Nachthälfte auftreten und so stark sind, dass der Betroffene aufwacht, oder wenn entzündungshemmende Schmerzmittel – nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) – Linderung verschaffen. Sprechen die Symptome für eine SpA, ist eine Überweisung an einen Rheumatologen angebracht.

Denn je früher der Patient effektiv therapiert wird, umso besser: Die mit einer Häufigkeit von etwa 0,5 Prozent in Deutschland verbreitete Erkrankung geht mit vielfältigen rheumatischen Beschwerden auch außerhalb des Skelett- und Gelenksystems einher, darunter Schuppenflechte (Psoriasis) oder eine entzündliche Erkrankung im Augeninneren, Uveitis. Bei etwa der Hälfte der SpA-Betroffenen lassen sich außerdem Darmentzündungen nachweisen.

„Die DGRh empfiehlt Betroffenen eine Kombination aus Medikation, Bewegung sowie einer Patientenschulung“, betont Professor Dr. med. Matthias Schneider vom Universitätsklinikum Düsseldorf, Tagungspräsident des DGRh-Kongresses. Als Medikamente der ersten Wahl gelten NSAR. Patienten, die darauf nicht ansprechen, raten Rheumatologen TNF-alpha-Blocker zu verordnen, Biologika, die in den Entzündungsprozess eingreifen. Über Diagnose und Therapie der SpA sprechen Rheumatologen auf der Pressekonferenz am 18. September 2014 im Rahmen des DGRh-Kongresses in Düsseldorf.

Quellen:

Baraliakos X, Kiltz U, Heldmann F, Braun J. Modernes Konzept der axialen Spondyloarthritis. Arthritis + Rheuma (Schattauer) 2013; Heft 2:71-75

Braun J, Baraliakos X, Heldmann F, Kiltz U. Was ist gesichert in der Therapie der axialen Spondyloarthritis. Der Internist 2013;54(12):1590-8.

Terminhinweis:

Kongress-Pressekonferenz anlässlich des 42. Kongresses der DGRh
Termin: Donnerstag, 18. September 2014, 12.15 bis 13.15 Uhr
Ort: Raum 27, Congress Center Düsseldorf
Eines der Themen:
Rückenschmerz durch Morbus Bechterew häufig fehlgedeutet
Neue S3-Leitlinie soll frühe Diagnose ermöglichen
Dr. med. Uta Kiltz, Herne

Kontakt für Journalisten:

Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie
Kongress-Pressestelle
Kathrin Gießelmann/Stefanie Schweigert
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931-981/-649
Fax: 0711 8931-167
giesselmann@medizinkommunikation.org
schweigert@medizinkommunikation.org

Weitere Informationen:

http://www.dgrh-kongress.de
http://www.dgrh-kongress.de/wissenschaftlprogramm.html
http://www.rheuma-liga.de/mediencenter/presseinformationen/detailansicht/news/pa...
http://www.schattauer.de/de/magazine/uebersicht/zeitschriften-a-z/arthritis-rheu...

Kathrin Gießelmann | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin
24.02.2017 | TMF - Technologie- und Methodenplattform für die vernetzte medizinische Forschung e.V. (TMF)

nachricht Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie
24.02.2017 | Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie