Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

DGKN-Kongress: Hirnschrittmacher verbessert Symptome schwerer Zwangsstörungen

27.02.2012
Neurophysiologen therapieren psychische Erkrankungen

Etwa bei jedem vierten Patienten mit Zwangsstörungen versagen herkömmliche Therapien mit Medikamenten oder Verhaltenstherapien. Diesen Menschen könnte in Zukunft die Tiefe Hirnstimulation helfen. Dabei stimuliert ein Hirnschrittmacher bestimmte Hirnareale durch elektrische Impulse.

Bei der Parkinson-Krankheit wird das neuromodulative Verfahren seit Jahren erfolgreich angewendet. Inzwischen deuten mehrere Studien darauf hin, dass auch etwa jeder Zweite mit solch hartnäckigen Zwangsstörungen von der Tiefen Hirnstimulation profitieren könnte.

Wann diese Behandlung sinnvoll ist und worauf Ärzte achten sollten, diskutieren Experten auf der 56. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und funktionelle Bildgebung (DGKN) vom 15. bis 17. März in Köln. Neue Entwicklungen der Tiefen Hirnstimulation bei Bewegungsstörungen sind auch Thema der Kongress-Pressekonferenz am 15. März 2012 um 11 Uhr in der Koelnmesse.

Sie müssen ständig putzen, zählen oder kontrollieren: Über eine Million Menschen leiden in Deutschland an Zwangsstörungen. Die meisten Betroffenen brauchen medizinische Hilfe. Eine Verhaltenstherapie oder Medikamente führen bei etwa 70 bis 80 Prozent zum Erfolg. „Den anderen Patienten könnte künftig die Tiefe Hirnstimulation helfen“, sagt Universitäts-Professor Dr. med. Joachim Klosterkötter, Chefarzt an der Klinik für Psychiatrie der Medizinischen Fakultät an der Universität zu Köln. Gegen das typische Zittern, die schlechte Beweglichkeit und Muskelsteife von Parkinson-Patienten nutzen Neurologen die Tiefe Hirnstimulation schon einige Jahre mit großem Erfolg“, erläutert Kongresspräsident Professor Dr. med. Gereon R. Fink, Chefarzt der Klinik für Neurologie der Uniklinik Köln. Bei Parkinson-Patienten erbrachte die Tiefe Hirnstimulation nach der medikamentösen L-Dopa-Therapie den entscheidenden Durchbruch in der Behandlung. „Natürlich motiviert der Erfolg, neue Indikationen für diese Therapie zu suchen“, so Fink.

Ob die Tiefe Hirnstimulation auch bei therapieresistenten Zwangsstörungen hilft, erforschen Neurophysiologen in aktuellen Studien. Ärzte implantieren Betroffenen hierzu Elektroden in bestimmte, tief gelegene Hirnregionen. Diese senden elektrische Impulse an benachbarte Zellverbände, um gestörte Funktionskreise positiv zu beeinflussen. Ähnlich wie ein Herzschrittmacher wird der Impulsgeber meist unter dem Schlüsselbein platziert. „Erste Studien liefern vielversprechende Ergebnisse“, berichtet Klosterkötter im Vorfeld des DGKN-Kongresses. Demnach verbessere das Verfahren bei etwa jedem zweiten therapieresistenten Patienten mit Zwangsstörungen die Symptome. Darüber hinaus sei die Therapie im Vergleich zu bisherigen operativen Verfahren gut verträglich. Treten Nebenwirkungen auf, können Neurophysiologen die Stärke und Frequenz der elektrischen Impulse nachjustieren.

„Allerdings gibt es zum optimalen Einsatz der Tiefen Hirnstimulation bei Zwangsstörungen noch einige offene Fragen“, so Klosterkötter. Unklar sei etwa, welche Hirnregion für die Stimulation am geeignetsten sei, um eine bestimmte Zwangsstörung optimal zu bessern. Den aktuellen Stand der Forschung sowie neue Einsatzgebiete und Entwicklungen der Tiefen Hirnstimulation diskutieren Experten auf der 56. Jahrestagung der DGKN vom 15. bis 17. März in Köln. „So stellen Experten der DGKN auf dem Kongress auch erste Erfolge bei Menschen mit Epilepsie, Tourette-Syndrom und Depressionen vor.

Terminhinweise:

Kongress-Pressekonferenz anlässlich der 56. Jahrestagung der DGKN

Termin: 15. März 2012, 11.00 bis 12.00 Uhr
Ort: Konferenzraum B, Koelnmesse, Congress-Centrum Nord
Das vollständige Programm der Pressekonefernz finden Sie auf der Kongress-Homepage im Pressebereich unter www.dgkn2012.de

Vorträge auf der 56. Jahrestagung der DGKN:

„Tiefe Hirnstimulation – neue Indikationen und Entwicklungen“
Datum: Donnerstag, 15. März 2012, 16.45 bis 18.15 Uhr
Ort: Konrad-Adenauer-Saal, Koelnmesse, Messeplatz 1, 50679 Köln
„Tiefe Hirnstimulation – Translation in der Psychiatrie“
Datum: Freitag, 16. März 2012, 11.00 bis 12.30 Uhr
Ort: Konrad-Adenauer-Saal, Koelnmesse, Messeplatz 1, 50679 Köln
Kontakt für Rückfragen:
Pressestelle DGKN
Kathrin Gießelmann
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931-981
Fax: 0711 8931-167
giesselmann@medizinkommunikation.org

| idw
Weitere Informationen:
http://www.dgkn2012.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht 123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen
27.04.2017 | Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e. V.

nachricht Jenaer Akustik-Tag: Belastende Geräusche minimieren - für den Schutz des Gehörs
27.04.2017 | Ernst-Abbe-Hochschule Jena

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

Jenaer Akustik-Tag: Belastende Geräusche minimieren - für den Schutz des Gehörs

27.04.2017 | Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

VLC 200 GT von EMAG: Neue passgenaue Dreh-Schleif-Lösung für die Bearbeitung von Pkw-Getrieberädern

27.04.2017 | Maschinenbau

Induktive Lötprozesse von eldec: Schneller, präziser und sparsamer verlöten

27.04.2017 | Maschinenbau

Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

27.04.2017 | Informationstechnologie