Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

DGIM: Neue Therapien gegen Gelenkabbau gesucht

05.03.2013
119. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e. V. (DGIM)
6. bis 9. April 2013, Rhein-Main-Hallen, Wiesbaden
Neue Therapien gegen Gelenkabbau gesucht
Internisten fordern verstärkte Erforschung der Arthrose

Wiesbaden – Mehr als die Hälfte aller Menschen über 65 Jahre leidet an Arthrose. Bei dieser schmerzhaften Gelenkerkrankung wird Knorpel abgebaut, es kommt zu Fehlstellungen und starken Funktionseinschränkungen. Im Jahr 2011 war in Deutschland eine Arthrose an Hüfte oder Knie sogar die häufigste Diagnose, die zu einem vollstationären Aufenthalt in einer Vorsorge- oder Rehabilitationsklinik führte. Dies meldet aktuell das Statistische Bundesamt (Destatis).

Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) nimmt dies zum Anlass, auf die derzeit unbefriedigende Situation der Patienten hinzuweisen und Forschung zu fordern. Denn noch immer fehlt es an wirksamen Therapien gegen Arthrose. Sinnvoll eingesetzte Forschungsgelder würden aus Sicht der DGIM nicht nur den Patienten selbst helfen. Dadurch ließen sich auch die enormen volkswirtschaftlichen Kosten senken, die durch Berufsunfähigkeit, Operationen, Rehabilitation und Pflege entstehen.

Arthrose beginnt mit einem Abbau des Gelenkknorpels. Auslöser sind oft Fehl- oder Überbelastungen der Gelenke, darüber hinaus Gelenkentzündungen (Arthritis) oder genetisch bedingte Abweichungen in der Knorpelmatrix. Ist diese völlig zerstört, liegt der Knochen frei. Das Gelenk schwillt knotig an und wird unbeweglich. „Reibt Knochen auf Knochen, ist dies unvorstellbar schmerzhaft, häufig müssen im Verlauf Gelenkprothesen implantiert werden“, betont DGIM-Vorsitzende Professor Dr. med. Elisabeth Märker-Hermann. Im Gegensatz zum entzündlichen Rheuma mit großen Therapiefortschritten fehlen bei Arthrose bisher ursächliche oder an der Krankheitsentstehung orientierte Therapien. „Wir müssen die Arthrose deshalb stärker in den Fokus der Forschung holen“, so die Direktorin der Klinik Innere Medizin für Rheumatologie, Klinische Immunologie und Nephrologie an den HSK Dr. Horst Schmidt Kliniken in Wiesbaden. Gefragt seien hier einerseits Wissenschaftler. Vor allem aber auch Vertreter aus Politik und Gesundheitswesen, die an den entscheidenden Stellschrauben drehen könnten, um mehr Forschung in diesem Bereich zu ermöglichen.

Wie Destatis weiter mitteilt, behandelten größere Vorsorge- und Rehakliniken im Jahr 2011 rund 216 000 Patienten mit Arthrose, das sind 13 Prozent von insgesamt 1,6 Millionen stationären Patienten. Ihr Durchschnittsalter lag bei 68 Jahren. Bei Menschen unter 45 spielte die Diagnose Arthrose dagegen keine große Rolle.

Doch laut DGIM handelt es sich hierbei nicht allein um altersbedingte Abnutzungserscheinungen. „Der Krankheit liegen Prozesse im Knochenstoffwechsel zugrunde, die auch in der embryonalen Phase des Menschen eine Rolle spielen“, erläutert Märker-Hermann. Arthrose aktiviert beim Erwachsenen Signalwege im Knochenstoffwechsel, die auch im Mutterleib ablaufen. Eine deutsche Forschergruppe um Professor Dr. med. Thomas Pap in Münster konnte an der Oberfläche der Knorpelzellen ein Molekül identifizieren, das am Abbau dieser Zellen maßgeblich beteiligt ist. „Hier könnte die Forschung ansetzen mit dem Ziel, diese krankhafte Knorpelreaktion zu stoppen“, sagt Professor Märker-Hermann.
Doch bis zum wirksamen Präparat für den Menschen sei dafür noch viel Forschung nötig, meint Märker-Hermann, die auch Kongresspräsidentin des 119. Internistenkongresses ist. Dieser Appell richte sich an Forscher aber auch an jene, die Forschungsgelder verteilen und sich für medizinisch-wissenschaftliche Forschung für Patienten einsetzen. Die Krankheitskosten von Arthrose belaufen sich hierzulande auf weit über sieben Milliarden Euro jährlich. Neue therapeutische Ansätze seien dringend gesucht, insbesondere bei einem Blick in die Zukunft: Die Zahl der von Gelenk- und Knochenerkrankungen Betroffenen wird sich in den nächsten zwei Jahrzehnten voraussichtlich noch verdoppeln.

Kontakt für Journalisten:
Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e. V. (DGIM)
Pressestelle
Anna Julia Voormann/Corinna Spirgat
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Tel: 0711 8931-552
Fax: 0711 8931-167
voormann@medizinkommunikation.org

Anna Julia Voormann | idw
Weitere Informationen:
http://www.dgim.de
http://www.dgim2013.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018
20.06.2018 | Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

nachricht Hengstberger-Symposium zur Sternentstehung
19.06.2018 | Universität Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Im Focus: Revolution der Rohre

Forscher*innen des Instituts für Sensor- und Aktortechnik (ISAT) der Hochschule Coburg lassen Rohrleitungen, Schläuchen oder Behältern in Zukunft regelrecht Ohren wachsen. Sie entwickelten ein innovatives akustisches Messverfahren, um Ablagerungen in Rohren frühzeitig zu erkennen.

Rückstände in Abflussleitungen führen meist zu unerfreulichen Folgen. Ein besonderes Gefährdungspotential birgt der Biofilm – eine Schleimschicht, in der...

Im Focus: Überdosis Calcium

Nanokristalle beeinflussen die Differenzierung von Stammzellen während der Knochenbildung

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Freiburg und Basel haben einen Hauptschalter für die Regeneration von Knochengewebe identifiziert....

Im Focus: Overdosing on Calcium

Nano crystals impact stem cell fate during bone formation

Scientists from the University of Freiburg and the University of Basel identified a master regulator for bone regeneration. Prasad Shastri, Professor of...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

Hengstberger-Symposium zur Sternentstehung

19.06.2018 | Veranstaltungen

LymphomKompetenz KOMPAKT: Neues vom EHA2018

19.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Breitbandservices von DNS:NET erweitert

20.06.2018 | Unternehmensmeldung

Mit Parasiten infizierte Stichlinge beeinflussen Verhalten gesunder Artgenossen

20.06.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics