Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

DEGRO-Experten erläutern Vorteile: Teilbrustbestrahlung oder verkürzte Bestrahlung der ganzen Brust

11.06.2015

Jedes Jahr erkranken in Deutschland 75 000 Frauen in Deutschland an Brustkrebs. Das Mammakarzinom ist damit die häufigste Krebserkrankung der Frau. Bei mehr als zwei Drittel der Erkrankten ist eine brusterhaltende Operation möglich. Die anschließende Bestrahlung des Gewebes verhindert Rückfälle und dauerte bislang an die sechs Wochen – eine lange Zeit für die Betroffenen. Deshalb setzen Experten die „Radiotherapie“ jetzt noch gezielter ein. Bei welchen Patientinnen eine verkürzte Bestrahlung der ganzen Brust möglich ist, und bei welchen eine Teilbrustbestrahlung der beste Weg ist, diskutieren Experten am 25. Juni 2015 auf der Pressekonferenz der Radioonkologen in Hamburg.

Nahezu alle Frauen mit Brustkrebs erhalten nach einer brusterhaltenden Operation eine Bestrahlung von Brust und Brustwand, um einen Rückfall der Krebserkrankung im Operationsgebiet und in den angrenzenden Lymphknoten zu verhindern.

Diese Ganzbrustbestrahlung weicht immer mehr neuen, individuell zugeschnittenen Konzepten: „Lange Zeit hatten wir für alle Patientinnen einen Therapiestandard: Die ganze Brust wurde über fünf bis sechs Wochen bestrahlt“, sagt Professor Frederik Wenz, Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie am Universitätsklinikum Mannheim und Pressesprecher der DEGRO. Die Therapie ist hocheffektiv, aber für die Patientinnen ist die wochenlange Behandlung eine Belastung.

„Heute entwickelt sich die Radiotherapie hin zu personalisierten, individualisierten und risikoadaptierten Konzepten“, erklärt der Strahlentherapeut. Der Radioonkologe berücksichtigt dabei noch stärker als bisher Art, Lage und Größe des Tumors sowie Alter und Belastbarkeit der Patientin.

Mit einer Computertomographie der Brust als Basis erstellt er ein individuelles Patientenmodell. Ein Medizinphysikexperte errechnet die Dosisverteilung. Dann beginnt die tägliche, fraktionierte Behandlungsserie für die Patientin: An jedem Wochentag wird sie in einer fünf bis zehnminütigen Sitzung mit dem Linearbeschleuniger bestrahlt, einem Gerät in dem Elektronen beschleunigt und in therapeutische Röntgenstrahlen mit hoher Energie umgewandelt werden, um dann gezielt auf den Tumor gelenkt zu werden.

„Strahlenbiologische Gesetzmäßigkeiten halfen dabei, eine Strategie zu entwickeln, mit der sich die Behandlungsdauer für die Patientinnen bei gleich gutem Ergebnis verkürzen ließ“, berichtet Professor Dr. med. Cordula Petersen, Tagungspräsidentin der DEGRO. Die Strahlen erzeugen Brüche im Erbgut der Krebszellen und verhindern so, dass diese sich weiter teilen. Doch ein Teil der Zellen kann sich wieder erholen.

„Deren Anteil verringert sich, wenn wir mit höheren Einzeldosen bei gleichzeitig reduzierter Gesamtdosis bestrahlen“, so die Direktorin der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Studien aus Großbritannien, Kanada und Dänemark zeigen, dass durch diese sogenannte Hypofraktionierung die Behandlungszeit bei gleicher Heilungschance von den herkömmlichen fünf bis sechs Wochen auf drei bis vier Wochen reduziert werden kann

Da sich ein Rückfall in einer behandelten Brust meist am Ort des ursprünglichen Tumors entwickelt, bestrahlen Radioonkologen bei einigen Patientinnen heute nur noch Teile der Brust. Professor Wenz: „Das verringert die Belastung für das gesunde Gewebe. Zudem wird auch hier die Therapiezeit wesentlich verkürzt.“ Diese beschleunigte Teilbrustbestrahlung, auch „Accelerated Partial Breast Irradiation“ (APBI) genannt, findet bei manchen Patientinnen schon während der Tumoroperation statt. Aktuelle Studien zeigen, dass hiervon vor allem Patientinnen über 70 Jahre profitieren, die einen kleinen Tumor haben.

Tagungspräsidentin Petersen bilanziert: „Für unsere Patientinnen sind die neuen Bestrahlungstechniken und die individualisierten Konzepte von Vorteil, denn wir verkürzen die Dauer der Behandlung bei gleichguten Ergebnissen und teilweise sogar noch geringeren Nebenwirkungen.“

Literatur:
Professor Dr. med. Frederik Wenz: Redemanuskript der DEGRO-Pressekonferenz vom 25. Juni 2015


Terminhinweise:
Pressekonferenz anlässlich der 21. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie
Termin: Donnerstag, 25. Juni, 11:00 bis 12:00 Uhr
Ort: CCH – Congress Center Hamburg, Büro 36/37
Anschrift: Marseiller Straße, 20355 Hamburg

Streitgespräch
S02 - Kontroversen in der Therapie des Mammakarzinoms: Therapie bei axillären Lymphknotenmetastasen, Hypofraktionierung
Vorsitz: W. Budach (Düsseldorf), M.-L. Sautter-Bihl (Karlsruhe)
Termin: Freitag, 26. Juni 2015, 10:45 bis 12:15 Uhr
Ort: CCH – Congress Center Hamburg, Saal 2
Anschrift: Marseiller Straße, 20355 Hamburg

Vortragssitzung
V11 - Mammakarzinom & Gynäkologische Tumoren
Vorsitz: S.U. Pigorsch (München), D. Krug (Heidelberg), F. Würschmidt (Hamburg)
Termin: Sonntag, 28. Juni 2015, 10:00 bis 11:30 Uhr
Ort: CCH – Congress Center Hamburg, Saal 6
Anschrift: Marseiller Straße, 20355 Hamburg

Weitere Informationen zur Tagung und das wissenschaftliche Programm finden Sie im Internet unter http://www.degro.org/degro2015.


Zur Strahlentherapie:
Die Strahlentherapie ist eine lokale, nicht-invasive, hochpräzise Behandlungsmethode mit hohen Sicherheitsstandards und regelmäßigen Qualitätskontrollen. Bildgebende Verfahren wie die Computer- oder Magnetresonanztomografie ermöglichen eine exakte Ortung des Krankheitsherdes, sodass die Radioonkologen die Strahlen dann zielgenau auf das zu bestrahlende Gewebe lenken können. Umliegendes Gewebe bleibt weitestgehend verschont.


Kontakt für Journalisten:
Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie e. V.
Kongress-Pressestelle
Dagmar Arnold / Stefanie Schweigert
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Tel.: +49 (0)711 8931-380/-649
arnold@medizinkommunikation.org
schweigert@medizinkommunikation.org

Weitere Informationen:

http://www.degro.org/degro2015

Medizin - Kommunikation | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017
17.01.2017 | Max-Planck-Institut für Astronomie

nachricht Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge
17.01.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Im Focus: Studying fundamental particles in materials

Laser-driving of semimetals allows creating novel quasiparticle states within condensed matter systems and switching between different states on ultrafast time scales

Studying properties of fundamental particles in condensed matter systems is a promising approach to quantum field theory. Quasiparticles offer the opportunity...

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Intelligente Haustechnik hört auf „LISTEN“

17.01.2017 | Architektur Bauwesen

Satellitengestützte Lasermesstechnik gegen den Klimawandel

17.01.2017 | Maschinenbau