Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Das Öl der Zukunft - Vortragsreihe „Industrielle Biotechnologie“ beim Forum Life Science 2015

17.02.2015

Wasser, fruchtbare Böden und fossile Ressourcen stehen der wachsenden Weltbevölkerung nur begrenzt zur Verfügung. So wird z. B. Phosphat zusehends knapp, ist aber als Bestandteil von Dünger wichtig in der Landwirtschaft. Das gilt auch für Seltene Erden, die für die Herstellung von High-Tech-Materialien in Produkten wie Flachbildschirmen, Windrädern und Hybridfahrzeugen benötigt werden. Europa ist großteils von Importen abhängig.

Abhilfe können neue Verfahren und biotechnologische Methoden schaffen, welche wertvolle Rohstoffe aus Abwässern und Abfällen rückgewinnen. „Green Mining“ und „Bioleaching“ sind zwei von vielen Themen auf dem 9. Internationalen Kongress „Forum Life Science“.

• Gewinnung strategischer Rohstoffe durch Biotechnologie
• Nutzung nachwachsender Ressourcen – Lösungen der Bioökonomie
• Biokraftstoffe der 2. und 3. Generation – Mobilität mit Mikroalgen

Vom 11. bis 12. März 2015 treffen sich zahlreiche Experten in Garching, um Konzepte und Lösungsansätze in der Vortragsreihe „Industrielle Biotechnologie“ vorzustellen.

Hochkarätige Referenten berichten über politische Rahmenbedingungen und Kooperationen in der Bioökonomie, neue Verfahren und Bioraffineriekonzepte für die Produktion von biobasierten Chemikalien und den Einsatz von biotechnologischen Methoden zur Bereitstellung von Industrieenzymen und neuen biokatalytischen Verfahren.

Zugesagt haben Vertreter der Unternehmen Animox, BASF, B.R.A.I.N., Clariant, Corbion, Deutsche Lufthansa, Evocatal, Evonik, Fritzmeier Umwelttechnik, Fuchs Europe Schmierstoffe, Linde Engineering, Novamont, Procter & Gamble, aus der Europäischen Kommission und vom Biobased Industry Consortium sowie von wissenschaftlichen Einrichtungen wie dem Fraunhofer-Institut IZI und der Technischen Universität München.

Nachfolgend sind Beispiele aus dem Programm näher vorgestellt.

Konzepte zur Nutzung nachwachsender Rohstoffe

Bioraffinerien stellen das Herzstück für eine nachhaltige Nutzung nachwachsender Rohstoffe dar. Lignozellulose, Agrarreststoffe oder Gras sollen als Rohstoffe möglichst ganzheitlich genutzt und zu hochwertigen Materialien und Ausgangsstoffen für die chemische Industrie umgewandelt werden.

Im Rahmen des Joint Ventures zwischen den italienischen Unternehmen Versalis und Novamont wurde eine stillgelegte Erdölraffinerie in eine Bioraffinerie umgerüstet. Mittlerweile werden verschiedene Grundchemikalien für Anwendungen in der Chemie, Kunststoffverarbeitung, im Konsumgüter- und Kosmetikbereich produziert. Die Besonderheit ist die Integration der regionalen Agrarwirtschaft.

Als Rohstoff dienen Disteln, die keine Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion darstellen, Reste aus der Olivenöl-Produktion und gebrauchtes Speiseöl. In seinem Vortrag berichtet Stefano Facco, Novamont, wie dieser Umbau unter Einbeziehung der verschiedenen Partner gelungen ist.

Eine wachsende Zahl von Unternehmen setzt auf biobasierte Materialien für ihre Produkte. Mit dem "Mass-Balance-Verfahren" der BASF ist es möglich, erneuerbare Rohstoffe im bestehenden Produktionsverbund zu nutzen. Dabei wird Biomasse, z. B. Biogas oder Bio-Naphtha, anstelle fossiler Ressourcen am Anfang der Wertschöpfungskette als Rohstoff eingespeist und kann damit später den jeweiligen Produkten definiert zugeordnet werden.

Dr. Marianna Pierobon, BASF SE, stellt das Verfahren vor, das bereits für Superabsorber, technische Kunststoffe und Dispersionen eingesetzt wurde. So kann je nach Kundenwunsch der Anteil an nachwachsenden Rohstoffen bei gleicher Produktqualität zwischen 25 und 100 Prozent liegen.

Biokraftstoffe der zweiten Generation

Das Spezialchemieunternehmen Clariant setzt mit seinem Biotech & Renewables Center den Schwerpunkt auf Entwicklung und Herstellung biobasierter Chemikalien und Kraftstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen. Prof. Andre Koltermann, Clariant Produkte Deutschland, stellt Neuerungen im sunliquid-Prozess und die Nutzung von Zellulose-Ethanol als E20-Kraftstoff vor. Dieser Bioethanol der zweiten Generation wird in der Pilotanlage in Straubing produziert.

Die Luftverkehrswirtschaft hat sich u. a. selbst dazu verpflichtet, die CO2-Emissionen bis 2050 um 50 Prozent gegenüber 2005 zu reduzieren. Die Lufthansa setzt dabei auch auf Biokraftstoffe, um Kerosin langfristig zu ersetzen und eine verbesserte CO2-Bilanz zu erreichen. Dr. Alexander Zschocke, Deutsche Lufthansa, berichtet über Kooperationen mit verschiedenen Partnern und über Projekte, bei denen unterschiedliche biobasierte Treibstoff¬arten evaluiert werden. Im Test befindlich ist zum Beispiel Bio-Isobutanol, welches das US-amerikanische Biotech-Unternehmen Gevo mit dem „Alcohol-to-Jet“-Verfahren herstellt.

Die Gewinnung von Biokerosin aus Mikroalgen ist ein Verfahren, das noch am Beginn der Entwicklung steht. EADS und die Technische Universität München arbeiten eng zusammen und haben am Innovationscampus in Ottobrunn ein „Algentechnikum“ errichtet. Dort sollen Wachstumsbedingungen und Algengewinnung untersucht und Machbarkeitsstudien unter verschiedenen klimatischen Bedingungen durchgeführt werden. Erneuerbare Flugkraftstoffe ließen sich in Zukunft dann dezentral unter den jeweiligen optimalen Voraussetzungen produzieren. Aktuelle Fortschritte bei der Skalierung der Produktion vom Labor- in den technischen Maßstab im Rahmen des „AlgenFlugKraft“-Projekts präsentiert Prof. Thomas Brück, Technische Universität München.


Der Kongress

Neben dem Themenblock „Industrial Biotechnology“ stellt die Vortragsreihe „Pharma Development“ ebenfalls innovative Anwendungsfelder der Life Science-Technologien vor. Behandelt werden Trends und Strategien in der Pharma-Entwicklung, neue Ansätze in der Immunonkologie und der Impfstoffentwicklung, sowie zell- oder DNA/RNA-basierte Therapieoptionen. „Food & Nutrition“ präsentiert Wissenschaftstrends in Ernährung und Gesundheit, personalisierte Lösungen und Perspektiven der Nahrungsmittelversorgung sowie Aspekte der Lebensmittelsicherheit.
Mehr als 60 Referenten aus Europa, Thailand, den USA und Kanada konnten für Vorträge gewonnen werden; erwartet werden wie im Jahr 2013 wieder rund 1.000 Teilnehmer.
Erneut verleihen die Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie (GBM) e. V. und Roche als Sponsor den German Life Science Award an talentierte Nachwuchsforscher aus den Biowissenschaften.
Eine große Fach- und Posterausstellung ergänzt das Programm.

Dieser im Abstand von zwei Jahren ausgerichtete internationale Kongress bietet direkten Kontakt zu Experten und Anwendern der Biotech-, Chemie-, Pharma-, und Lebensmittelindustrie sowie der Medizin. Er vermittelt Information über neueste Entwicklungen, Trends, Strategien und Märkte und ermöglicht den aktiven Erfahrungsaustausch. Daraus lassen sich gezielt neue interdisziplinäre Kooperationen anbahnen – für die nächste Generation innovativer Produkte in den Life Sciences.

Der Kongress wird von der Bayern Innovativ GmbH, Gesellschaft für Innovation und Wissenstransfer des Freistaates, konzipiert und organisiert und durch das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft und Energie, Medien und Technologie gefördert. Mit dem Kongress werden auch die Ziele der Cluster-Offensive mit den bayernweiten Clustern Biotechnologie, Ernährung und Chemie unterstützt.

Hinweise

Die Pressekonferenz zum Forum Life Science und dem Forschungspreis German Life Science Award ist am 11. März 2015 für 12:30 Uhr angesetzt. Sie erhalten dazu eine gesonderte Einladung.

Ab 19:00 Uhr gibt es am 11. März 2015 für die Teilnehmer aus aller Welt einen Staatsempfang auf Schloss Dachau.

Weitere Informationen:

Das vollständige Programm und weitere Informationen zum Kongress finden Sie unter www.bayern-innovativ.de/fls2015
Anmeldung für Journalisten unter http://www.bayern-innovativ.de/fls2015/presseanmeldung.pdf
oder über unseren Online-Shop http://www.bayern-innovativ-shop.de/forum-life-science-2015.html

Dr. Petra Blumenroth | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung
27.06.2017 | Fraunhofer IISB

nachricht Fraunhofer FKIE ist Gastgeber für internationale Experten Digitaler Mensch-Modelle
27.06.2017 | Fraunhofer-Institut für Kommunikation, Informationsverarbeitung und Ergonomie FKIE

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zu aktuellen Fragen der Stammzellforschung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Fraunhofer FKIE ist Gastgeber für internationale Experten Digitaler Mensch-Modelle

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Der Krümmung einen Schritt voraus

27.06.2017 | Informationstechnologie

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Überschwemmungen genau in den Blick nehmen

27.06.2017 | Informationstechnologie