Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Auf Darwins Spuren

13.03.2009
Am 17. März startet in München die Veranstaltungsreihe "Im Licht der Evolution betrachtet"

Darwins Evolutionstheorie ist beileibe keine historische Forschung - es ist eines der grundlegenden Konzepte in der Biologie und hat nicht nur Genetik, Ökologie und Verhaltensforschung maßgeblich beeinflusst, sondern auch über die Biologie hinaus andere wissenschaftliche Disziplinen befruchtet. Wie sieht Evolutionsforschung heute aus? Max-Planck-Wissenschaftler sprechen mit Wissenschaftsredakteuren der Süddeutschen Zeitung über die Geheimnisse im Erbgut des Fadenwurms sowie die erste Version des Neandertalergenoms. Sie erläutern, wie Enzyme nach Darwinischen Prinzipien kreiert werden und gehen im Gespräch den Fragen nach, warum sich kooperatives Verhalten im Zuge der Evolution entwickelt hat und Altern aus evolutionsbiologischer Sicht eigentlich ein Paradox ist.

Vor 200 Jahren wurde Charles Darwin geboren, vor 150 Jahren begründete er mit der Veröffentlichung seines Hauptwerkes On the Origins of Species (Über die Entstehung der Arten) die moderne Evolutionstheorie. Darwins Konzept der zufälligen Veränderlichkeit der Arten und der natürlichen Auswahl der Individuen, die am besten an ihre Umwelt angepasst sind, wurde zu einem Grundpfeiler der Biologie. Tatsächlich birgt jedes biologische Problem eine Evolutionsfrage: Warum gibt es das? Welchen Überlebensvorteil brachte sein Erwerb?

Trotzdem, nach wie vor sind viele Fragen offen, das Ende der Evolutionsforschung noch lange nicht erreicht. Die moderne Genetik hat gezeigt, dass es eine enorme Zahl veränderter Gene gibt. Doch welche dieser Mutationen sind "evolutionäres Hintergrundrauschen", welchen liegt eine Selektion zugrunde? Fünf Vorträge der Reihe "Im Licht der Evolution betrachtet" bieten die Gelegenheit, Einblick zu nehmen in die Vielfalt der modernen Evolutionsforschung und laden ein zu einer anschließenden Diskussion mit den jeweiligen Referenten. Die Podiumsgespräche führen Christina Berndt und Patrick Illinger von der Süddeutschen Zeitung.

Die Vortragsreihe beginnt am 17. März mit einem Vortrag von Ralf J. Sommer, Direktor am Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie in Tübingen. Sein Forschungsobjekt sind Fadenwürmer, sein wissenschaftlicher Fokus "Der molekulare Baukasten der Evolution": Wie ist es möglich, dass aus einer einzigen Zelle, der Eizelle, ein komplexer Organismus hervorgeht? Woher weiß eine Zelle, welchem Gewebe sie zugeordnet ist? Wie wird sichergestellt, dass bestimmte Organe nur an bestimmten Positionen erscheinen, die Augen also etwa immer am Kopf und nicht am anderen Ende des Körpers? Mittlerweile ist klar, dass sich zahlreiche Gene, die für die Entwicklung eines Organismus verantwortlich sind, im Laufe der Evolution kaum verändert haben. Wie sich dennoch eine so große Arten- und Formenvielfalt herausbilden konnte, ist Gegenstand Sommers Forschungsarbeiten an der Grenze zwischen Populationsgenetik, Entwicklungsbiologie und Ökologie.

Am 31. März begibt sich Svante Päabo vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig "Auf Spurensuche im Genom unserer nächsten Verwandten". Erst vor Kurzen hat der Molekularbiologe mit seinem Team eine erste Version des Neandertaler-Genoms vorgelegt. Ein Vergleich dieser Sequenzen mit denen von Mensch und Schimpanse soll dabei Antworten auf eine der spannendsten Fragen der Menschheitsgeschichte liefern: Welche genetischen Veränderungen haben uns so erfolgreich gemacht und dazu geführt, dass sich der moderne Mensch vor etwa 100.000 Jahren von Afrika ausgehend über die ganze Welt ausbreiten konnte?

Während Darwin die Evolutionstheorie aus Naturbeobachtungen ableitete, übertragen Forscher die Darwinischen Prinzipien mittlerweile in die Anwendung und betreiben tatsächlich "Evolution im Reagenzglas". Manfred Reetz, Professor am Max-Planck-Institut für Kohlenforschung in Mülheim, forscht an Enzymen - jene Biokatalysatoren, die praktisch alle Stoffwechselvorgänge in unserem Körper beeinflussen. Die Natur hat ein reichhaltiges Sortiment an Katalysatoren geschaffen, aus dem sich nun auch die Chemiker bedienen möchten. Ihr Ziel: die Entwicklung maßgeschneiderter Katalysatoren für Anwendungen in der modernen Chemie. Wie er dabei das Konzept der gelenkten Evolution selektiver Enzyme einsetzt, erklärt er am 20. April im Max-Planck-Haus in München.

Der vierte Vortrag von Manfred Milinski vom Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie in Plön beschäftigt sich am 6. Mai mit dem Thema "Reputation - vom Nutzen des guten Rufs". Viele Probleme der Menschheit sind Kooperationsprobleme. Sie entstehen immer, wenn es einen Konflikt zwischen dem individuellen Interesse und dem Gemeinwohl gibt. Für diese "Tragödie des Gemeinwohls" (Tragedy of the Commons) finden sich viele Beispiele: Fischgründe, Krankenversicherungssysteme oder das globale Klima - immer wenn eine Gemeinschaftsressource frei zugänglich ist, wird sie übernutzt und bricht zusammen. Unter welchen Bedingungen profitiert der Einzelne, wenn er sich dennoch kooperativ verhält? Einen unterwartet starken Einfluss auf das eigene Verhalten hat nach Milinski offenbar der "Gute Ruf", die eigene Reputation.

Das Geheimnis ewiger Jugend fasziniert die Menschen schon seit langer Zeit - aber tatsächlich altern wir und dieser Prozess ist nicht umkehrbar, auch wenn sich das menschliche Höchstalter immer weiter nach oben verschiebt. Versucht man das Altern mit den Gesetzen der Evolution in Einklang zu bringen, offenbart sich nach Annette Baudisch vom Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock zunächst ein Paradox: Da die Schlüsselprozesse der Evolution - Sterblichkeit und Fruchtbarkeit - durch Altern negativ beeinflusst werden, scheint Altern zunächst ein Nachteil zu sein. Vor dem Hintergrund evolutionärer Prinzipien sollte das Altern schon längst "ausgestorben" sein. Warum dies nicht so ist, versucht Annette Baudisch in ihrem Vortrag "Altern - ein Paradox" am 27. Mai in München aufzulösen.

Alle Vorträge finden im Max-Planck-Haus am Hofgarten, Hofgartenstraße 8 in München statt. Da die Anzahl der Plätze begrenzt ist, bitten wir um Anmeldung unter forum@gv.mpg.de oder 089/2108 1296. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir aus rechtlichen Gründen über unser Platzangebot hinaus keine Teilnahme an der Veranstaltung ermöglichen können.

Dr. Felicitas von Aretin | Max-Planck-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.mpg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Das Immunsystem in Extremsituationen
19.10.2017 | Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung

nachricht Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm
19.10.2017 | Universität Ulm

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher untersuchen Pflanzenkohle als Basis für umweltfreundlichen Langzeitdünger

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

„Antilopen-Parfüm“ hält Fliegen von Kühen fern

20.10.2017 | Agrar- Forstwissenschaften

Aus der Moosfabrik

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie