Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit Computersimulationen gegen Epidemien und Klimawandel - World Congress on Social Simulation (WCSS)

06.09.2010
Epidemien, Klimawandel, gewaltsame Konflikte und Kriminalität - die Menschheit steht im Zeitalter der Globalisierung vor gewaltigen Herausforderungen. Dabei werden die Veränderungen und Bedrohungen fast immer von Menschen gemacht oder beeinflusst.

Mit der computerbasierten Analyse, Erforschung und Simulation derartiger Prozesse befasst sich der 3rd World Congress on Social Simulation (WCSS), der am Montag an der Universität Kassel begann. Der Kongress mit über 150 Teilnehmern aus aller Welt findet zum ersten Mal in Deutschland statt.

"Es ist eine besondere Ehre und Anerkennung für den Wissenschaftsstandort Hessen, nach Washington und Kyoto Gastgeber dieser weltweit bedeutenden Expertentagung zu sein. Die Universität Kassel unterstreicht damit einmal mehr ihre Spitzenstellung bei der Erforschung gesellschaftlicher Phänomene und Zukunftsszenarien mit Hilfe komplexer, computergestützter Simulationen", sagte die Hessische Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann bei der Eröffnung des Kongresses.

Mit Hilfe von Computersimulationen werden heute weltweit komplexe gesellschaftliche Phänomene erforscht. Dazu gehören ökonomische Prozesse, die Ausbreitung von Meinungen und Innovationen, Ressourcenmanagement, Umweltaspekte oder Zukunftsszenarien. Viele dieser Phänomene sind derart vielschichtig, dass statische experimentelle oder mathematisch-analytische Methoden bei der Untersuchung versagen. Daher haben Forscher in den vergangenen Jahren die Methode der agentenbasierten Modellierung entwickelt. Ein Agent

ist letztlich ein Programm, das für einen handelnden Menschen steht. Je nach Modell und Zielsetzung können die Agenten in beliebigem Umfang mit Eigenschaften versehen werden. Agenten agieren weitgehend selbständig, reagieren auf Änderungen in ihrer Umwelt und kommunizieren mit anderen Agenten. Darüber hinaus haben sie ein Gedächtnis und sind lernfähig.

„Die künstlichen Gesellschaften erreichen natürlich nicht die Komplexität der Realität", sagt Prof. Dr. Andreas Ernst, Organisator des Kongresses: „Es sind aber in den letzten Jahren enorme Fortschritte gemacht worden und vielfach werden die Modelle bereits herangezogen, um Entscheidungen zu unterstützen."

So stellen US-amerikanische Forscher der George Mason University auf dem WCSS ein agentenbasiertes Modell vor, mit dem sich Daten über den Mohnanbau und den Opiumhandel in Afghanistan gewinnen lassen. Das asiatische Land ist der größte Opiumproduzent der Welt. Daten lassen sich vor Ort aber wegen des seit Jahren tobenden Bürgerkriegs kaum gewinnen. Ein Agentenmodell kann hier Abhilfe schaffen.

Britische Forscher der University of Surrey dagegen haben sich mit der Frage befasst, wie nach Naturkatastrophen die oft zu beklagenden Plünderungen eingedämmt oder gar verhindert werden können. In einem agentenbasierten Computermodell konnten sie nachweisen, dass eine Kombination aus verstärkter Polizeipräsenz und intensiver Information der betroffenen Bevölkerung die wirksamste Strategie darstellt.

Forscher des Korea Institute of Science and Technology zeigen in einem Computermodell, dass bei der Ausbreitung einer hoch ansteckenden Krankheit wie der Schweinegrippe der öffentliche Nahverkehr eine problematische Rolle spielt. In einer Simulation konnten sie bestimmte Ausbreitungsmuster und -richtungen einer Epidemie sowie die Bedingungen für den Ausbruch einer Masseninfektion beschreiben. Dabei spielten sie verschiedene Abwehrstrategien durch, von der Massenimpfung bis zur Schließung von Schulen. Die Forscher konnten zeigen, dass in Metropolen der öffentliche Nahverkehr bei der Ausbreitung von Infektionskrankheiten eine ähnlich große Rolle spielt wie Schulen, Fabriken oder andere große Arbeitsstätten. Um die Ausbreitung einer hoch ansteckenden Krankheit zu bremsen, könnte es daher von Vorteil sein, zeitweise auf die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs zu verzichten.

Der World Congress on Social Simulation dauert noch bis zum 9. September.

Info
Prof. Dr. Andreas Ernst
Universität Kassel
Center of Environmental Systems Research (CESR)
tel 0561/804-3178
e-mail ernst@cesr.de
Dr. Guido Rijkhoek
Universität Kassel
Leiter Kommunikation, Presse und Öffentlichkeitsarbeit
tel (0561) 804-2217
mobil (0170) 9123210
e-mail rijkhoek@uni-kassel.de

Christine Mandel | idw
Weitere Informationen:
http://www.wcss2010.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin
24.02.2017 | TMF - Technologie- und Methodenplattform für die vernetzte medizinische Forschung e.V. (TMF)

nachricht Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie
24.02.2017 | Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie