Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Computer, Chemie und der Nobelpreis: Chemoinformatiker treffen sich in Fulda

01.11.2013
Die Fachgruppe „Chemie – Information – Computer“ der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) veranstaltet vom 10. bis 12. November die 9th German Conference on Chemoinformatics in Fulda.

Schwerpunkte des Programms sind die molekulare Modellierung und das Design pharmazeutischer Wirkstoffe sowie Anwendungen für die Materialwissenschaften. Ein weiterer Fokus sind Kraftfeld-Methoden, für deren ursprüngliche Entwicklung drei US-amerikanische Chemoinformatiker im Oktober den Chemie-Nobelpreis 2013 zuerkannt bekamen.

Nach der Eröffnung der Konferenz durch den Fachgruppenvorsitzenden Dr. Thomas Engel von der Ludwig-Maximilians-Universität München wirft PD Dr. Thomas Exner, Universität Tübingen, die Frage auf: Können quantenchemische Signal-Verschiebungen in Kernmagnetresonanz-(NMR)-Spektren als Kriterium zur Entwicklung von Kraftfeld-Modellen genutzt werden? Der Vortragende geht zunächst auf die Hindernisse und notwendigen Voraussetzungen bei der Berechnung von NMR-Spektren ein. Sind diese bekannt und berücksichtigt, so können entsprechende Simulationen anschließend genutzt werden, um neue, verbesserte Kraftfeld-Modelle zu validieren, wie Exner in Fulda zeigt.

Mit den Herausforderungen, die moderne elektronische Bauteile auf Basis flexibler organischer Moleküle an die Computersimulation stellen, beschäftigt sich der Vortrag von Professor Dr. Tim Clark, Universität Erlangen-Nürnberg. Im Zuge der Berechnungen solcher Bauteile muss nicht nur die Konformation, also die räumliche Anordnung der Moleküle, richtig vorhergesagt werden, sondern es sind auch verlässliche Beschreibungen der elektronischen Verhältnisse im System notwendig. Clark zeigt, wie moderne Kraftfeld-Methoden zur Lösung dieser Hausforderungen eingesetzt werden können.

Traditionell befasst sich der Abendvortrag am ersten Konferenztag bei näherer Betrachtung nur am Rande mit Computerchemie. Angetrieben von dem Problem, dass ausländische Studenten den in Deutsch gehaltenen Vorlesungen am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) meist nicht folgen können, hat das Team um Dr. Sebastian Stücker vom Institut für Anthropomatik(KIT) einen Simultanübersetzer kreiert, der automatische Spracherkennung und maschinelle Übersetzung kombiniert. Das System nimmt die Vorlesung auf und sendet die Aufnahme direkt in eine cloud-basierte IT-Infrastruktur. Dort erfolgt die Übersetzung; das Ergebnis wird dann in Form von Echtzeit-Untertiteln auf einer Webseite angezeigt, auf die die Studenten mit ihren Mobilgeräten zugreifen können.

Daneben stehen viele weitere Themen aus der Chemie-Informatik in Fulda auf dem Programm. Zum Beispiel informiert Stephen Heller vom National Institute of Standards and Technology (NIST), Gaithersburg/USA, über den Fortschritt des InChI-Projekts, des International Chemical Identifier, der zwischen 2000 und 2004 von der International Union of Pure and Applied Chemistry (IUPAC) und dem NIST entwickelt wurde. InChI ist eine standardisierte Zeichenfolge, die alle relevanten Informationen eines chemischen Moleküls, wie Konnektivität (die Verknüpfung der Atome miteinander), Tautomerie (ob sich das Molekül durch schnelle Umlagerung in seiner Struktur ändern kann), Isotopie (aus welchen Isotopen der Elemente das Molekül aufgebaut ist), Stereochemie (die räumliche Anordnung der Atome zueinander) und Formalladung beinhaltet. Die InChI-Zeichenfolge ermöglicht es so, elektronische Datenbanken leichter zu durchsuchen.

Weitere Informationen zur Veranstaltung finden sich im Internet unter http://www.gdch.de/gcc2013.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Chemie-Information-Computer (CIC) mit über 450 Mitgliedern. Die Fachgruppe wurde 1982 gegründet, weil auch in der Chemie die computergestützte Verwaltung, Archivierung, Analyse, Abfrage und Generierung von Informationen immer wichtiger wurde. Sie sieht ihre Hauptaufgabe darin, an der Information und Dokumentation sowie an Computeranwendungen in der Chemie interessierte in- und ausländische Wissenschaftler zusammenzubringen, um durch regen Gedanken- und Erfahrungsaustausch neueste Erkenntnisse auf diesem Wissensgebiet zu vermitteln und fortzuentwickeln.

Dr. Renate Hoer | GDCh
Weitere Informationen:
http://www.gdch.de

Weitere Berichte zu: Atom Chemoinformatiker GDCh Massenspektrometer Molekül Nobelpreis

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Lebenswichtige Lebensmittelchemie
23.03.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht
22.03.2017 | Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Besser lernen dank Zink?

23.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Innenraum-Ortung für dynamische Umgebungen

23.03.2017 | Architektur Bauwesen