Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Chirurgenkongress 2013: Nierenkrebs bei Kindern immer häufiger heilbar

16.04.2013
Krebs kann bereits junge Kinder befallen. Deren Chancen auf Heilung haben sich in den letzten 30 Jahren von durchschnittlich 20 Prozent auf bis zu 80 Prozent gesteigert. Dies zeigt sich insbesondere beim sogenannten Wilms-Tumor.

Der häufigste Nierentumor bei Kindern galt früher als tödliche Erkrankung. Heute überleben mehr als 90 Prozent der kleinen Patienten die bösartige Erkrankung. Dieser Erfolg liege vor allem daran, dass Ärzte den Krebs nach bundesweit einheitlichen Standards bekämpfen, berichtet ein Kinderchirurg im Vorfeld des 130. Chirurgenkongresses. Das Vorgehen ist heute Vorbild für die Erwachsenenonkologie.

Auf der Vorab-Pressekonferenz am 23. April 2013 in München wird der Experte außerdem erläutern, wie entscheidend auch die enge Zusammenarbeit von Kinderarzt, Kinderchirurg und Strahlentherapeut in spezialisierten Einrichtungen ist.

Weil er rasch wächst und früh Tochtergeschwulste bildet, gilt der Wilms-Tumor, auch Nephroblastom genannt, als besonders bösartig. Der Nierentumor ist für rund sechs Prozent aller Krebsfälle im Kindes- und Jugendalter verantwortlich. Rund 110 Kinder und Jugendliche erkranken jährlich in Deutschland daran, vor allem kleine Kinder: Circa 70 Prozent der Patienten sind zwischen einem und fünf Jahre alt. Dennoch hat die Krankheit in den vergangenen Jahrzehnten einiges von ihrem Schrecken verloren. Ursprünglich lag die Überlebensrate bei weniger als 30 Prozent, inzwischen werden mehr als 90 Prozent der Patienten geheilt. „Der Wilms-Tumor ist das Paradebeispiel für eine heilbare bösartige Erkrankung. Das ist eine medizinische Revolution“, sagt Professor Dr. med. Udo Rolle, Tagungspräsident der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH) 2013. Die Ursachen für die erheblich verbesserten Heilungsraten lägen zum einen daran, dass Ärzte bei der Diagnostik und der Therapie konsequent die standardisierten Protokolle befolgen. In diesen Behandlungspfaden ist auf der Grundlage internationaler Behandlungsdaten genau festgelegt, wann welche Maßnahmen bei welcher Ausprägung des Tumors zu erfolgen haben. Zum anderen ist laut Rolle die Behandlung in interdisziplinären kinderonkologischen Zentren von wesentlicher Bedeutung.

Dabei übernehmen Chirurgen die Schlüsselfunktion, denn falls möglich kommt es in aller Regel mit einer Diagnose „Wilms-Tumor“ zur Operation. Sie hat zum Ziel, den Tumor vollständig zu entfernen, Tumormaterial für weitere Untersuchungen zu gewinnen und zu überprüfen, wie weit sich der Tumor ausgebreitet hat. Unbedingt vermeiden müssen Chirurgen, dass der Tumor während der Operation eröffnet wird und sich im Bauchraum verstreut. „Deshalb ist es wichtig, dass die Operation von einem erfahrenen Kinderchirurgen vorgenommen wird“, sagt Rolle, der als Direktor die Klinik für Kinderchirurgie der Universitätsklinik in Frankfurt am Main leitet. Er stützt sich dabei auf Studienergebnisse die zeigen, dass der Tumorriss bei erfahrenen Operateuren und Kinderchirurgen wesentlich seltener vorkommt und damit auch die Überlebensrate steigt.

Auch die Zusammenarbeit mit anderen Fachärzten hat zur Steigerung der Überlebensraten beigetragen: Sofern es den kleinen Patienten zumutbar ist, erfolgt bereits vor der Operation eine Chemotherapie. Sie kann den Tumor verkleinern und ihn besser handhabbar machen: „In der Fachwelt wurde das Vorgehen lange diskutiert. Wir haben jetzt eindeutige Ergebnisse, dass die vorgeschaltete Chemotherapie den Tumor nicht nur verkleinert, sondern auch das Risiko des Tumorrisses erheblich reduziert“, erläutert Rolle im Vorfeld des Chirurgenkongresses. Von der befallenen Niere entnehmen die Operateure nur so viel wie nötig. Kinderchirurgen haben dazu chirurgische Behandlungsrichtlinien erarbeitet, die helfen, Organe so weit wie möglich zu erhalten und die Kinder durch schonende Operationsverfahren nicht zu verstümmeln.

Auch nach der Operation ist häufig eine weitere Chemotherapie nötig, in manchen Fällen zusätzlich eine Strahlentherapie. „Die Erfolgsgeschichte bei der Behandlung des Wilms-Tumors und anderer Krebsarten bei Kindern zeigt, wie wichtig bei der Krebsbekämpfung die koordinierte Zusammenarbeit von Ärzten verschiedener Fachrichtung in spezialisierten Zentren ist“, sagt Rolle. Das Vorgehen ist heute auch Vorbild für verbesserte Behandlungskonzepte in der Erwachsenenonkologie. Über ihre Erfahrungen tauschen sich deshalb Chirurgen aller Teildisziplinen auf dem 130. Chirurgenkongress gemeinsam aus.

Literatur:
Jörg Fuchs et al: Surgical Aspects in the Treatment of Patients With Unilateral Wilms Tumor, Annals of Surgery, Volume 249, Number 4, April 2009, DOI: 10.1097/SLA.0b013e31819ed92b

Andrew M. Davidoff et al.: Wilms Tumor
Adv Pediatr. 2012 ; 59(1): 247–267. doi:10.1016/j.yapd.2012.04.001

Terminhinweise:
Vorab-Pressekonferenz anlässlich des
130. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH)
Termin: Dienstag, 23. April 2013, 11.30 bis 12.30 Uhr
Ort: Künstlerhaus München, Lenbachzimmer
Anschrift: Lenbachplatz 8, 80333 München

„Chirurgie mit Leidenschaft und Augenmaß“
Highlights des 130. Chirurgenkongresses in München

Vorläufige Themen und Referenten:

Highlights des 130. Chirurgenkongresses
Transplantation: Welche Auswege gibt es nach den Skandalen?
Professor Dr. med. Dr. h.c. Karl-Walter Jauch
Präsident der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH), Direktor der Chirurgischen Klinik und Poliklinik, Klinikum Großhadern der Ludwig Maximilian Universität, München
Mindestoperationszahlen an Kliniken: Falscher Anreiz oder notwendig für Qualitätssicherung und Patientensicherheit?
Professor Dr. med. Dr. h. c. Hans-Joachim Meyer
Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH), Berlin

Alles eine Frage der Indikation: Zu viel, zu wenig, oder Operationen bei den Falschen?
Professor Dr. med. Stefan Post, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV, Mannheim

Krebs im Kindesalter:
Wie der einst tödliche Wilms-Tumor heute zur heilbaren Krankheit wird
Professor Dr. med. Udo Rolle, Tagungspräsident der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH) 2013, Frankfurt am Main

Kongresssitzung: Kinderonkologie
Datum: 30. April 2013, 9.00 bis 10.30 Uhr
Ort: Saal 11, ICM München

Zum Kongressprogramm:
http://h2041619.stratoserver.net/chirurgie2013/timetable/index.php?d=30&m=4&y=2013

Kontakt für Journalisten:
Pressestelle Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH)
Anne-Katrin Döbler, Christine Schoner, Christina Seddig
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931-573
Telefax: 0711 8931-167
E-Mail: schoner@medizinkommunikation.org

Anna Julia Voormann | idw
Weitere Informationen:
http://www.dgch.de
http://www.chirurgie2013.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Konferenz IT-Security Community Xchange (IT-SECX) am 10. November 2017
23.10.2017 | Fachhochschule St. Pölten

nachricht Die Zukunft der Luftfracht
23.10.2017 | Frankfurt University of Applied Sciences

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Salmonellen als Medikament gegen Tumore

HZI-Forscher entwickeln Bakterienstamm, der in der Krebstherapie eingesetzt werden kann

Salmonellen sind gefährliche Krankheitserreger, die über verdorbene Lebensmittel in den Körper gelangen und schwere Infektionen verursachen können. Jedoch ist...

Im Focus: Salmonella as a tumour medication

HZI researchers developed a bacterial strain that can be used in cancer therapy

Salmonellae are dangerous pathogens that enter the body via contaminated food and can cause severe infections. But these bacteria are also known to target...

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Konferenz IT-Security Community Xchange (IT-SECX) am 10. November 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Luftfracht

23.10.2017 | Veranstaltungen

Ehrung des Autors Herbert W. Franke mit dem Kurd-Laßwitz-Sonderpreis 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Boost für Lipidforschung: Grazer Forscher erleichtern Lipidanalyse

24.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Bildung von Magma-Ozeanen auf Exoplaneten erforscht

24.10.2017 | Physik Astronomie

Magma sucht sich nach Flankenkollaps neue Wege

23.10.2017 | Geowissenschaften