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Chemische Substanzen gemeinsam in Europa unter die Lupe nehmen

11.11.2011
Im Rahmen des EU-Projektes EU-OPENSCREEN wollen europäische Forschungseinrichtungen ihre Hochtechnologielabore für die systematische Testung (Screening) von chemischen Substanzen auf biologische Wirkungen vernetzen und ihr Wissen zentral zusammenführen. Vom 21.-22. November 2011 findet in Berlin das erste Treffen aller beteiligten europäischen Partner und internationalen Förderer statt.

Chemische Substanzen können Bakterien abtöten, die Virusvermehrung stoppen oder Krebszellen am Wachstum hindern. Die Natur bringt einen scheinbar unendlichen Vorrat an Substanzen hervor, ob in der Tiefsee, in den Regenwäldern oder im Erdöl. Zusätzlich stellen Chemiker täglich weitere, künstliche Substanzen her.

Zusammen entsteht ein riesiges Reservoir an potentiellen Wirkstoffen, in dem Wissenschaftler nach geeigneten biologisch aktiven Substanzen suchen können. Das Projekt EU-OPENSCREEN wird unter Federführung des Leibniz-Instituts für Molekulare Pharmakologie (FMP) die großen nationalen Labore zu einer innovativen und einzigartigen Hochtechnologie-Plattform zusammenführen. Somit können Technologien, Know-how und Substanzsammlungen europaweit genutzt und die Erkenntnisse über die biologischen Wirkungen der Substanzen gesammelt, standardisiert und öffentlich zur Verfügung gestellt werden.

Das erste Stakeholder Meeting in Berlin bietet über 100 teilnehmenden Vertretern aus Wissenschaft, Industrie und Politik ein Forum für Fachdiskussionen zu den Themen „Screening-Plattformen“, „Schutz geistigen Eigentums“ und „Governance und Finanzierung“, deren Ergebnisse in die strategische Ausrichtung von EU-OPENSCREEN einfließen. „Das große Interesse von Wissenschaftlern, Vertretern aus Industrie und Politik, an unserem ersten Stakeholder-Meeting mitzuwirken, freut uns. Wir sind gespannt auf interessante Diskussionen und wollen das weltweite Know-how unserer Kollegen nutzen, um die richtige Strategie für eine europaweite Vernetzung zu erarbeiten“, sagt Dr. Ronald Frank vom Leibniz-Institut für Molekulare Pharmakologie (FMP) und Koordinator von EU-OPENSCREEN.

Führende Experten bereichern das Treffen mit Ihren Beiträgen:

Günter Stock, Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften
Ernst Th. Rietschel, acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften
Yong Yao, NIH Molecular Libraries Probe Centers Network (MLPCN), USA
David Camp, Queensland Compound Library, Australien
Steven van Helden, O2S, Niederlande
Gregor König, Europäischer Patentanwalt
EU-OPENSCREEN: In den Laboratorien des Projekts können Forscher zehntausende von Substanzen in wenigen Stunden auf unterschiedliche biologische Wirkungen untersuchen. Speziell von Biologen entwickelte „Eignungstests“ schlagen an, wenn eine Substanz beispielsweise ein bestimmtes Bakterienenzym hemmen oder das Wachsen von Krebszellen verhindern kann. Durch das gesammelte Wissen werden unerwünschte Wirkungen von Verbindungen im menschlichen Organismus oder auf die Umwelt leichter und schneller erkennbar. „Dass Weichmacher in Kunststoffen Menschen und Tiere unfruchtbar machen können, hätte man mit vernetzten Testsystemen möglicherweise früher feststellen können“, erläutert Projektleiter Ronald Frank. Im Rahmen von EU-OPENSCREEN soll deshalb auch eine zentrale Datenbank mit sämtlichen Testergebnissen aufgebaut werden, die öffentlich zugänglich ist. Für die Europäische Kommission gehört dieses Vorhaben zu den wichtigen länderübergreifenden Forschungsinfrastrukturen der Zukunft. Sie fördert deshalb eine dreijährige Vorbereitungsphase mit 3,7 Millionen Euro.

Leibniz-Institut für Molekulare Pharmakologie (FMP): Im Mittelpunkt der Grundlagenforschung am FMP stehen die wichtigsten Bausteine des Lebens, die Proteine. Dabei handelt es sich um unendlich wandelbare Moleküle – sie katalysieren Reaktionen, übermitteln Signale und sind damit die häufigsten Zielstrukturen für Pharmaka. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen mit den unterschiedlichen Methoden die Form der Protein-Moleküle, wie sie funktionieren und mit welchen Wirkstoffen man sie beeinflussen kann. Ziel ist es, Wirkstoffe zu finden, die an Proteine binden und deren Funktionen ändern können. Sie kommen dann als Werkzeuge für die Forschung sowie als Leitstrukturen für neue Arzneimittel in Frage.

*European Infrastructure of Open Screening Platforms for Chemical Biology

Kontakt:
Dr. Ronald Frank
Leibniz-Institut für Molekulare Pharmakologie (FMP)
Tel.: 030-9406-3066
E-Mail: office@eu-openscreen.eu
Öffentlichkeitsarbeit:
Silke Oßwald
Leibniz-Institut für Molekulare Pharmakologie (FMP)
Tel.: 030-94793-104
E-Mail: osswald@fmp-berlin.de

Silke Oßwald | idw
Weitere Informationen:
http://www.fmp-berlin.de
http://www.eu-openscreen.eu

Weitere Berichte zu: FMP Know-how Krebszelle Lupe Molekulare Pharmakologie Pharmakologie Protein Screening Wirkstoff

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