Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bulgariens Elite wandert ab

24.04.2012
Interdisziplinäre Konferenz am 27. und 28. April an der Universität Jena sucht nach mittelfristig umsetzbaren Lösungen

„Migrations from and towards Bulgaria (1989-2011)“ – unter diesem Titel rangiert eine interdisziplinäre Konferenz an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, die sich am 27. und 28. April eines hochbrisanten Themenkomplexes annimmt.

Auf Einladung von Prof. Dr. Thede Kahl, der die Professur für Südslawistik innehat, und seiner Mitarbeiterin Dr. Tanya Dimitrova werden Slawisten, Sozial- und Migrationswissenschaftler aus Bulgarien, Deutschland, Griechenland, Spanien und Großbritannien die Migrationsbewegungen von und nach Bulgarien während der vergangenen beiden Jahrzehnte in den Blick nehmen. Untersucht werden sollen post-sozialistische Migrationsbewegungen im Kontext demographischer, wirtschaftlicher und sozialer Veränderungen. „Schwerpunkte bilden die Untersuchung soziokultureller Prozesse im Rahmen der Migration sowie Fragen der Spannungen zwischen lokalen und globalen Lebensformen in Regionen von hoher ethnischer und sprachlich-kultureller Vielfalt und Komplexität“, erläutert Prof. Kahl.

Analysiert werden sollen hierbei Phänomene wie Kultur- und Sprachkontakt, demographischer Wandel, interethische Koexistenz, Assimilation, Euroskeptizismus, interkulturelle Konflikte sowie der sogenannte „brain drain“ – also die Abwanderung der Gebildeten und gut Ausgebildeten. „Die Elite“, sagt Thede Kahl, „wandert ab nach Westeuropa und Übersee.“ Gemeinsam mit Rumänien, insistiert er, habe Bulgarien den höchsten Bevölkerungsrückgang in Europa zu verzeichnen – nämlich von achteinhalb auf knapp sieben Millionen Menschen. So verlassen Bulgaren ihre Heimat bevorzugt in Richtung Frankreich, Italien, Skandinavien, Deutschland, Spanien. Sei vor der Eurokrise Griechenland für Bulgaren interessant gewesen, um dort eine Zeit lang zu arbeiten, aber dann wieder in die Heimat zurückzukehren, gehe der Trend nun in westlichere und nördlichere Länder, was die Wahrscheinlichkeit der Rückkehr deutlich schmälere.

„Aus ethnologischer Perspektive fällt im Fall Bulgariens schnell auf, dass die ersten Migrationen nach der ,Wende‘ sehr stark von den Minderheiten wie Roma, Türken, Pomaken und Sarakatschanen ausgingen“, erläutert Kahl. Dies sei „ein Faktor, der nicht zu unterschätzen ist, wenn es um die Integration in den Herkunfts- und Aufnahmeländern geht sowie um die Außenwirkungen der jeweiligen Migrationsbewegungen.“

Bulgarien, erklärt Prof. Kahl, habe sich seit einigen Jahren für eine wachsende Zahl von Personen auch zum Einwanderungsland entwickelt – vornehmlich für Menschen aus wirtschaftlich schwächeren Ländern Asiens und Afrikas, gleichsam als Einzugstor Europas. Die Abwanderung sei jedoch erheblich höher, woraus sich ernsthafte Probleme für Gesellschaft und Wirtschaft Bulgariens ergeben.

Ziel sei es, so Thede Kahl, zum einen zu dem Wissen über Migration aus und nach Bulgarien beizutragen. Zum anderen aber erhoffen sich die Initiatoren auch, einen wesentlichen Beitrag zur erfolgreichen Integration neuzugewanderter Bevölkerungsgruppen leisten zu können. Der Jenaer Slawist hofft, dass während der Tagung Erarbeitetes mittelfristig umgesetzt werden kann. Bildungsmöglichkeiten spielen hier eine große Rolle. Zwar gebe es in Bulgarien die allgemeine Schulpflicht, diese würde aber nicht zu einhundert Prozent umgesetzt. Dies gelte insbesondere im Hinblick auf türkische Minderheiten oder Roma, für die in ganzen Stadtteilen Sofias sowie in ländlichen Regionen kein ausreichend gutes Bildungsprogramm existiere.

Die Konferenz richtet sich nicht nur an Studierende, Doktoranden und Dozenten verschiedener Disziplinen; geladen sind unter anderem auch diplomatische Vertreter Bulgariens und bulgarische Intellektuelle, die in Thüringen leben.
Das Programm der Tagung ist zu finden unter:
http://www.slawistik.uni-jena.de/tl_files/tl_files/Tagung/Program_conference_Jena.pdf

Kontakt:
Prof. Dr. Thede Kahl
Institut für Slawistik der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Ernst-Abbe-Platz 8
07743 Jena
Tel.: 03641 / 944725
E-Mail: thede.kahl[at]uni-jena.de

Constanze Alt | idw
Weitere Informationen:
http://www.slawistik.uni-jena.de/tl_files/tl_files/Tagung/Program_conference_Jena.pdf

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen
20.01.2017 | Ernst-Abbe-Hochschule Jena

nachricht Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens
19.01.2017 | Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise