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Blut beschäftigt die Wissenschaft seit 4000 Jahren - Junge Wissenschaftler kommen zum internationalen Kongress

18.09.2012
Blut ist ein besonderer Saft. Seit 4000 Jahren gibt es den "Aderlass". Schon die Sumerer und Ägypter haben sich damit beschäftigt, "schlechtes Blut" zu bekämpfen. Hippokrates stellte um 500 vor Christus Regeln für Blutreinigung und Blutverdünnung auf.

"Auch heute ist das Fachgebiet spannend", sagt Dr. Heinrich Prophet vom Rostocker Apheresezentrum. Der 43-Jährige organisiert das Treffen der jungen Wissenschaftler im Vorfeld des internationalen Kongresses der Europäischen Gesellschaft für künstliche Organe (ESAO). "Eigentlich bin ich schon zu alt", lacht der Rostocker.

"Aber es macht Spaß, mit jungen Wissenschaftlern anderer Disziplinen und Forschungsschwerpunkten zusammenzukommen." Die 30 Forscher sind jünger als 35 Jahre und kommen aus ganz Europa - unter anderem aus Portugal, Spanien, Italien und Polen. "Ich will unsere Stadt in eine gutes Licht rücken", sagt der Lokalpatriot. Rostock und Deutschland brauche sie nicht verstecken. Im Bereich Dialyse und Apherese gebe es hier viel Forschung.

Dr. Prophet freut sich auf das Treffen von Grundlagenforschern und Medizinern aus dem klinischen Alltag. Welches sind die Trends der Zukunft? Die Organsysteme Lunge, Herz, Leber und seine Spezialgebiete, Niere und Blut, werden näher beleuchtet. "Wir sind keine Zauberer", räumt der Nephrologe ein, "aber wir können mit bestimmten Blutreinigungsverfahren sehr komplexe Leiden behandeln. Oder hätten Sie gewusst, dass für so verschiedene Krankheiten wie Hörsturz, Fettstoffwechselstörungen und bestimmte Formen von Herzschwäche oder Multipler Sklerose die Blutwäsche eine Behandlungsmöglichkeit darstellt?"

Im separaten Kleinkongress werde man sich um besondere Aspekte von Jungforschern kümmern, so zum Beispiel Ausbildung, Aufbau von Forschungsumgebungen, Drittmitteleinwerbungen und Publikationsarbeit. "Wir werden auch eine Menge Spaß haben", betont der Mediziner. So sind verschiedene Ereignisse abseits des Hauptkongresses geplant.

Infokasten: Weiterleben mit künstlichen Organen Hochkarätiger Mediziner-Kongress in Rostock im September

"Vom Ersatz zur Regeneration - von der Forschung in die Klinik" lautet das Thema des 39. internationalen Kongresses der Europäischen Gesellschaft für künstliche Organe (ESAO) vom 26. bis 29. September in Rostock. Was erwartet uns nach 60 Jahren Dialyse und 40 Jahren Kunstherz und Herztransplantationen? Können nachwachsende Organe in den nächsten 20 Jahren Realität sein? Rund 400 Experten aus Klinik, Forschung und Entwicklung aus der ganzen Welt werden erwartet, unter anderem aus Asien, Nord- und Südamerika und Europa. Kongresspräsident ist der Herzchirurg und Stammzelltherapie-Experte Prof. Dr. Gustav Steinhoff, Universitätsmedizin Rostock, der den Kongress zusammen mit den Nieren- und Leberspezialisten Prof. Dr. Steffen Mitzner und Dr. Wolfgang Ramlow organisiert. Jeden Kongresstag steht thematisch eines der drei Organe/-systeme: Herz, Leber und Niere im Mittelpunkt.

Zum ersten Mal widmet sich der Kongress dem Thema Regeneration. Angewandt werden regenerative Verfahren beispielsweise bereits bei Patienten mit Herzinfarkt. Gereinigte, körpereigene Stammzellen werden dem Patienten transplantiert und helfen seinem geschädigten Organ bei dessen Regeneration. Neue Dialyseverfahren werden auch zur Leberregeneration angewendet.

Auch Dialysepatienten bauen auf Konzepte zu regenerativen Verfahren bis hin zu nachwachsenden Organen. Aktuell müssen ca. 65.000 Patienten in Deutschland mittels Dialyse versorgt werden, 12.000 stehen auf der Warteliste für eine Transplantation. Nur 3.000 Patienten erhalten pro Jahr eine Nierentransplantation.

"Vor dem Hintergrund des Organspendeskandals ist die Vergabepraxis von Spenderorganen in der Diskussion. Wir haben eine eklatante Mangelsituation. Der Einsatz von Stammzellen und nachwachsenden Organen sowie verbesserte künstliche Organen, insbesondere bei Herz, Nieren- und Lebererkrankungen, kann hier ein Ausweg sein", sagte Kongresspräsident Prof. Dr. Gustav Steinhoff von der Universität Rostock.

Ein spezielles Angebot richtet sich auch in diesem Jahr einen Tag vor dem offiziellen Kongressbeginn an Studenten, Postdocs, Kliniker, Ingenieure und junge Wissenschaftler. Es gibt viel zu erfahren rund um die Organe: Herz, Lunge, Leber und Blut - über ihr Zusammenspiel bis hin zu Ersatzmethoden. In der zweiten Hälfte des Tages kann sich über Karrierechancen und Karriereerfahrungen ausgetauscht werden.

Weitere Informationen:
Kongresspräsident
Prof. Dr. med. Gustav Steinhoff
Gustav.steinhoff@med.uni-rostock.de
www.esao2012.org

Ingrid Rieck | Universität Rostock
Weitere Informationen:
http://www.uni-rostock.de

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