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Bestäuber ohne Lobby? Tagung beleuchtet Wildbienen als sensible Einzelkämpfer

09.10.2015

24. Okt., 10:00 Uhr, Universität Hohenheim, Euroforum, Katharinasaal: Vorträge & Diskussionen am Landesbiologentag 2015 zum Thema „Wildbienen“

24. Okt., 12:30 Uhr: Pressekonferenz zum Landesbiologentag 2015, Universität Hohenheim, Euroforum, Seminarraum 106, Kirchnerstraße 3, 70599 Stuttgart

Bestäuber, Ernährer, Einzelgänger: Wildbienen haben wichtige Funktionen in Ökosystemen und werden immer seltener. Warum ihre Zahl aber so dramatisch abnimmt, beleuchten Experten am Landesbiologentag 2015 unter dem Motto: „Wildbienen – Bestäuber ohne Lobby?“

In Vorträgen und Diskussionen informieren Experten zur Lebensweise der Wildbiene, den Unterschieden zur Honigbiene, und was der Verbraucher tun kann, um diesen hochbedrohten Arten zu helfen. Veranstalter des Landesbiologentags an der Universität Hohenheim ist der Verband Biologie, Biowissenschaften & Biomedizin in Deutschland (VBiO). Anmeldeschluss zum Landesbiologentag ist der 17. Oktober 2015.

Unbeirrt nagt das Spalten-Wollbienen-Weibchen die Pflanzenfasern von den Stängeln, sammelt sie mit ihren Füßen unter ihrem Bauch und formt sie zu einer Kugel, die fast so groß ist wie ihr Körper. Erst jetzt fliegt sie davon, zu ihrem Nest, um die Nistzellen für ihre Eier zu bauen. Das macht sie alleine, so wie die meisten anderen Wildbienenarten auch – sie lebt solitär.

Denn anders als die allseits bekannten Honigbienen bilden Wildbienen keinen Staat mit klarer Arbeitsteilung zwischen vielen zehntausenden weiblichen Bienen unter dem Regime einer Königin. Vielleicht liegt darin auch ein möglicher Grund, dass Wildbienen langsam aussterben, schlussfolgert Prof. Dr. Martin Hasselmann, Leiter des Fachgebietes Populationsgenomik bei landwirtschaftlichen Nutztieren an der Universität Hohenheim und Vorsitzender des VBio Landesverbandes in Baden-Württemberg.

„Die Honigbiene ist das Nutztier mit dem drittgrößten Ertrag“, so der Experte der Universität Hohenheim. „Sie hat eine enorme Bestäubungsleistung. Möglich macht dies ihre Lebensweise als hochsozial organisiertes, staatenbildendes Insekt. Jeder von uns kennt Honigbienen und Imker und natürlich auch den Honig als ein wertvolles Produkt ihrer Arbeit. Die Wildbienen auf der anderen Seite sind bei den meisten Menschen viel weniger bekannt."

Honigbienen und Wildbienen – unterschiedliche Lebensräume

Zwar sei auch die Bestäubungsleistung der Wildbienen groß, sie wird aber weniger wahrgenommen, erklärt der Nutztierwissenschaftler: „Es geschieht nur selten, dass Wildbienen in größeren Gruppen zusammenleben. Meistens treffen sie sich nur zur Paarungszeit, die Weibchen ziehen die Larven alleine groß. Anders als der Staat der Honigbiene fallen die Einzelgänger der Wildbienen eben nicht auf. Sie sind aber genauso wichtig für die Bestäubung und haben sich zum Teil auch auf bestimmte Wildpflanzen spezialisiert.“

Wie das Zusammenleben zwischen Honig- und Wildbienen gelingen kann, und wie die Verteilung der Nahrungsressourcen in den jeweiligen Lebensräumen ist, wird auf dem Fachtag diskutiert werden. „Honigbienen und solitäre Bienen sammeln zwar häufig auf unterschiedlichen Pflanzen, natürlich gibt es aber auch Überschneidungen“, sagt Prof. Dr. Hasselmann. „Es sind aber besonders die komplexen Lebensräume, die die Wildbienen brauchen: eine optimale Mischung aus Futterquellen, Baumaterial und Nistplätzen.“

Veränderte Landschaften bedrohen die Wildbiene

Es ist also nicht die Honigbiene, die die solitäre Wildbiene bedroht, sondern eher die veränderten Landschaften, die der Mensch geschaffen hat, so Prof. Dr. Hasselmann: „Veränderte Kulturlandschaften beeinträchtigen die Artenvielfalt, so auch die sensiblen Wildbienen. Darum ist es umso wichtiger, dass ihnen geholfen wird.“

Welche Möglichkeiten wir selbst zu Hause haben um den Wildbienen zu helfen, erklären die Bienenexperten am Landesbiologentag am 24. Oktober ab 10:00 Uhr (Anmeldeschluss ist der 17. Oktober). Die Pressekonferenz mit den Experten der Tagung findet um 12:30 Uhr im Euroforum, Seminarraum 106, Kirchnerstraße 3 statt.

Programm Landesbiologentag 2015

- Ab 9:00 Uhr:
Registrierung (Foyer des Euroforums)

- 10:00 Uhr:
Grußworte Prof. Dr. Martin Hasselmann (Universität Hohenheim, Vorsitzender des VBIO Baden-Württemberg)

- 10:15 Uhr:
"Von Baumeistern,Blumenschläfern und Pollensammlern. Eine Reise in die faszinierende Welt der Wildbienen", Dr. Paul Westrich (Universität Tübingen)

- 11:15 Uhr:
"DNA-Barcoding: Moleküle zur Artbestimmung in Theorie und Praxis", Prof. Dr. Gerhard Hazsprunar (Zoologische Staatssammlung München)

- 12:15 Uhr:
Diskussion, Leitung Prof. Dr. Martin Hasselmann

- 12.30 Uhr:
Mittagspause und Posterpräsentationen um das Thema Bienen

- 13:45 Uhr:
Ehrung der Karl von Frisch-Preisträgerlnnen durch Frau Michaela Alber (Fachreferentin für Biologie im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg) und Lothar Löchner und Annemarie Strobel (Beauftragte des VBIO Baden-Württemberg für den Karl-von-Frisch-Preis)

- 14:15 Uhr:
Das Wildbienenkataster Baden-Württemberg am Rosensteinmuseum in Stuttgart. Tätigkeiten, Faunistik, Datenbanken, Dipl.Biol. Volker Mauss (Universität Stuttgart)

- 14:45 Uhr:
Es summt in Berlin - Wildbienen in der Großstadt, Dr. Christoph Saure (Universität Berlin)

- 15:15 Uhr:
Kaffeepause

- 15:30 Uhr:
"Bestäubungsleistung und ökologische Bedeutung von Wild- und Honigbienen", PD Dr. Peter Rosenkranz (Landesanstalt für Bienenkunde an der Universität Hohenheim)

- 16:00 Uhr:
Diskussion „Wir tun etwas für Wildbienen!“
Impulsreferat und Moderation: Dipl.Biol.Rainer Gottfriedsen
Experten: PD Dr. Peter Rosenkranz, Dr. Christoph Saure, Dip. Biol.Volker Mauss, Dr. Paul Westrich

- 16.30 Uhr:
Ende

- 16.45 Uhr:
Mitgliederversammlung

Kontakt für Medien:
Prof. Dr. Martin Hasselmann, Universität Hohenheim, Fg. Populationsgenomik bei landwirtschaftlichen Nutztieren
Tel.: 0711/459-22481, E-Mail: martin.hasselmann@uni-hohenheim.de

Text: C. Schmid / Klebs

Weitere Informationen:

http://www.vbio.de/bw "Verband Biologie, Biowissenschaften & Biomedizin in Deutschland (VBiO)"

Florian Klebs | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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