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Ein (un)geliebter Weltbürger - Erste deutsche Stadttaubentagung

30.10.2007
Geflügelte Pest, Ratten der Lüfte oder doch schützenswerte Geschöpfe? - Stadttauben polarisieren wie kaum ein anderes Tier. Und obwohl die Kommunen schon seit Jahrzehnten Maßnahmen gegen die Überpopulation ergreifen, kriegen sie das Problem nicht in den Griff.

Jetzt findet zum ersten Mal eine bundesweite Konferenz statt, in der städtische Vertreter gemeinsam mit Wissenschaftlern und Tierschützern über neue Konzepte beraten. Knapp 100 Teilnehmer haben sich für die erste deutsche Stadttaubentagung am 6. November an der Uni Duisburg-Essen (UDE) angemeldet. Es geht um nachhaltige Lösungen fern jeglicher Tötungsmaßnahmen und - aus Sicht der Organisatoren - langfristig um ein mögliches neues Berufsbild: den städtischen Taubenwart.

"Die Stadttaube ist ein echter Weltbürger. Sie ist in allen Kontinenten zu finden und bereitet überall ähnliche Schwierigkeiten", sagt Dr. Lars Düster. Der UDE-Wissenschaftler und Umweltanalytiker gehört zu den Organisatoren der Tagung und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Taubenmanagement. Es sind vor allem die enormen Mengen an Taubenkot, die zu hohen Reinigungskosten führen. Dass die Tiere Krankheiten auf den Menschen übertragen, ist laut Düster allerdings nur in extrem wenigen Fällen belegt. Dennoch sieht er dringenden Handlungsbedarf. "Wenn der Mensch nicht die Populationen der Stadttauben reguliert, werden die Bestände ebenso weiterwachsen wie die Probleme."

Dabei betreiben viele Städte einen großen Aufwand zur Abwehr: Fütterungsverbote, Einrichtung von Netzen, Anflugsperren, Abschießen, Bejagen mit Falknern, Auslegen von Giftködern oder Futterdragees mit Anti-Baby-Pille. "Doch fast alle diese Maßnahmen waren bislang wirkungslos und haben Gelder verschlungen, die man besser in nachhaltige städteübergreifende Konzepte gesteckt hätte", kritisiert Düster. "Es gibt einige gute Projekte, die aber meist von Privatinitiativen getragen werden." Für viele Vorhaben fehle aber das Geld oder Personal, bei manchen schlichtweg das Vertrauen der verschiedenen Interessengruppen. Taubengegner, Tierschützer, Schädlingsbekämpfer, Denkmalschützer und Taubenzüchter sind sich außerdem nicht grün in der Frage, wie der Plage beizukommen ist. "Und die Kommunen sitzen hilflos zwischen den Stühlen."

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Immerhin: Die Organisatoren bringen am 6. November nun alle an einen Tisch. Sie wollen informieren und aufklären. Denn trotz Jahrzehnte andauernder Problematik gibt es immer noch ein

Wissensdefizit. So geht es bei der Tagung um die Zoologie der Stadttaube, veterinär- und humanmedizinische Hintergründe, um Biomonitoring, die rechtliche Situation und das Stadttaubenmanagement. Kommunen stellen erfolgreiche Modelle vor, darunter aus den Niederlanden und Belgien. Denn das Taubenproblem ist grenzüberschreitend.

Vielleicht kommt die beste Idee ja aus Moers: Das Taubenwartmodell, es wird auf der Tagung ebenfalls vorgestellt, bringt Langzeitarbeitslose in Arbeit. Sie richten Taubenschläge und kontrollierte Fütterungsplätze ein, betreuen diese und steuern sanft die Familienplanung: "Eine Stadttaube brütet bis zu achtmal im Jahr und legt dabei jedes Mal zwei Eier. Wenn man die Eier durch Attrappen ersetzt, lässt sich die Population in Grenzen halten", so Umweltanalytiker Düster. Dass die Kommunen in Zukunft Taubenwarte beschäftigen könnten, hält er für eine gute Lösung. "Diese Arbeiten lassen sich nicht allein von ehrenamtlichen Helfern bewältigen."

1. Deutsche Stadttaubentagung, Dienstag, 6. November, ab 10 Uhr, Campus Essen, Glaspavillon, Universitäts-/Ecke Gladbeckerstraße.

Organisiert von der Uni Duisburg-Essen (Zentrum für Mikroskalige Umweltsysteme, Institut für Umweltanalytik), dem Institut zur Förderung der beruflichen und sozialen Eingliederung (IMBSE) Moers und "Stadttauben NRW".

Weitere Informationen: Dr. Lars Düster, Tel. 0175-1941502, lars.duester@uni-due.de

Ulrike Bohnsack | idw
Weitere Informationen:
http://www.stadttauben-nrw.de

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