Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Herzspezialisten tagen in Köln: Neue Entwicklungen in der Kardiologie zwischen Machbarkeit und Finanzierbarkeit

04.10.2007
31. Herbsttagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie, 18. Jahrestagung der Arbeitsgruppe Herzschrittmacher und Arrhythmie; 4. bis 6. Oktober, Köln

Noch bis Samstag findet in Köln die 31. Herbsttagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) gemeinsam mit der Jahrestagung der Arbeitsgruppen Herzschrittmacher und Arrhythmie statt.

Unter dem Motto "Kardiologie zwischen Innovation und Budget" diskutieren mehr als 2.000 Herzspezialisten eine breite Palette von Themen: Von innovativen Therapien des Vorhofflimmerns über die optimale Diagnose von Gefäßerkrankungen bis hin zu Herzstörungen als Ursache für Schlaganfälle.

"Das Tagungsmotto Kardiologie zwischen Innovation und Budget greift die Problematik der modernen klinischen Medizin zwischen kostspieligem Fortschritt und beschränkter Bezahlbarkeit auf. Unser Ziel muss es sein, mit dem vorhandenen Budget eine möglichst optimale Versorgungs-Qualität für die Patienten zu sichern", sagte Prof. Dr. Ulrich Tebbe (Detmold) auf einer Pressekonferenz, bei der er gemeinsam mit Prof. Dr. Wolfgang Schöls (Duisburg) die Schwerpunkte der 31. Herbsttagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie und der gleichzeitig stattfindenden 18. Jahrestagung der Arbeitsgruppe Herzschrittmacher und Arrhythmie präsentierte.

Experten: Kostensteigerungen unabwendbar

Einig waren sich die beiden Tagungspräsidenten darin, dass Kostendruck und Ressourcenknappheit zunehmend den Behandlungsalltag bestimmen: "Innovation bedeutet nicht nur die Verfügbarkeit neuer und meist auch teurer Optionen für den Einzelnen, sondern auch die Erweiterung der Indikation für entsprechende Maßnahmen. Die begleitende Kostensteigerung ist unabwendbar, noch akzentuiert durch eine mögliche Lebensverlängerung, die das Erleben weiterer behandlungsbedürftiger Erkrankungen wahrscheinlicher macht", betonte Prof. Schöls. "Knapper werdende Ressourcen im Gesundheitssystem haben die Folge, dass nicht alles, was machbar, dann auch bezahlbar ist." Die Aufgabe, zwischen medizinisch Notwendigem oder Wünschenswerten und wirtschaftlich Vertretbarem abzuwägen, werde dem behandelnden Arzt aufgebürdet, kritisierte Prof. Schöls. "Krankenhausverwaltungen und Krankenkassen lassen zwar gerne verlauten, dass jede erforderliche Behandlungsmaßnahme finanziell getragen werde, gleichzeitig wird aber ein Budget vorgegeben, in dessen Rahmen sich die Medizin zu bewegen hat."

Vorhofflimmern: Technische Fortschritte

Ein wichtiges Thema auf der Kongressagenda sind Fortschritte in der Behandlung des Vorhofflimmerns. "Angesichts einer immer älter werdenden Bevölkerung gewinnt das Vorhofflimmern als häufigste Herzrhythmusstörung immer mehr an Bedeutung, es ist die Ursache für zahlreiche stationäre Einweisungen", steckte Prof. Tebbe die Bedeutung des Themas ab. Diskutiert werden neue Behandlungsempfehlungen ebenso wie die neuen apparativen Möglichkeiten in der Ablationsbehandlung, eine Verödungstherapie mittels Katheter und hochfrequentem Strom. "Hier sind neue technische Möglichkeiten zu verzeichnen, aber auch klinische Erfahrungen im Hinblick auf Erfolgs- und Komplikationsraten", so Prof. Schöls.

Herzschwäche: Innovationen aus der Telemedizin

Auch in der Therapie eines anderen weit verbreiteten kardiologischen Problems, der Herzinsuffizienz, gibt es technische Innovationen. Eine wichtige Rolle in der Behandlung der Herzschwäche spielt inzwischen die so genannte kardiale Resynchronisationstherapie - eine Methode, bei der ein Defibrillator und ein Schrittmacher eingesetzt werden, damit rechte und linke Herzkammer simultan stimuliert werden können. "Die Resynchronisation hat sich inzwischen zu einer Routinemethode entwickelt", berichtete Prof. Schöls. "Neue Aspekte sind weitere technische Verbesserungen und die Frage, ob in bestimmten Fällen auch eine prophylaktische Implantation sinnvoll sein kann." Innovationen seien auch durch die Verbindung der Implantate mit telemedizinischen Möglichkeiten zu erwarten, so der Experte: "Die einfache Überwachung des Herzrhythmus, zum Beispiel per Telefon, auch in Verbindung mit einer Ortsbestimmung per GPS in Notsituationen, ist ebenso möglich wie die kontinuierliche Bestimmung komplexerer Parameter wie der Thoraximpedanz, also der Atembewegungen des Thorax, oder der Variablilität der Herzfrequenz."

Gefäßerkrankungen optimal diagnostizieren

Ein Themenschwerpunkt der Tagung ist dem immer deutlicher werdenden Zusammenhang zwischen Diabetes mellitus und der sich daraus entwickelnden Gefäßerkrankungen gewidmet. "Die so genannte Ischämie-Diagnostik, also der Nachweis oder Ausschluss von koronaren Durchblutungsstörungen, stellt die wichtigste apparative Entscheidungshilfe zwischen konservativer medikamentöser und invasiver Therapie dar", betonte Prof. Tebbe. Das Elektrokardiogramm (EKG) bei körperlicher Belastung sei als kostengünstige Basis-Diagnostik praktisch überall verfügbar, habe aber den Nachteil der eingeschränkten Sensitivität und der eingeschränkten Durchführbarkeit - zum Beispiel bei Patienten mit zusätzlichen orthopädischen Erkrankungen. Prof. Tebbe: "Deshalb stellt sich die Frage, in welcher klinischen Situation zusätzlich oder gleich primär alternative, aber auch teurere, Verfahren wie die Echokardiografie und die Magnetresonanztomografie oder gar die für den Patienten mit erhöhter Strahlenbelastung verbundenen Methoden wie kardiale Computertomografie oder nuklearmedizinische Szintigrafie eingesetzt werden sollten."

Christiane Limberg | idw
Weitere Informationen:
http://www.dgk.org

Weitere Berichte zu: Arrhythmie Herzschrittmacher Vorhofflimmern

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel
02.12.2016 | Münchner Kreis

nachricht Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen
01.12.2016 | Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie