Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Finanzielle Spielräume für die öffentliche Hand

21.09.2007
Rechtswissenschaftler und Finanzexperten tagen am 27. September an der Universität Jena

Im März des vergangenen Jahres verkaufte die Stadt Dresden ihren kommunalen Wohnungsbestand an einen amerikanischen Finanzinvestor. Das spülte 1,7 Milliarden Euro in das klamme Stadtsäckel. Dresden war damit als einzige deutsche Großstadt auf einen Schlag schuldenfrei. Doch der Verkauf war höchst umstritten.

Der Vorwurf der Kritiker: Der Stadtrat habe das Tafelsilber verscherbelt und die Mieter den Fährnissen des internationalen Finanzmarktes ausgesetzt. "Dabei wäre theoretisch ein anderer Weg denkbar gewesen", macht Prof. Dr. Christoph Ohler von der Friedrich-Schiller-Universität Jena deutlich.

"Mit einer sogenannten Forderungsverbriefung hätte der Stadtrat die Mietforderungen der nächsten zehn Jahre veräußern können, ohne gleich das Wohnungseigentum aus der Hand zu geben", erläutert der Inhaber des Lehrstuhls für Öffentliches Recht, Europarecht, Völkerrecht und Internationales Wirtschaftsrecht.

In den USA sind Forderungsverbriefungen gang und gäbe: Banken etwa verkaufen dabei Forderungen gegen ihre Kunden an Spezialunternehmen, sogenannte Conduits, die den Kauf durch die Ausgabe von Schuldverschreibungen finanzieren. Die Bank generiert damit Einnahmen und erhöht die eigene Liquidität.

Ob dieses Finanzierungsinstrument auch für die öffentliche Hand in Deutschland praktikabel ist, das wollen Rechtswissenschaftler, Kämmerer und Finanzfachleute aus Landkreisen und kommunalen Unternehmen am 27. September an der Friedrich-Schiller-Universität diskutieren. Prof. Ohler hat zu der Tagung "Forderungsverbriefung als Finanzierungsinstrument der öffentlichen Hand" eingeladen, die die komplizierten rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen beleuchten soll. "Es gibt in Deutschland massive Zweifel, ob die Forderungsverbriefung für die öffentliche Hand verfassungskonform ist", gibt Ohler zu Bedenken.

Erörtert werden soll beispielsweise, ob der Staat seine Steuerschuld verkaufen darf oder nicht. "Öffentliche Unternehmen wie Stadtwerke dürften das problemlos", sagt Prof. Ohler. Zur Tagung werden Finanzexperten Praxisberichte aus dem europäischen Ausland und zu ersten Modellen in Deutschland liefern. So trat Deutschland seine Forderungen an Russland, die einst als Kredite an die Sowjetunion gegeben worden waren, an ein Conduit ab. Ein gutes Beispiel, denn: "Dieses Instrument wird erst ab Beträgen von 500 Millionen Euro aufwärts wirtschaftlich, da hohe Fixkosten entstehen", sagt Prof. Ohler.

Kontakt:
Prof. Dr. Christoph Ohler, LL.M.
Rechtswissenschaftliche Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Carl-Zeiß-Str. 3, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 942260
E-Mail: christoph.ohler[at]uni-jena.de

Dr. Ute Schönfelder | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Berichte zu: Finanzierungsinstrument Forderungsverbriefung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Von Batterieforschung bis Optoelektronik
23.06.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

nachricht 10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge
22.06.2017 | Haus der Technik e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften