Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Tagung: Mit neuen Konzepten gegen die Armut

17.09.2007
Der Sozialstaat entlässt seine Kinder in die Eigenverantwortung - leider jedoch, ohne sie gut genug darauf vorzubereiten. Das ist am 1. und 2. Oktober der Tenor einer Tagung an der Universität Bonn zum Thema "Armut und Armutsprävention in der Zivilgesellschaft."

Im Zentrum der Veranstaltung im Universitäts-Hauptgebäude, Regina-Pacis-Weg 3, stehen neue Konzepte, mit denen sich Armutsrisiken begegnen lässt. Ausrichter ist die Deutsche Gesellschaft für Hauswirtschaft, die auf der Tagung auch ein Memorandum verabschieden wird. Journalisten sind herzlich eingeladen, an der Veranstaltung teilzunehmen.

Armut ist in Deutschland längst kein Randphänomen mehr: Die Zahl der überschuldeten Haushalte hat sich zwischen 1989 und 2002 von 1,2 Millionen auf 3,1 Millionen fast verdreifacht. Jeder Siebte muss von weniger als 60 Prozent des gesellschaftlichen Durchschnittseinkommens leben. "Der Staat hat sich aus vielen sozialen Bereichen mehr und mehr zurückgezogen", stellt der Bonner Ökonom Professor Dr. Michael-Burkhard Piorkowsky fest. "Das schlimme daran: Er entlässt seine 'Kinder' weitgehend unvorbereitet in die Eigenverantwortung."

Beispiel Rente: Wer heute nicht zusätzlich privat vorsorgt, muss eventuell im Alter seinen Lebensstandard deutlich herunterschrauben. Doch wie soll man sich ohne solide ökonomische Grundbildung im Dschungel von mehr oder weniger seriösen Angeboten zurecht finden? "Es ist erschreckend, wie viele Menschen nicht wissen, wie unser Rentensystem überhaupt organisiert ist", sagt Piorkowsky. Er fordert, Kinder schon in der Schule für die wirtschaftlichen Anforderungen ihres Alltags zu rüsten - weg von theoretischen Marktmodellen, hin zu mehr Praxis. In einer Zeit, in der unseriöse Kreditangebote per Postwurfsendung ins Haus flatterten, sei ökonomisches Grundwissen der beste Weg, Armutsrisiken zu verringern. "Bildungsarmut geht oft mit wirtschaftlicher Armut einher; das zeigen alle Analysen."

Auch die Schuldnerberatung könne sich stärker präventiv ausrichten, meint der Professor für Haushalts- und Konsumökonomik. Vorraussetzung sei allerdings eine bessere personelle Ausstattung. "Viele Kommunen haben ihre Mittel so sehr zusammen gestrichen, dass für ausreichende Beratungs- und Bildungsangebote die Kapazitäten fehlen." Tagungsthema ist auch die Weiterentwicklung der Armutsberichterstattung - ein Instrument, dass von Regierungen eher stiefmütterlich behandelt wird.

Die Deutsche Gesellschaft für Hauswirtschaft hat ein Memorandum zur Armutsbekämpfung vorbereitet, das sie am Ende der Tagung offiziell verabschieden wird. Zentrale Thesen: Das Armutsrisiko sei in den letzten Jahren gestiegen, Bildung der wichtigste Schlüssel zu mehr Wohlstand - und: Armutsprävention sei ebenso ein Gebot der Vernunft wie der Moral.

Das komplette Tagungsprogramm gibt es im Internet unter http://www.dghev.de/kalender.html. Für Medienvertreter ist die Teilnahme kostenfrei.

Kontakt:
Professor Dr. Michael-Burkhard Piorkowsky
Professur für Haushalts- und Konsumökonomik an der Universität Bonn
Tel.: 0228/73-3124
E-Mail: piorkowsky@uni-bonn.de

Frank Luerweg | idw
Weitere Informationen:
http://www.dghev.de/kalender.html

Weitere Berichte zu: Armutsprävention Michael-Burkhard Piorkowsky

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin
24.02.2017 | TMF - Technologie- und Methodenplattform für die vernetzte medizinische Forschung e.V. (TMF)

nachricht Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie
24.02.2017 | Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie