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Wie ein digitales Fossil entsteht: Anthropologe der Universität Wien beim britischen "Festival of Science"

10.09.2007
Der Anthropologe Gerhard Weber untersucht mit einer neuen Methode die fossilen Überreste von Lebewesen: "Virtuelle Anthropologie" ermöglicht es, Fossilien am Computer zu analysieren und beschädigte oder fehlende Teile digital wieder herzustellen. Im Rahmen der Tagung "The British Association Festival for the Advancement of Science" wird Weber am 11. September 2007 in York (Großbritannien) seine Forschungsarbeit präsentieren.

Anhand wichtiger afrikanischer Fossilfunde, darunter der bekannte Skelettschädel "Kind von Taung", demonstriert er die Rekonstruktion der rund zweieinhalb Millionen Jahre alten Überreste menschlicher Evolution und zeigt dem Publikum, wie digitale Fossilien entstehen. Das "BA Festival of Science" ist eine jährlich stattfindende Veranstaltung, bei der wissenschaftliche Themen mit Eventcharakter sowohl einer breiten Öffentlichkeit als auch einem Fachpublikum vorgetragen werden. Es findet heuer von 9. - 15. September 2007 statt.

Zeugen vergangener Lebensräume

Fossilien aus vergangenen Zeiten sind die wichtigsten Informationsquellen, um der Frage nachzugehen, woher wir kommen. Sie werden nur selten in einem unversehrten Zustand vorgefunden, und die erforderliche Rekonstruktion ist ein kritischer Prozess für die weitere Beurteilung.

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Virtuelle Anthropologie ist eine neue Disziplin, um fossile Knochen und Zähne zu vermessen, zusammenzusetzen und zu vergleichen. WissenschafterInnen rekonstruieren dreidimensional am Computer frühere Menschenarten, schließen auf Wachstumsprozesse und fassen die Anatomie in Zahlen. Moderne Computertomographien legen verborgene Strukturen frei, ohne diese zu zerstören. "Virtuelle Anthropologie ist ein multidisziplinärer Ansatz, der traditionelle Wissenschaften mit moderner Technologie verbindet", betont ao. Univ.-Prof. Dr. Gerhard Weber.

Fossilien ohne Ablaufdatum

Mit Virtueller Anthropologie ist es möglich, die 3D-Kopien von Skeletten, Organen oder Gesichtern am Computer zu bearbeiten. Die so archivierten virtuellen Objekte, darunter auch wertvolle Fossilien, sind keinem Verfallsprozess ausgesetzt und bleiben für unbeschränkte Zeit erhalten. Dazu werden sie mit Hilfe Bild gebender Verfahren eingescannt und in einer umfangreichen Datenbank gespeichert. Diese Datenbank erleichtert die internationale Zusammenarbeit von AnthropologInnen und liefert neue Erkenntnisse in der Erforschung menschlicher Entwicklung.

Die Methoden wurden größtenteils für Anwendungen in der Paläoanthropologie entwickelt. Zugute kommen sollen sie jetzt allerdings auch anderen Fachgebieten, beispielsweise für neue Operationstechniken, Verfahren zur automatischen Gesichtserkennung, der Digitalisierung von Kunstobjekten oder der Erforschung ausgestorbener Spezies.

Europäisches Netzwerk

Webers Arbeitsgruppe am Department für Anthropologie zählt weltweit zu den Pionieren auf dem Gebiet der Virtuellen Anthropologie. Als Initiator und Koordinator des Europäischen Netzwerkes für Virtuelle Anthropologie (EVAN) trägt Weber zur Weiterentwicklung und Verbreitung der neuen Disziplin bei. EVAN soll die EntwicklerInnen und AnwenderInnen der Virtuellen Anthropologie vernetzen und den Umgang mit der Software erleichtern. Ziel des Netzwerkes ist es, junge WissenschafterInnen mit dieser Technik und ihren Anwendungsmöglichkeiten vertraut zu machen.

Mehr Infos unter:
http://www.the-ba.net
http://www.evan.at/
http://www.virtual-anthropology.com/
Kontakt:
Ao. Univ.-Prof. Dr. Gerhard Weber
Department für Anthropologie
Universität Wien
1090 Wien, Althanstraße 14
T +43-1-4277-547 77
M +43-664-602 77-547 77
gerhard.weber@univie.ac.at
Rückfragehinweis:
Mag. Alexandra Frey
Öffentlichkeitsarbeit
Universität Wien
1010 Wien, Dr.-Karl-Lueger-Ring 1
T +43-1-4277-175 31
alexandra.frey@univie.ac.at
www.univie.ac.at/175

Alexandra Frey | idw
Weitere Informationen:
http://www.the-ba.net
http://www.evan.at/
http://www.virtual-anthropology.com/

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