Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wissenschaftsforum Chemie 2007: Spitzenforschung aus der Organischen Chemie

29.08.2007
Nach dem Vorbild der August-Wilhelm-von-Hofmann-Vorlesung, die vor 30 Jahren ins Leben gerufen wurde, hat die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) in den vergangenen 13 Jahren in bilateralen Abkommen mit Partner-Gesellschaften in Europa acht Namensvorlesungen auf Gegenseitigkeit eingerichtet.

Im vergangenen Jahr wurde mit der britischen Royal Society of Chemistry die Alexander Todd - Hans Krebs-Vorlesung eingerichtet, mit der anlässlich des Wissenschaftsforums Chemie 2007 am 17. September in Ulm zum ersten Mal ein Wissenschaftler, nämlich Professor Dr. Varinder K. Aggarwal von der University of Bristol, ausgezeichnet wird. Die bereits 1995 erstmals verliehene Marie Sklodowska-Curie - Wilhelm Klemm-Vorlesung mit der Polnischen Chemischen Gesellschaft liest in Ulm Dr. habil. Karol Grela von der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Warschau. Beide Wissenschaftler stellen Topthemen aus der Organischen Chemie vor. Beiträge von deutschen Arbeitskreisen aus dieser bedeutenden Teildisziplin der Chemie folgen am 18. September auf dem Wissenschaftsforum in Ulm.

Der gebürtige Inder Aggarwal, der in Cambridge Chemie studierte und nach Aufenthalten in Sheffield, Bath und New York seit 2000 Professor für Synthetische Chemie in Bristol ist, stellt in seinem Vortrag über "Chirale Carbenoide für die asymmetrische Synthese" ein Teilgebiet aus seinen Forschungsarbeiten über neue katalytische Prozesse für asymmetrische Synthesen vor. Chirale Verbindungen verhalten sich wie Bild und Spiegelbild, können miteinander also nicht zur Deckung gebracht werden. Sie haben somit trotz sonst gleicher Eigenschaften einen anderen Aufbau, der sehr häufig nach sich zieht, dass die beiden Strukturen in der Natur ganz unterschiedlich wirken. Asymmetrische Reaktionen sollen mit geeigneten Agentien und vor allem geeigneten Katalysatoren zu einer bestimmtem Struktur mit der gewünschten Wirkung führen und haben daher u.a. hohe Relevanz für die Pharmaforschung. Die asymmetrische Synthese zählt zur hohen Kunst in der organischen Chemie.

Der 1970 in Warschau geborene Grela ist seit seiner Habilitation 2003 Gruppenleiter und Dozent am Institut für Organische Chemie an der Polnischen Akademie der Wissenschaften. Dort entwickelt er neue synthetische Methoden und Strategien in der organischen Chemie und der metallorganischen Katalyse. Hauptarbeitsgebiet ist die spannende Suche nach neuen Katalysatoren für die Olefin-Metathese, ein noch recht junges, aber schon durch Nobelpreise ausgezeichnetes Gebiet der Chemie. Substituenten an den C-C-Doppelbindungen (oder auch C-C-Dreifachbindungen) auszutauschen, um so beispielsweise zu anspruchsvollen Polymeren, aber auch zu Naturstoffen zu gelangen, erfordert hohe Kreativität in der Chemie. Grela hat bereits zwei Forschungsaufenthalte in Deutschland hinter sich, bei der Bayer AG in Wuppertal und am Max-Planck-Institut für Kohlenforschung in Mülheim.

Zu den deutschen Arbeitskreisen aus der Organischen Chemie, die sich in Ulm präsentieren, gehört der von Professor Dr. Holger Butenschön von der Universität Hannover, der u.a. auch auf dem Gebiet der Olefin-Metathese-Katalysatoren arbeitet. Seine neuen Katalysatoren enthalten zwei Metalle und sollen dadurch eine bessere katalytische Wirkung bei der Metathese entfalten.

Als ein Teilgebiet ihrer Forschungen stellt Professor Dr. Sabine Laschat von der Universität Stuttgart Tropanalkaloide als wichtige Grundbausteine für die asymmetrische Katalyse und Naturstoffsynthese vor. Tropanalkaloide sind giftige stickstoffhaltige Naturstoffe - Atropin oder Cocain gehören beispielsweise zu dieser Substanzklasse. Weil sie vielfältige biologische Aktivitäten entfalten, sind die Tropanalkaloide für die medizinische Wirkstoffentwicklung interessant, beispielsweise in der Augenheilkunde oder zur Bekämpfung der Reisekrankheit.

Naturstoff- und Wirkstoffsynthesen interessieren auch Professor für Dr. Uli Kazmaier von der Universität des Saarlandes. Er stellt in Ulm neuere Arbeiten zur übergangsmetallkatalysierten asymmetrischen Synthese von Aminosäuren und Peptiden vor. Etwa 1.000 ungewöhnliche Aminosäuren sind in der Natur bekannt (nur ganz wenige Aminosäuren bilden Proteine). Wegen ihrer interessanten biologischen Eigenschaften sind sie beliebte Forschungsobjekte der Chemiker; das gilt auch für die kurzkettigen Peptide, von denen es der Natur ebenfalls vielfältige und ungewöhnliche Strukturen gibt.

Nicht weniger interessant sind neue Synthesewege in der Kohlenhydratchemie, die auf klassischen Syntheseverfahren basieren. Privatdozent Dr. Rainer Mahrwald von der Berliner Humboldt-Universität stellt sie in Ulm vor. U.a. zeigt er einen einfachen Weg auf, stereoselektiv zur D-Fructose zu gelangen. Hier wie auch in den Arbeiten von Professor Dr. Bernd Plietker, Universität Stuttgart, stehen selektiv wirkende Katalysatoren im Mittelpunkt des Interesses für bestimmte Reaktionen zur Bildung von Kohlenstoff/Kohlenstoff-Bindungen. Erst kürzlich hat er neue Eisen-(II)-Katalysatorsysteme zum Patent angemeldet. Während zumeist Übergangsmetallkatalysatoren im Zentrum der Forschung stehen, wächst das Interesse an metallfreien Katalysatoren. Professor Dr. Magnus Rueping von der Universität Frankfurt stellt in Ulm Beispiele enantioselektiver Brønsted-Säure-Katalysen vor, die auch für Naturstoffsynthesen anwendbar sind.

Ein Interessensgebiet von Professor Dr. Siegfried R. Waldvogel von der Universität Bonn ist die Supramolekulare Chemie. Zur Zeit beschäftigt er sich u.a. mit der supramolekularen Erkennung von Explosivstoffen und hofft, mit diesem Verfahren Sprengstoffe schnell detektieren zu können, und zwar insbesondere die nitrobasierten Sprengstoffe wie TNT. Man darf gespannt sein, wie sich supramolekulare Systeme als "Werkzeug" für analytische Aufgaben bewähren. Mit einer ganz anderen Aufgabenstellung arbeitet Professor Dr. Michael Schmittel auf dem Gebiet der Supramolekularen Chemie. Er will mit einem Baukastensystem supramolekulare Nanoaggregate mit großen Hohlräumen schaffen, u.a. geeignet für die high density Informationsspeicherung. An der Universität Siegen baut er diese hochfunktionalen Nanostrukturen nicht nur auf, sondern charakterisiert ihre Struktur sowie ihre Thermodynamik und Kinetik in Lösung.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Liebig-Vereinigung für Organische Chemie mit knapp 1500 Mitgliedern. Hauptanliegen der Liebig-Vereinigung für Organische Chemie sind u.a., Forschungsrichtungen und Forschungsvorhaben auf dem Gebiet der Organischen Chemie anzuregen, über wesentliche Aktivitäten auf diesem Gebiet zu informieren und durch intensive Öffentlichkeitsarbeit wichtige und aktuelle Aspekte der Organischen Chemie bekannt zu machen. Die Liebig-Vereinigung führt in Ulm noch das Karl-Ziegler-Stiftungssymposium durch.

Dr. Renate Hoer | Gesellschaft Deutscher Chemiker
Weitere Informationen:
http://www.gdch.de

Weitere Berichte zu: Katalysator Tropanalkaloide Wissenschaftsforum

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur
21.07.2017 | Goethe-Universität Frankfurt am Main

nachricht Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien
21.07.2017 | Cofresco Forum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblicke unter die Oberfläche des Mars

21.07.2017 | Geowissenschaften

Wegbereiter für Vitamin A in Reis

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten