Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

13. Europäische Konferenz zur Entwicklungspsychologie

20.08.2007
Schon Einjährige wollen Erfahrungen teilen
Von der 13. Europäischen Konferenz zur Entwicklungspsychologie an der Universität Jena: der Preisträger des "George Butterworth Award 2007"

Jena (20.08.07) Der Leipziger Entwicklungspsychologe Dr. Ulf Liszkowski (30) wird anlässlich der "13th European Conference on Developmental Psychology", die vom 21.-27. August in Jena stattfindet, mit dem George Butterworth Award 2007 ausgezeichnet. Ihm wird der Preis am Dienstag Abend (21.08., 19 Uhr im Hotel Steigenberger Esplanade) überreicht.

Der Nachwuchswissenschaftler hat nach einem Master of Science in Developmental Neuropsychology an der Universität Essex/Großbritannien und einem Diplom in Psychologie an der Universität Hamburg an der Universität in Leipzig promoviert. Er forschte als Doktorand und Postdoc am Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig, lehrte als Dozent an der Uni Leipzig und wird ab November 2007 eine unabhängige Junior-Forschungsgruppe am Max-Planck-Insitut für Psycholinguistik in Nijmegen, Niederlande, leiten. Gegenwärtig beschäftigt er sich mit der Entstehung der menschlichen Kommunikation, der sozialen Kognition und der Kooperation mit Schwerpunkt auf der vorsprachlichen Entwicklung und soziokulturellen Unterschieden.

Mit verschiedenen Experimenten zur vorsprachlichen Kommunikation konnte Liszkowski zeigen, dass die kindliche Geste des Zeigens, wenn sie in einem Alter von ungefähr zwölf Monaten zum ersten Male erscheint, weit mehr beabsichtigt als nur auf einen Gegenstand zu deuten, den das Kind haben will. Seine Experimente belegten, dass die Kinder zudem auf Vorgänge zeigen, um Erfahrungen mit anderen zu teilen, oder auf Gegenstände, um anderen beim Suchen zu helfen.

Liszkowski sieht das Zeigen als einen vollständigen kommunikativen Akt, zu dem das Kind bereits in der Lage ist, bevor es beginnt, zu sprechen. "Es handelt sich um so genannte referentielle Kommunikation, die sich also auf etwas bezieht, das in der Umgebung ist", so der Forscher. "Und es ist ein erstaunlich komplexer Vorgang, der hohe Anforderungen an die kognitiven und kooperativen Fähigkeiten des Kindes stellt." Denn das Zeigen setzt voraus, dass das Kind Absichten und Einstellung anderer Menschen erkennt und ihre mentalen Zustände berücksichtigt, beispielsweise erkennt, ob es die Aufmerksamkeit anderer auf etwas lenken konnte. "Zwölf Monate alte Kinder verstehen bereits, dass andere etwas wissen oder nicht wissen können."

Bei Affen, die in der Wildnis leben, sei dieses Zeigen nicht vorhanden. "Diese Geste ist einzigartig menschlich", sagt Liszkowski. "Die Motivation, Erfahrungen zu teilen und etwas mit anderen Menschen gemeinsam zu machen - das ist die Grundlage, auf der Sprache entsteht. Sie ist aber schon vorhanden, bevor ein Kind spricht." Interessanterweise entwickelt sich das Zeigen bei Autisten, die große Probleme mit der Kommunikationsfähigkeit haben und häufig keine Sprache erwerben, ebenfalls atypisch. Dies stützt, so Liszkowski, die These, dass dem Zeigen in der menschlichen Entwicklung eine bedeutende Rolle zukommt.

Unter den Dissertationen auf dem Gebiet der Entwicklungspsychologie in Europa während der letzten vier Jahre, die der Jury zur Bewertung vorgelegt wurden, ist seine Doktorarbeit als die Beste ausgewählt worden. "Die Kriterien für unsere Entscheidung waren exzellente Publikationen, gut strukturierte Studien, erkenntnisreiche Analysen - und das kleine bisschen extra, das den Unterschied zwischen den Guten und dem Besten ausmacht", würdigt Laudator Professor Bente Wold, Universität Bergen/Norwegen, die Leistung des Nachwuchswissenschaftlers.

Der Namensgeber des Preises George Butterworth war einer der beiden Gründerväter der Europäischen Gesellschaft für Entwicklungspsychologie (ESDP). Er lehrte an verschiedenen britischen Universitäten, war eine international respektierte Autorität auf dem Gebiet der Entwicklung von Kindern und gründete sowohl die British Infancy Research Group als auch die Fachzeitschrift Developmental Science. An dem Wettbewerb um den nach ihm benannten Preis dürfen sich alle Nachwuchswissenschaftler bewerben, die in den letzten vier Jahren erfolgreich an einer europäischen Universität im Fach Entwicklungspsychologie promoviert wurden. Der Preis ist mit 500 Euro dotiert und der Preisträger wird zudem eingeladen, seine Forschungen mit einem Vortrag auf der Konferenz in Jena vorzustellen und im European Journal of Developmental Psychology zu publizieren. Der siegreiche Nachwuchswissenschaftler wird außerdem Mitglied der Jury, die den nächsten Preisträger auswählen soll.

Der George Butterworth Award wird alle zwei Jahre auf der bedeutendsten Tagung der europäischen Entwicklungspsychologen vergeben. Sie wird in diesem Jahr durch das Center for Applied Developmental Science (CADS) der Friedrich-Schiller-Universität Jena ausgerichtet.

Anke Müller | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus
21.09.2017 | MARUM - Zentrum für Marine Umweltwissenschaften an der Universität Bremen

nachricht 23. Baltic Sea Forum am 11. und 12. Oktober nimmt Wirtschaftspartner Finnland in den Fokus
21.09.2017 | Hochschule Stralsund

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

23. Baltic Sea Forum am 11. und 12. Oktober nimmt Wirtschaftspartner Finnland in den Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

6. Stralsunder IT-Sicherheitskonferenz im Zeichen von Smart Home

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

OLED auf hauchdünnem Edelstahl

21.09.2017 | Messenachrichten

Weniger (Flug-)Lärm dank Mathematik

21.09.2017 | Physik Astronomie

In Zeiten des Klimawandels: Was die Farbe eines Sees über seinen Zustand verrät

21.09.2017 | Geowissenschaften