Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zeitenwende im Arzneimittelhandel: Rabattverträge verändern ganze Branche

15.08.2007
PTI-Konferenz „Pharmavertrieb im Umbruch: Rabattverträge & Key Account Management“

Die Gesundheitsreform und die darin festgelegten Rabattverträge zwingen Arzneimittelhersteller, Pharmagroßhändler und Apotheken zum Umdenken: Zwar dürfen Krankenkassen schon seit längerem Verträge mit Arzneimittelherstellern über Preisnachlässe für Medikamente abschließen.

Doch erst das seit Anfang April geltende Gesetz zur Stärkung des Wettbewerbs unter den gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV-WSG) fordert nun auch von Ärzten und Apotheken, Arzneimittel zu verschreiben oder auszugeben, die in Rabattverträgen der Krankenkasse des jeweiligen Patienten enthalten sind.

Bereits Anfang Juni haben laut einem Bericht der Ärzte Zeitung 244 von 251 Krankenkassen Verträge über fast 16 000 verschiedene Handelsformen geschlossen. Zu den Folgen zählen neben geringeren Arzneimittelausgaben auch erste Versorgungsengpässe sowie Umsatzeinbußen bei etablierten Pharmaherstellern.

Wie Arzneimittelproduzenten, Pharmagroßhändler und Apotheker eine optimale Versorgung aller Patienten sicherstellen können, diskutieren Experten auf der PTI-Konferenz „Pharmavertrieb im Umbruch: Rabattverträge & Key Account Management“ am 7. und 8. November 2007 in Wiesbaden. Im Fokus der Vorträge stehen die neuen Anforderungen, die sich aus Rabattverträgen, neuen Kooperationsformen im Apothekenmarkt und einer Neuausrichtung des Außendienstes ergeben. Veranstalter ist das Pharmaceutical Training Institute (PTI), ein Geschäftsbereich der IIR Deutschland GmbH.

Die Allgemeine Ortskrankenkasse (AOK) ist nicht nur die erste Kasse, die Rabattverträge mit Pharmaherstellern geschlossen hat. Sie steht zudem an der Spitze der Bewegung neuer Ausschreibungen: Erst Anfang August startete sie eine neue Rabatt-Offerte, in der die pharmazeutischen Unternehmen die Möglichkeit haben, Angebote zu 82 Wirkstoffen abzugeben. Laut AOK-Bundesverband erreicht die Kasse damit ein Umsatzvolumen von 2,7 Milliarden Euro. Dieser Betrag mache bundesweit rund zwei Drittel der AOK-Ausgaben für Generika aus.

Über die Erfolge ihrer Generikaausschreibungen sowie über Verträge mit Originalherstellern spricht auf der Konferenz Rolf Plum von der AOK Rheinland/Hamburg. Auch die Barmer Ersatzkasse berichtet von ihren bisherigen Erfahrungen mit Rabattverträgen.

Kritik an den Ausschreibungen äußerte die Bundesvereinigung deutscher Apothekerverbände (ABDA). Immer wieder komme es aufgrund der Verträge zu Lieferengpässen, könnten Patienten nicht rasch genug mit Arzneimitteln versorgt werden. Die ABDA fordert daher, Antibiotika aus den Verträgen auszuschließen. Wie Apotheken damit umgehen, fortan nur bestimmte Medikamente ausgeben zu dürfen und ob und wie sie sich an Rabattverträgen beteiligen, darüber spricht Dr. Eckart Brauer, Referent des Hauptgeschäftsführers des ABDA.

Der Bundesverband pharmazeutischer Großhändler Phagro plädierte im Mai dieses Jahres dafür, das Prinzip der Vollversorgung durch einen herstellerneutralen Pharma-Großhandel als einzige Form des Medikamentenvertriebs in das Arzneimittelgesetz aufzunehmen. Nur so könne die Patientenversorgung durch die Apotheken weiter aufrechterhalten werden. Auf der PTI-Konferenz wird Ulrich von der Linde, stellvertretender Vorstandsvorsitzender von Phagro, das Prinzip der Vollversorgung erläutern.

Nach Aussage des Bundesgesundheitsministeriums habe die Gesundheitsreform dazu beigetragen, dass die Arzneimittelausgaben der Krankenkassen im ersten Halbjahr 2007 ohne Berücksichtigung der Mehrwertsteuer nur um rund drei Prozent gestiegen seien. Ohne Gesundheitsreform, so die Bundesregierung, läge der Kostenanstieg bei etwa neun Prozent. Über die Konsequenzen der Gesundheitspolitik für den Arzneimittelvertrieb sowie über Perspektiven der Pharmabranche informiert Silke Baumann vom Referat Arzneimittelversorgung des Ministeriums.

Über die Auswirkungen der Verträge auf den Generikamarkt berichtet Dr. Dietmar Buchberger, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Generikaverbandes.

In einer Podiumsrunde diskutieren die Referenten zudem, welche Erwartungen und Ziele sie mit künftigen Rabattverträgen verbinden.

Bislang war es einem Apotheker in Deutschland nur erlaubt, bis zu vier Filialen zu betreiben. Ob durch eine mögliche Liberalisierung des Marktes nun auch bald in Deutschland Apothekenketten entstehen, und welche Auswirkungen dadurch den Vor-Ort-Apothekern drohen, erläutert Rald Däinghaus, der Gründer und Vorstandsvorsitzende der Versandapotheke DocMorris.

Johannes Mönter, Inhaber der Sanicare-Gruppe und Vorsitzender des Bundesverbands Deutscher Versandapotheken (BVDVA), schildert mögliche Marketingkooperationen zwischen Versandapotheken und Drogerieketten.

In weiteren Vorträgen über innovative Außendienstkonzepte werden die zukünftige Rolle des Pharmaaußendienstes, neue Mitarbeiterprofile und Strategien für ein erfolgreiches Key Account Management vorgestellt.

Den Vorsitz der Konferenz hält Dr. Peter Blees, Leiter Gesundheitspolitik und Öffentlichkeitsarbeit, Merck Pharma.

In einem optionalen Workshop am 9. November zum Thema „Rabattverträge – Optionen für Generika- und Originalhersteller“ erhalten die Teilnehmer Leitlinien und Tipps zum Verhandeln von Rabattverträgen mit Krankenkassen.

Romy König | IIR Deutschland GmbH
Weitere Informationen:
http://www.iir.de
http://www.iir.de/pharma-vertrieb

Weitere Berichte zu: ABDA Gesundheitsreform Rabattvertrag Versandapotheke

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni
24.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

nachricht Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet
24.05.2017 | Deutsche Diabetes Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften