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Innovationen benötigen innovative Methoden

06.07.2007
  • Innovationsprozesse praktisch und theoretisch beleuchtet
  • Vernetzung und Kooperation von Wissenschaft und Unternehmen wichtig für Innovationen

Die Verkürzung der Innovationszeiten, immer kürzere Produktlebenszyklen und die hohe Geschwindigkeit, mit der neue Technologien entstehen, machen es notwendig, dass Unternehmen immer schneller neue Produkte entwickeln müssen.


Vertreter von Unternehmen und Hochschule stellten Beispiele für Innovationsmanagement in der Praxis vor: (v. l. n. r.) Andreas Brumby (Umicore), Univ.-Prof. Marion Weissenberger-Eibl (Uni Kassel), Dr. Jochen Ackermann (Degussa), Dr. Wulf Brämer (Heraeus) und Gastgeber Dr. Frank Heinricht (stellv. Vorsitzender der Geschäftsführung der Heraeus Holding GmbH).

Wie reagieren traditionsbewusste Technologiekonzerne der Region auf diese Herausforderung?

Antworten darauf gab eine gemeinsame Veranstaltung des Materialkompetenznetzwerks Materials Valley e. V., der Heraeus Holding GmbH und des Lehrstuhls für Innovations- und TechnologieManagement der Universität Kassel, die Ende Juni bei Heraeus in Hanau stattfand. Unter dem Titel “Innovationsmanagement in der Praxis” stellten Referenten von Degussa, Umicore und Heraeus praxisnahe Beispiele für Innovationsprozesse vor. Die Kasseler Univ.-Professorin Marion Weissenberger-Eibl vermittelte anhand zahlreicher Projektbeispiele Wissen auf dem Gebiet des Innovations- und Technologiemanagements. Rund 60 Führungskräfte, Geschäftsführer, Innovationsmanager, Leiter Forschung&Entwicklung, Verantwortliche für Wissensmanagement, Personalleiter und Strategieverantwortliche aus dem Rhein-Main-Gebiet nahmen an der Veranstaltung teil.

Innovationskultur und Wissensmanagement sind wichtig

„Bei einer Innovation kommt es auf das Zusammenspiel von Technik, Nutzung von Netzwerken, Marketing und Vertrieb an“, erläuterte Dr. Wulf Brämer, Leiter Innovationsmanagement bei der Heraeus Holding GmbH. In einem vielfältig aufgestelltem Unternehmen wie Heraeus mit dezentralen F&E-Abteilungen sei zudem eine Innovationskultur wichtig, bei der die Forscher und Entwickler der einzelnen Konzernbereiche über den Tellerrand der eigenen Entwicklungsprojekte hinausschauen und sich mit anderen Entwicklern regelmäßig austauschen. Technologie- und Entwicklertage, der Informationsaustausch in Wissensclustern und der seit 2003 jährlich ausgeschriebene interne Innovationspreis für herausragende Entwicklungen haben das Bewusstsein für Innovationen gestärkt, führte Brämer aus. Fakt sei aber auch, dass sich Heraeus im Hinblick auf die Globalisierung bei der Entwicklung innovativer Produkte nicht mehr nur auf Europa konzentrieren könne. So wie das Familienunternehmen seinen Kunden bereits mit Produktionsstätten vor Ort gefolgt sei, wird es zukünftig auch internationale Innovationszentren geben. “Unser Ziel ist es, das globale Innovationspotenzial besser zu nutzen. Lokale Innovationszentren helfen, neue Ideen zu erschließen und länderspezifische Ansprüche der Kunden noch besser erfüllen zu können”, so Wulf Brämer.

Für Andreas Brumby, Leiter Knowledge-Management bei der Umicore AG & Co. KG in Hanau-Wolfgang, ist Wissensmanagement eine Grundvoraus-setzung und der Katalysator für erfolgreiches Innovationsmangement. “Innovationen entstehen aus der Gesamtheit des Wissens eines Unternehmens, aus den verschiedenen Bereichen aus den verschiedenen Zeiten“, ist sich Brumby sicher. Der intensive Austausch von Wissen zwischen den Entwicklern steht bei Umicore daher ganz oben auf der Prioritätenliste. “Entscheidend ist, im Computerzeitalter auch die neuesten Informationstechniken zum Wissenstransfer und zur Bündelung des im Unternehmen und vor allem bei den Mitarbeitern vorhandenen Wissens zu nutzen”, erläuterte Andreas Brumby, “beispielsweise durch an Unternehmen angepasste Werkzeuge wie Wikipedia.” Ein Schwerpunkt der Arbeit ist aber das fast vergessene „Bibliothekarswissen“ in neue Datenbankstrukturen zu transferieren. Eindimensionale, hierarchische Ablagestrukturen sind nicht geeignet, Wissen wieder zu finden und verfügbar zu machen. Stattdessen ist eine mehrdimensionale Verschlagwortung mit Metadaten, oder neudeutsch „tags“, anzuwenden, ist seine Botschaft.

Projekthäuser und Technologievorhersagen im Blickpunkt

Forschung, Entwicklung und Innovationen sind Schlüsselelemente zur Sicherung des nachhaltigen Wachstums der Degussa GmbH. Seit dem Jahr 2000 geht das Spezialchemieunternehmen in Hanau-Wolfgang mit so genannten Projekthäusern u. a. zu Nanomaterialien, Biotechnologie, Katalysatortechnik und Polymeren einen Erfolg versprechenden neuen Weg zur Erzeugung innovativer Produkte. Dr. Jochen Ackermann, Leiter des neuesten Projekthauses “Functional Films & Surfaces” bei der Degussa GmbH, stellte das Projekthaus-Konzept vor. “Outside the Box – raus aus dem Tagesgeschäft lautet unser Motto. Unsere Innovationen entstehen gewissermaßen im Container”, veranschaulichte Ackermann. Für die Projekthäuser werden 20 bis 30 Wissenschaftler aus verschiedenen Geschäftsbereichen des Konzerns zu einem interdisziplinär arbeitenden Team vereint, das sich dann drei Jahre ausschließlich mit einem speziellen Themenschwerpunkt befassen kann. “Unser Ziel ist es, aus dieser intensiven Zusammenarbeit innovative Produkte zu kreieren, aus denen sich vielleicht sogar neue Geschäftsfelder entwickeln.” Aus den bisher sieben Projekthäusern gingen beispielsweise neue Nanomaterialien für die Bearbeitung von Glaslinsen und eine neue Synthesemöglichkeit für die Grundchemikalie Wasserstoffperoxid hervor.

“Innovationen und deren Umsetzung sind eine entscheidende Voraussetzung, um im Wettbewerb auf den weltweiten Märkten als Unternehmen langfristig bestehen zu können. Eine genaue Analyse und Verbesserung von Innovationsprozessen in Unternehmen kann hierbei der Schlüssel zum Erfolg sein”, sagte Univ.-Professorin Marion Weissenberger-Eibl vom Lehrstuhl “Innovations- und TechnologieManagement” der Universität Kassel. Der in Hessen einmalige Lehrstuhl wirkt an der Schnittstelle von Betriebswirtschaft und Technologie und versteht die Vernetzung und Kooperation von Wissenschaft und Unternehmenspraxis als strategische Leitlinie. So hilft der Lehrstuhl bei der Erstellung von Roadmaps zur proaktiven Produktentwicklung oder entwickelt gemeinsam mit Unternehmen Handlungsempfehlungen bei Innovationsprozessen. Einen einheitlichen Lösungsansatz für Innovationsprozesse gebe es zwar nicht, aber entscheidend sei zunächst, im Unternehmen die richtigen Akteure zusammenzubringen, Kompetenzen zu bündeln und die Vernetzung der Experten zu intensivieren. “Der Mensch ist als Wissensträger der wichtigste Faktor, um Innovationen zu kreieren. Die Evaluierung und Entwicklung von Methoden zur Technologievorhersage gewinnt darüber hinaus immer mehr an Bedeutung für Unternehmen, um frühzeitig, schnell und kundennah auf Technologiesprünge, Trends und Veränderungen mit neuen Produkten reagieren zu können”, betonte Marion Weissenberger-Eibl abschließend.

Der Edelmetall- und Technologiekonzern Heraeus mit Sitz in Hanau ist ein weltweit tätiges Familienunternehmen, dessen Geschäftsfelder die Bereiche Edelmetalle, Sensoren, Dental- und Medizinprodukte, Quarzglas und Speziallichtquellen umfas-sen. Mit einem Umsatz von über 10 Mrd. € und weltweit mehr als 11.000 Mitarbeitern in über 100 Gesellschaften ist Heraeus seit mehr als 155 Jahren ein weltweit anerkannter Edelmetall- und Werkstoffspezialist.

Weitere Informationen:
Heraeus Holding GmbH
Dr. Jörg Wetterau
Manager Technologiekommunikation
Konzernkommunikation
Tel: +49-6181-35 5706
Fax: +49-6181-35 4242
e-Mail: joerg.wetterau@heraeus.com

Dr. Jörg Wetterau | Heraeus Holding GmbH
Weitere Informationen:
http://www.heraeus.com

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