Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Vitamin-B- und Folsäure-Mangel im Visier

23.05.2007
400 Experten aus über 40 Ländern treffen sich zum Weltkongress "Hyperhomocysteinämie" vom 5. bis 9. Juni 2007 in der Congresshalle Saarbrücken. Schirmherr ist Wissenschaftsminister Jürgen Schreier. Die wissenschaftliche Leitung hat Prof. Dr. Wolfgang Herrmann, Universitätsklinikum des Saarlandes, Homburg/Saar.

Vom 5. bis 9. Juni 2007 treffen sich auf Einladung von Professor Dr. Wolfgang Herrmann, Direktor der Klinischen Chemie und Laboratoriumsmedizin des Universitätsklinikums des Saarlandes, rund 400 Experten aus über 40 Ländern - darunter die USA, nahezu alle Europäischen Länder, Australien, Neuseeland, Arabische Länder, Türkei, China, Korea, Japan, Taiwan, Russland - zu einem Weltkongress in Saarbrücken, um sich über neue Erkenntnisse von Stoffwechselstörungen, der so genannten Hyperhomocysteinämie, auszutauschen.

Die Folge von Vitamin-B- und Folsäure-Mangel sind erhöhte Homocystein-Werte. Homocystein gilt in Fachkreisen als das neue Cholesterin und wird als Risikofaktor für eine Reihe von Erkrankungen, darunter neurodegenerative, Gefäß- und Herz-Kreislauferkrankungen angesehen.

Ist der Homocystein-Wert im Blut erhöht, steigt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Thrombosen, Schlaganfall, für atherosklerotische Gefäß- und neurodegenerative Erkrankungen, wie kognitive Störungen, Depressionen oder Alzheimer Demenz, aber auch für osteoprotische Knochenbrüche oder für Komplikationen in der Schwangerschaft. Hyperhomocysteinämie kann darüber hinaus auch mit einem erhöhten Tumorrisiko assoziiert sein.

Beim Homocystein handelt es sich um eine schwefelhaltige, nicht in der Nahrung vorkommende Aminosäure. Sie entsteht als Zwischenprodukt des Zellstoffwechsels beim Abbau von Methionin zu Cystein. Ist der Methionin-Stoffwechsel aufgrund eines Enzym- und/oder Vitaminmangels (Folsäure, Vitamin B12, B6) gestört, reichert sich Homocystein verstärkt im Blutplasma an (Hyperhomocysteinämie) und auch im Urin ist eine erhöhte Ausscheidung des Oxidationsproduktes Homocystin feststellbar (als Homocystinurie bezeichnet).

Auf dem Gebiet der Erforschung der Hyperhomocysteinämie ist die Abteilung für Klinische Chemie uns Laboratoriumsmedizin des Universitätskliniums des Saarlandes weltweit anerkannt. Neben den Aufgaben eines Zentrallabors bezüglich Routinediagnostik für die Patientenversorgung aller Kliniken des Campus ist die Forschungsgruppe um Prof. Dr. Wolfgang Herrmann auf die Erforschung der Zusammenhänge zwischen hohem Homocystein im Blutplasma und dem Auftreten von degenerativen Erkrankungen spezialisiert, wie Herzinsuffizienz, koronarer Herzkrankheit, neurodegenerative Erkrankungen, kognitive Störungen, Osteoporose, oder Schwangerschaftskomplikationen. Die Ergebnisse der Forschungen zum Thema Hyperhomocysteinämie wurden bislang in über 100 medline gelisteten Publikationen mitgeteilt. "Die Ergebnisse unserer Homocystein-Forschungen sind für immer mehr Menschen, vor allem ältere Menschen, von außerordentlicher Bedeutung", betont Professor Dr. Wolfgang Herrmann, der sich auch als Mitbegründer und stellvertretender Vorsitzender in der DACH-Liga-Homocystein e.V. für die Erstellung von Richtlinien im Bereich Diagnostik, Therapie und Prävention der Stoffwechselstörung und deren Folgeerkrankungen einsetzt.

Erhöhte Konzentrationen von Homocystein werden bei 5 bis 10 Prozent der Allgemeinbevölkerung und bei bis zu 40 Prozent der Patienten mit Gefäßerkrankungen gemessen. Eine Konzentration von bis zu 10 µmol/l (mikro-Mol pro Liter) gilt als unbedenklich, bis zu 12 µmol/l sind bei ansonsten gesunden Menschen noch tolerierbar. Steigt der Wert aber über 12 µmol/l, sollte eine Therapie erfolgen.

Besonders ältere Menschen leiden häufig an Hyperhomocysteinämie, die durch einen Mangel an B-Vitaminen (Folsäure, B-12, B-6) wie auch gestörter Nierenfunktion verursacht wird. In Therapiestudien konnte Prof. Dr. Wolfgang Herrmann bei Nierenpatienten durch die Gabe pharmakologischer Dosen von B-Vitaminen das Homocystein im Blutplasma normalisieren.

Hyperhomocysteinämie und Vitamin B-12-Mangel stehen bei älteren Menschen mit verminderter kognitiver Leistung im Zusammenhang. "Es steht heute außer Zweifel, dass Hyperhomocysteinämie ein wichtiger Risikofaktor für die Minderung kognitiver Leistungen im Alter wie auch für die Entwicklung von Altersdemenz ist. In eigenen Studien in Zusammenarbeit mit der Reha-Klinik St. Ingbert, Saarland, konnten wir demonstrieren, dass mit intensivierter B-Vitaminbehandlung Leistungsverbesserungen in verschiedenen kognitiven Scores möglich sind", betont Prof. Dr. Wolfgang Herrmann.

Hyperhomocysteinämie ist aber auch Risikofaktor für die Entwicklung osteoporotischer Frakturen und Vitamin B12-Mangel für die Entwicklung von Osteopenie. In Zellkulturexperimenten mit Osteoklasten und Osteoblasten untersucht die Forschergruppe um Prof. Dr. Wolfgang Herrmann die molekularen Mechanismen der zellschädigenden Wirkungen einer Hyperhomocysteinämie. In klinischen Studien wird untersucht, inwieweit sich mit sog. Knochenmarkern ein vermehrter Knochenabbau bei Hyperhomocysteinämie nachweisen lässt und ob Vitaminbehandlung ein signifikanten Einfluss auf den Knochenstoffwechsel hat.

"Der genügenden Aufnahme von Vitamin B-12 ist gerade im Alter besondere Beachtung zu schenken, denn es sind häufig ältere Menschen oder Vegetarier, die leicht einen Vitamin B-12 Mangel entwickeln", betont Professor Herrmann. Tierische Nahrungsmittel (Fleisch, Eier, Milchprodukte) oder Fisch sind die Vitamin B12-Quellen unserer Ernährung. Vitamin B6 und B9 (Folat) sind besonders in Getreide, Kartoffeln, Obst und Gemüse, Fleisch, Leber oder Milch vorhanden.

Besonders auch Schwangere und Stillende, Personen mit Magen-Darm-Erkrankungen und Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes sowie Raucher und Alkohol-Konsumenten müssen auf ausreichende B-Vitamin-Zufuhr achten, so die Empfehlung von Experten. Zur Vorbeugung eines Folatmangels sollte man fünf Portionen frisches Obst und Gemüse am Tag zu sich zu nehmen und die Nahrung schonend zuzubereiten (nicht zu stark erhitzen, nicht wässern, da sonst ein großer Teil des Folats verloren geht). Jedoch reicht die gemüse- wie obstreiche Kost sehr häufig nicht aus, um die Versorgung mit B-Vitaminen und hier allem Folat zu decken, so dass eine Supplementation mit B-Vitaminen wichtig ist. Aufgrund unseres Lebensstils haben wir beispielsweise eine Unterversorgung mit Folat, die über eine Vitaminsupplementation vermeidbar ist.

In weiteren Projekten hat die Homburger Forschergruppe auch die Bedeutung des Vitamin B-12-Status der Mutter für die Entwicklung des heranwachsenden Föten untersucht. In den USA und in Kanada ist beispielsweise ein Folsäurezusatz (Vitamin B9) zu Getreideprodukten gesetzlich vorgeschrieben. Dadurch hat sich in diesen Ländern die Versorgung mit dem Vitamin enorm verbessert. Messbar ist das an der abnehmenden Zahl von Kindern mit einem Neuralrohrdefekt, wie beispielsweise einer Form von Spina bifida, einer Anenzephalie oder einer Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte. Seit man dem Mehl obligatorisch Folsäure zusetzt, werden in diesen Ländern nur noch etwa halb so viele Kinder mit derartigen Fehlbildungen geboren.

Für Fragen steht Ihnen gerne zur Verfügung:

Prof. Dr. Wolfgang Herrmann, Tel. (06841) 16 30700, Fax (06841) 16-30703,
E-Mail: prof.wolfgang.herrmann@uniklinikum-saarland.de
contact@homocystein-conference.org

Saar - Uni - Presseteam | idw
Weitere Informationen:
http://www.homocysteine-sonference.org
http://www.uniklinikum-saarland.de/de/einrichtungen/kliniken_institute/zentrallabor

Weitere Berichte zu: Homocystein Hyperhomocysteinämie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel
02.12.2016 | Münchner Kreis

nachricht Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen
01.12.2016 | Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie