Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wir wollen das Zusammenspiel der Gene verstehen

14.05.2007
Internationaler Kongress zur komplexen Genetik am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung

Wie beeinflussen sich die Gene in einem Organismus gegenseitig? Welche Rolle spielen dabei Umwelteinflüsse? Und lässt sich dieses komplexe Zusammenspiel irgendwann vollständig am Computer simulieren? Solchen Fragen widmet sich ein Forschungszweig, der gerade im Entstehen ist: Die komplexe Genetik.

Internationale Fachleute dieser Disziplin kommen vom 26. bis 29. Mai 2007 an das Braunschweiger Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung. Dort werden sie beim 6. Jahrestreffen des "Complex Trait Consortium - CTC" ("Konsortium zur Untersuchung komplexer vererbter Eigenschaften") neue Erkenntnisse austauschen und Forschungsaktivitäten aufeinander abstimmen.

Zwischen dem Beginn der genetischen Forschung vor 150 Jahren und der heutigen komplexen Genetik liegen Welten. "Der Mönch Gregor Mendel erkannte die Grundgesetze der Vererbung, indem er mit Erbsen experimentierte, die entweder weiß oder rot blühten", so der Organisator der Treffens, Helmholtz-Forscher Prof. Klaus Schughart: "Die weißen oder roten Erbsenblüten erklärte er mit der Ausprägung eines einzelnen Gens. Das half den Forschern auf die richtige Fährte - aber heute wissen wir, dass es viel komplizierter ist."

... mehr zu:
»Gen »Genetik

Was Mendel als Gen bezeichnete, erkennen Biologen heute als komplexes Netzwerk. Eine Vielzahl verschiedener Bereiche auf den Erbanlagen sorgt im Zusammenspiel dafür, dass die Blüten farbig sind. Für die Körpermerkmale von Tier und Mensch gilt das Gleiche. So werden die wenigsten Krankheiten des Menschen durch eine einzelne Genmutation ausgelöst. "Gerade in der Infektionsforschung spielen Gennetzwerke eine große Rolle", stellt Schughart den Bezug zu seiner Arbeit her: "Ob wir empfindlich oder unempfindlich auf den Angriff von Bakterien oder Viren reagieren, bestimmt eine ganze Armada von Genen und ihrer individuellen Varianten." Welche das sind und wie sie sich gegenseitig steuern, lässt sich nicht am Menschen untersuchen. Die Wissenschaftler arbeiten daher mit Mäusen.

"Mit Hilfe der Gentechnik können wir heute Mausstämme züchten, in denen ein bestimmtes Gen ganz, teilweise oder gar nicht angeschaltet ist", beschreibt Schughart das Vorgehen. Dadurch lässt sich der Einfluss des Gens - zum Beispiel auf die Empfindlichkeit gegenüber einem Krankheitserreger - sehr detailliert untersuchen. "Wenn man dann zusätzlich zu dem veränderten Gen den genetischen Hintergrund variiert, bekommen wir Hinweise darauf, wie verschiedene Erbanlagen sich gegenseitig beeinflussen und steuern."

Ein einzelner Forscher, ja selbst ein ganzes Forschungsinstitut kann diese Herkulesaufgabe nicht bewältigen - nur internationale Zusammenarbeit verspricht Erfolg. Deshalb haben Komplex-Genetiker aus aller Welt das Complex Trait Consortium gegründet. Bei ihrer Zusammenkunft in Braunschweig wollen die Forscher aus Deutschland, Großbritannien, Japan und den USA beraten, wie sie gemeinsam dem vermeintlichen Wirrwarr in unseren Genen auf die Schliche kommen. Schughart: "Ich freue mich, dass wir die Kooperation zum Laufen bekommen haben - damit wir nicht noch mal 150 Jahre warten müssen, bis wir das Zusammenspiel der Gene verstehen."

Hannes Schlender | idw
Weitere Informationen:
http://www.helmholtz-hzi.de
http://www.complextrait.org/

Weitere Berichte zu: Gen Genetik

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Poseidon goes Politics – Wer oder was regiert die Ozeane?
27.02.2017 | Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT)

nachricht Fachtagung Rapid Prototyping 2017 – Innovationen in Entwicklung und Produktion
27.02.2017 | Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie Proteine Zellmembranen verformen

Zellen schnüren regelmäßig kleine Bläschen von ihrer Außenhaut ab und nehmen sie in ihr Inneres auf. Daran sind die EHD-Proteine beteiligt, die Professor Oliver Daumke vom MDC erforscht. Er und sein Team haben nun aufgeklärt, wie sich diese Proteine auf der Oberfläche von Zellen zusammenlagern und dadurch deren Außenhaut verformen.

Zellen schnüren regelmäßig kleine Bläschen von ihrer Außenhaut ab und nehmen sie in ihr Inneres auf. Daran sind die EHD-Proteine beteiligt, die Professor...

Im Focus: Safe glide at total engine failure with ELA-inside

On January 15, 2009, Chesley B. Sullenberger was celebrated world-wide: after the two engines had failed due to bird strike, he and his flight crew succeeded after a glide flight with an Airbus A320 in ditching on the Hudson River. All 155 people on board were saved.

On January 15, 2009, Chesley B. Sullenberger was celebrated world-wide: after the two engines had failed due to bird strike, he and his flight crew succeeded...

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Poseidon goes Politics – Wer oder was regiert die Ozeane?

27.02.2017 | Veranstaltungen

Fachtagung Rapid Prototyping 2017 – Innovationen in Entwicklung und Produktion

27.02.2017 | Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Herz-Untersuchung: Kontrastmittel sparen mit dem Mini-Teilchenbeschleuniger

27.02.2017 | Medizintechnik

Neue Maßstäbe für eine bessere Wasserqualität in Europa

27.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wenn der Schmerz keine Worte findet - Künstliche Intelligenz zur automatisierten Schmerzerkennung

27.02.2017 | Medizintechnik