Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Europäische Tagung: REACH bringt neue Impulse für Gefahrstoff-Grenzwerte am Arbeitsplatz

09.05.2007
Einfach wie im Straßenverkehr ...
REACH bringt neue Impulse für Gefahrstoff-Grenzwerte am Arbeitsplatz


Im Rahmen der deutschen EU-Ratspräsidentschaft fand am 7. und 8. Mai in der DASA in Dortmund die Konferenz "Grenzwerte für Gefahrstoffe - Gesunde Arbeitsbedingungen in der globalen Wirtschaft" des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) statt. Über 200 Experten, davon fast die Hälfte aus dem europäischen Ausland, diskutierten intensiv über Möglichkeiten, um die Sicherheit und Gesundheit von Beschäftigten bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen zu verbessern. Im Mittelpunkt stand die neue EU-Chemikalienverordnung REACH, die am 1. Juni dieses Jahres in Kraft tritt.
In ihrer Eröffnungsrede forderte Cornelia Fischer, Leiterin der Abteilung "Arbeitsschutz, Arbeitsrecht" im BMAS, dass die Anwendung der Gefahrstoffverordnung in den Betrieben so einfach und eindeutig sein muss wie die Straßenverkehrsverordnung. Die eigenständige Ableitung von Schutzmaßnahmen überfordere viele Klein- und Mittelbetriebe.

Dafür wurden verschiedene Ursachen genannt. So gibt es bislang lediglich für einen Bruchteil der am Arbeitsplatz eingesetzten chemischen Stoffe rechtlich verbindliche Grenzwerte. Zudem sind innerhalb der EU unterschiedliche, voneinander abweichende nationale Grenzwerte gültig.

Mit REACH lässt sich diese Situation verbessern, lautete der Tenor der Tagung. REACH bietet eine ganze Reihe neuer Kommunikationswerkzeuge, die die Gefährdungsbeurteilung am Arbeitsplatz erleichtern. Dazu gehört unter anderem der neue "REACH-Grenzwert" DNEL (Derived No Effect Level) als Maßstab für den Schutz von Beschäftigten und Verbrauchern vor chemischen Stoffen.

Antonis Angelidis, Generaldirektion "Beschäftigung" der Europäischen Kommission, wies darauf hin, dass die Arbeitsplatzgrenzwerte der EU grundsätzlich die Schwelle zwischen Sicherheit und chemischer Gefährdung markieren. Den gleichen Ansatz verfolgten die DNEL. Auch aufgrund der Vielzahl der durch REACH erfassten Stoffe müssten jedoch noch praktische Erfahrungen mit diesem neuen Werkzeug gesammelt werden.

Bislang fehlt jedoch ein organisatorischer Rahmen für eine Verzahnung der Gremien im Arbeitsschutz und den Experten der Industrie, die unter REACH zukünftig DNEL ableiten. Tony Musu, Europäisches Gewerkschaftsbüro für Forschung, Bildung, Sicherheit und Gesundheit (ETUI-REHS), sprach sich für die Notwendigkeit einer sorgfältigen Abstimmung von REACH mit dem europäischen Arbeitsschutzrecht aus. Dabei dürfe die im Arbeitsschutzrecht verankerte Rangfolge: Substitution - Technik - Organisation - Persönliche Schutzausrüstung nicht verloren gehen.

Insgesamt waren sich die Teilnehmenden darüber einig, dass zu viele und stark unterschiedliche Werte für einen Stoff vermieden werden sollten. Als wichtige Punkte wurden eine Standardisierung der Verfahren zur Ableitung sowie die Nutzung der langjährigen Erfahrung von wissenschaftlichen Gremien zur Grenzwertsetzung genannt. Besondere Anstrengungen sind notwendig, um die Vielzahl der unter REACH zu behandelnden Stoffe in kurzer Zeit bewältigen zu können. Hierzu bedarf es einer Kultur der Risikokommunikation zwischen allen Beteiligten. Doch Grenzwerte allein verbessern nicht den Schutz der Beschäftigten. Damit sie ihre Wirkung in allen Betrieben, die Chemikalien verwenden, entfalten können, müssen Grenzwerte in Maßnahmen zur Risikominderung und Vorschläge für eine gute Arbeitspraxis umgesetzt werden.

Die Beiträge der Tagung werden in Kürze auf die BAuA-Homepage http://www.baua.de eingestellt


URL dieser Pressemitteilung: http://idw-online.de/pages/de/news208010

Jörg Feldmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.baua.de

Weitere Berichte zu: DNEL REACH

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden
19.10.2017 | Technische Universität Kaiserslautern

nachricht Mobilität 4.0: Konferenz an der Jacobs University
18.10.2017 | Jacobs University Bremen gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mobilität 4.0: Konferenz an der Jacobs University

18.10.2017 | Veranstaltungen

Smart MES 2017: die Fertigung der Zukunft

18.10.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Gravitationswellen: Sternenglanz für Jenaer Forscher

19.10.2017 | Physik Astronomie

Materie-Rätsel bleibt weiter spannend: Fundamentale Eigenschaft von Proton und Antiproton identisch

19.10.2017 | Physik Astronomie

Einzelne Rezeptoren auf der Arbeit

19.10.2017 | Biowissenschaften Chemie