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Mit „Anorak-Fäden“ gegen „Segelohren“

30.04.2007
Abstehende Ohren: Hightech nimmt Eltern Angst vor OP
16. Mai 2007, 11.00 Uhr,
Raum 0131, EG, Gasteig Kulturzentrum, München.

„Hilfe, mein Kind hat Segelohren!“: Abstehende Ohren können Kinder in schwere emotionale Probleme stürzen. Für Eltern ist es dagegen oft ein Schock, wenn sie sich für oder gegen eine Operation zum Anlegen der Ohren entscheiden sollen – sie fürchten Narben und Komplikationen. Hightech aus der Medizin erleichtert jetzt die Entscheidung: Neues Nahtmaterial aus Gore-Tex® – wie man es von Fitnesskleidung kennt, nur sehr viel dünner – sowie schonende Operationstechniken machen das Anlegen der Ohren bei Kindern sicher wie nie zuvor. 2.000 HNO-Ärzte diskutieren unter anderem darüber bei der 78. Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft für HNO-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie e.V. vom 16. bis 20. Mai im Münchner Kulturzentrum Gasteig.

Etwa fünf Prozent der Deutschen haben abstehende Ohren. „Fliegerohren“, „Dumbo“, „Segelohren“: Das sind noch die harmloseren Hänseleien, mit denen die Betroffenen zu kämpfen haben. Das muss nicht sein, denn ihnen kann nun so sicher und schonend wie nie zuvor geholfen werden. Möglich machen das neueste OP-Techniken und Hightech-Fäden. „Die Nähte sind durch neuartige Materialien wie sehr feine Fäden aus Gore-Tex® wesentlich besser verträglich“, sagt Professor Dr. Alexander Berghaus, Direktor der Münchner Universitäts-HNO-Klinik. Gore-Tex® kennen viele nur als Material für atmungsaktive Textilien. Doch Mediziner, die beim Ohrenanlegen mit einer Kombination aus Schnitt-, Ritz-, und Nahttechniken arbeiten, profitieren von diesem Hightech-Material ebenso wie die Patienten. Das Risiko für Komplikationen wie zum Beispiel eine dauerhafte Entstellung durch Knicke und Falten oder Gefühlsminderung der Ohrmuschel wird auch durch schonendere Operationstechniken deutlich geringer.

Eine operative Korrektur der Fehlstellung ist bis zum Alter von zehn Jahren besonders gut möglich, weil der Ohrknorpel noch weich, elastisch und leicht verformbar ist. In der Regel wird die Fehlstellung deshalb im Vorschulalter behoben. Die Sorge, dass bei der Operation etwas schief gehen könnte, lässt viele Eltern aber mit der Entscheidung zögern. Sie haben Angst vor Komplikationen und sichtbaren Narben, andererseits wollen sie für die Entwicklung ihrer Kinder das Beste. Die neuen Operationstechniken und Nahtmaterialien erleichtern jetzt die Entscheidung.

Von abstehenden Ohren sprechen Mediziner, wenn der Abstand der Ohrkante zum Schädel mehr als 18 Millimeter beträgt. Ein verbindliches Messverfahren, das leichte von schweren Fehlstellungen unterscheiden lässt, gibt es derzeit allerdings nicht.

Ein weiteres brisantes Thema, das auf der Tagung behandelt wird, ist die plastische Chirurgie der Nase. Die anspruchsvolle Disziplin muss Funktion und Ästhetik stets in Einklang bringen. „Funktionserhalt bei Verlust an Ästhetik ist doch nur der halbe Sieg“, betont Professor Dr. Alexander Berghaus, der Münchner Tagungspräsident.

Die 78. Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e. V. vom 16. bis 20. Mai 2007 im Gasteig Kulturzentrum München steht unter dem Motto „Ästhetik trifft Funktion“. Zugleich findet der 7. HNO-Pflegetag und die 6. Jahrestagung der Deutschen Akademie für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e. V. statt, ebenso (vom 17. bis 19. Mai) das International Forum „Plastic and Reconstructive Surgery of the Head and the Neck“.

Die wissenschaftliche Leitung der Jahresversammlung hat Prof. Dr. Alexander Berghaus, Direktor der Universitäts-HNO-Klinik München.

Die rund 2.000 Teilnehmer der Jahresversammlung aus dem In- und Ausland erwarten 675 Fachbeiträge. Wichtige Themen sind die funktionelle und ästhetische Chirurgie der Nase und des Ohrs, die Traumatologie des Gesichtsschädels mit den aktuellen Entwicklungen bei der Nahttechnik sowie hörverbessernde Operationen und die Behandlung von Tumoren.

Philipp Kreßirer | Klinikum der Universität München
Weitere Informationen:
http://www.hno.org
http://www.klinikum.uni-muenchen.de

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