Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bio für alle!

23.03.2007
Bioindustrie passt Produktpalette an den konventionellen Kunden an. Forscherin der Universität Hohenheim sieht die Gefahr, dass dadurch die Verpackung wichtiger wird als der Inhalt.

Bio liegt voll im Trend: Das Müsliimage ist abgestreift, Bio ist gesellschaftsfähig geworden. Fast jeder Verbraucher hatte schon einmal Bioprodukte im Einkaufswagen - Tendez steigend. Das mag an der breiten Produktpalette von Bioprodukten liegen, die in den Regalen von Biosupermärkten, Einzelhandel und Discountern angeboten wird. Von Biobananen über Fruchtjoghurts, Pizza und tiefgekühltes Gemüse ist nahezu alles mit dem Siegel BIO zu haben. Das macht viele Verbraucher glücklich. Die eigentliche Botschaft der Bioprodukte tritt dabei deutlich in den Hintergrund.

Noch bis 23. März beschäftigen sich 600 Experten mit allen Facetten des Ökomarktes und Ökolandbaus. Globalisierungsthemen, wie das der neuen Rolle Chinas im Ökomarkt, die internationale Armutsbekämpfung durch Ökolandbau, aber auch Bioenergie, Pflanzenbau, Tierhaltung und allgemeine Agrarpolitik stehen auf der Tagesordnung. Nachhaltigkeit - über die ganze Kette vom Anbau über Lebensmittelverarbeitung und -handel bis hin zur Verbraucherforschung - ist zentrales Thema der zeitgleich stattfindenden Jahrestagung des EU-Projekts Quality Low Input Food (QLIF).

Artgerechte Tierhaltung, Lebensmittel frei von Pestizid- und Antibiotikarückständen, Natürlichkeit und das Gefühl, etwas Gutes für seinen Körper getan zu haben, das sind einige Gründe, warum Menschen Bioprodukte einkaufen. Die Erwartungen an die Bioindustrie und Lebensmittelketten gehen heute jedoch weiter: Der Verbraucher möchte eine breite Palette an Bio-Waren, die am Besten überall zur Verfügung stehen. Streng kontrolliert und mit hoher Qualität. "Die Bioindustrie hat den Trend erkannt und sich auf die Wünsche der Konsumenten eingestellt", sagt Dr. Simone Helmle vom Fachgebiet Landwirtschaftliche Kommunikations- und Beratungslehre der Universität Hohenheim. "Den Verbrauchern steht eine breitere Produktpalette zur Verfügung. Kaum ein Lebensmittelgeschäft kann es sich noch leisten, keine Bioprodukte anzubieten."

... mehr zu:
»Bioprodukt »Ökolandbau

Bio boomt, Bio ist erreichbar geworden. Obwohl die meisten Menschen mit Bio sympathisieren, gelegentlich ein Produkt kaufen, werden jedoch etwa zwei Drittel des gesamten Umsatzes mit Bio-Lebensmitteln von nur acht Prozent der Bevölkerung getätigt. "Das sind Verbraucher, die seit Jahren aus tiefer Überzeugung biologische Lebensmittel kaufen", erklärt Dr. Helmle. "Diese Menschen haben eine starke Bindung an Bio-Lebensmittel, die nicht nur ein gutes Gefühl geben, sondern auch Authentizität widerspiegeln. Der Bioladen kann als ein Ort gesehen werden, der die Natur ins Wohnumfeld bringt." Aber ein andere Typ "Verbraucher" ist auf dem Vormarsch: Während er früher nur gelegentlich nach den Lebensmitteln griff, die generell für gesünder gehalten werden, hat sich sein Konsumverhalten durch die Veränderung des Bioangebotes verändert. "Leider vergessen die Menschen dabei, worum es bei Bio eigentlich geht. Trend und Lifestyle fragen nur oberflächlich nach den Botschaften von Bio." Der Markt entwickle sich in eine Richtung, wo es um das Produkt an sich geht. Ganzheitlichkeit, ethische Fragen und die Vorzüglichkeit für die Umwelt, die bei der Erzeugung der Produkte so wichtig sind, geraten bei der Vermarktung aus dem Blickfeld.

Vor allem in einer Zeit mit großen Lebensmittelskandalen kann die Industrie auf die innovativen Ideen des Biolandbaus nicht verzichten. Persönliche Netzwerke und strenge Kontrollen und sind zwei Instanzen, die im Ökolandbau für hervorragende Qualität sorgen und Schindludereien verhindern. Trotz der weltweiten Vernetzung im Handel, die auch für den Ökolandbau gilt, gelingt es in vielen Fällen Herkunft und Verarbeitung der Produkte nachvollziehbar zu gestalten.

Eine hundertprozentige Abdeckung mit Bioprodukten in allen Lebensbereichen ist utopisch. Zwar steigt derzeit der Umsatz von Biolebensmitteln trotz eines gesättigten Marktes rapide an, die Verbraucher kommen mit dem derzeitigen Nebeneinander konventioneller und biologischer Ware gut zurecht und es gilt, den Biomarkt weiter auszubauen. So sieht es auch Dr. Helmle: "Ideal wäre es, wenn es selbstverständlich wäre, dass wir Bioprodukte kaufen können. In den Supermärkten funktioniert dies mittlerweile, geht es aber um einen Imbiss auf der Durchreise, kleine Snacks oder um das Mittagessen in der Mensa oder Kantine, wird uns die Wahl zwischen Bio und Nicht-Bio vorenthalten." Freie Wahlentscheidung sei in dieser Hinsicht sehr wichtig und spiegelt die Pluralität unserer Gesellschaft.

Hintergrund:

Fachgebiet Landwirtschaftliche Kommunikations- und Beratungslehre, Prof. Dr. Volker Hoffmann

Als eine angewandte Sozialwissenschaft umfasst das Fachgebiet die Arbeitsfelder Informations-, Wissens- und Innovationsmanagement. Die Forschungsprojekte behandeln unter anderem die Wahrnehmung von Umweltproblemen, Entscheidungsverhalten, bäuerliche Lebenswelten und den Einfluss von Bildung und Beratung sowie deren künftige Gestaltung.

Fachgebiet Landwirtschaftliche Kommunikations- und Beratungslehre:
www.uni-hohenheim.de/i430a/index2.html
Kontaktadresse:
Dr. sc. agr. Simone Helmle, Universität Hohenheim, Fachgebiet Landwirtschaftliche Kommunikations- und Beratungslehre

Tel.: 0711 459-22650; E-Mail: helmle@uni-hohenheim.de

Florian Klebs | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-hohenheim.de/

Weitere Berichte zu: Bioprodukt Ökolandbau

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Aachener Optiktage: Expertenwissen in zwei Konferenzen für die Glas- und Kunststoffoptikfertigung
19.02.2018 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT

nachricht Konferenz "Die Mobilität von morgen gestalten"
19.02.2018 | Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Im Focus: Demonstration of a single molecule piezoelectric effect

Breakthrough provides a new concept of the design of molecular motors, sensors and electricity generators at nanoscale

Researchers from the Institute of Organic Chemistry and Biochemistry of the CAS (IOCB Prague), Institute of Physics of the CAS (IP CAS) and Palacký University...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Aachener Optiktage: Expertenwissen in zwei Konferenzen für die Glas- und Kunststoffoptikfertigung

19.02.2018 | Veranstaltungen

Konferenz "Die Mobilität von morgen gestalten"

19.02.2018 | Veranstaltungen

Von Bitcoins bis zur Genomchirurgie

19.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Die Zukunft wird gedruckt

19.02.2018 | Architektur Bauwesen

Fraunhofer HHI präsentiert neueste VR- und 5G-Technologien auf dem Mobile World Congress

19.02.2018 | Messenachrichten

Stabile Gashydrate lösen Hangrutschung aus

19.02.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics