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Entzündetes Zahnfleisch als Risikofaktor für das Herz

16.03.2007
Zahnmediziner beraten am 17. März in Jena über Wechselwirkungen der Parodontitis mit Gefäßerkrankungen

Immer mehr Erwachsene leiden an Entzündungen des Zahnfleischs - mindestens einmal im Leben hat jeder eine Gingivitis. Häufig wird das frühe Symptom "Zahnfleischbluten" nicht ernst genommen. "Jüngste Untersuchungen zur Mundgesundheit in Deutschland bestätigen, dass die Erkrankungen des Zahnhalteapparates zugenommen haben - 53 Prozent der Erwachsenen leiden an einer mittelschweren und 20 Prozent an einer schweren Parodontitis, einer Erkrankung, die den Zahnerhalt ernsthaft bedroht", beschreibt Professor Dr. Harald Küpper, Geschäftsführender Direktor des Zentrums für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde am Universitätsklinikum Jena (UKJ), die aktuelle Situation.

Was oft harmlos mit Zahnfleischbluten beginnt und zu lockeren Zähnen bis hin zum Zahnausfall führen kann, ist aber nicht nur ein Problem für die Mundgesundheit: Neue Studien zeigen, dass die Parodontitis verursachenden Bakterien auch an anderen Stellen im Körper an Entzündungsprozessen beteiligt sein können. "Es gibt Hinweise auf Wechselwirkungen zwischen den Parodontitis-Bakterien und Herz-Kreislauferkrankungen wie Arteriosklerose, Herzinfarkt und Schlaganfall. Aber auch Herzklappenerkrankungen können von diesen Bakterien beeinflusst werden", fasst Privat-Dozent Dr. Dr. Bernd Sigusch vom Zahnzentrum des Universitätsklinikums Jena die Erkenntnisse zusammen. "Wir wissen heute, dass Entzündungen im Mundraum auch Erkrankungen im Gefäßsystem beeinflussen können", so der Zahnmediziner weiter. "Daten zeigen, dass bei 50 Prozent aller Herzklappenerkrankungen orale Bakterien beteiligt sind, die sich sehr häufig im Zahnbelag finden."

Diese mögliche Wechselwirkung der Parodontitis mit Herz- und Kreislauferkrankungen ist das Hauptthema der am 17. März stattfindenden Tagung der Thüringer Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde am Universitätsklinikum Jena. Erwartet werden zu dem Symposium "Parodontitis - Diagnose und Therapie unter dem Blickwinkel der Allgemeinmedizin" rund 300 Zahnärzte aus Thüringen und den angrenzenden Regionen. "Die aktuellen Erkenntnisse zeigen, dass Parodontitis nicht als eine isolierte Erkrankung betrachtet werden darf", so Sigusch, "und dass die orale Gesundheit ein wichtiger Teil der allgemeinen Gesundheit ist". Ein entscheidender Punkt sei dabei die Vorsorge. "Während wir bei unseren Bemühungen zu Prophylaxemaßnahmen mit dem Rückgang der kariösen Erkrankungen schon sehr gute Ergebnisse haben, lassen diese bei den Zahnfleischentzündungen noch zu wünschen übrig." Wichtig sei dafür die gezielte Reinigung der Zahnzwischenräume, in denen sich meist die Bakterien ansiedeln und erste Entzündungsherde entstehen. Sigusch rät daher zum regelmäßigen Gebrauch von Zahnseide und regelmäßigen Kontrollen. "Ist die Entzündung erst ins Gewebe eingedrungen, kann der Zahnerhalt bedroht sein und der Behandlungsaufwand wird deutlich größer."

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»Kieferheilkunde »Parodontitis
17. März 2007, 9:00-13.00 Uhr
"Parodontitis - Diagnose und Therapie unter dem Blickwinkel der Allgemeinmedizin"
Thüringer Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde am Universitätsklinikum Jena

Hörsaal 1, Universitätsklinikum Jena-Lobeda

Ansprechpartner:
PD Dr. Dr. Bernd Sigusch
Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Universitätsklinikum Jena
Tel.: 03641/934595
E-Mail: Bernd.Sigusch[at]med.uni-jena.de

Helena Reinhardt | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

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