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Tagungsrückblick: TextileTrends in Berlin

14.03.2007
Textilien mit Mehrwert sind das Zugpferd der Branche /
Nanotechnik: Zeit der Experimente ist vorbei

Die Textilindustrie steht vor einem Umbruch. Das machten Branchenvertreter auf der internationalen MSTI-Tagung TextileTrends im Februar in Berlin deutlich. Die zunehmende Globalisierung, neue Technologien und der steigende Bedarf an Textilien mit Mehrwert werden den Textilmarkt nachhaltig verändern.

Die Zukunft der Textilbranche liegt im Mehrwert, darin waren sich die Experten einig. Wie Roshan Shishoo, Berater der Textilindustrie und Vorsitzender der TextileTrends, beobachtet, werden heute nicht mehr nur technische Textilien mit besonderen Eigenschaften ausgestattet: Stoffe mit einem bestimmten Zusatznutzen, so genannte „Value-added“-Textilien, halten Einzug in Haushalt und Bekleidung.

Der Kunde will es so: Vor allem die europäische Bevölkerung verfügt über mehr Freizeit denn je, verlangt nach einer höheren Lebensqualität und damit nach Textilien, die ihr in der Freizeit und beim Sport Komfort und Funktionalität bieten. Wenn sich die europäische Textilindustrie auf diese neuen Märkte konzentriere, so Shishoo, könne sie auch ihrer größten Herausforderung begegnen: der Globalisierung.

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Weltweit erwirtschafte die Textil- und Bekleidungsindustrie einen jährlichen Umsatz von 1,62 Billionen US-Dollar, berichtete Shishoo weiter. Vor allem in Ländern mit einer derzeit anziehenden Wirtschaft spiele die Textilbranche eine wichtige Rolle. Shishoo prognostiziert, dass die Produktionsmenge gewebter Stoffe bis 2010 auf mehr als 35 Millionen Tonnen ansteige.

Asien sei dabei eine der wachstumsstärksten Regionen. Schon heute kämen die Marktführer in der Polyester-Herstellung nicht mehr aus Deutschland oder Frankreich, sondern aus China, Indien, Taiwan und Südkorea. Auch beim Erwerb von Textilmaschinen zeige sich die gestiegene Aktivität Asiens: Bereits mehr als die Hälfte der Einkäufer von Textilmaschinen seien asiatische Unternehmen. Laut Shishoo entwickelten sich europäische Maschinenhersteller dagegen verstärkt zu engen Partnern dieser Firmen.

Europäische Textilhersteller konzentrieren sich derzeit auf spezielle Fasern wie Elastan, Aramid, hochleistungsstarke Polyamide und synthetische Fasern, die in Vliesstoffen und technischen Textilien eingesetzt werden können. Shishoo sieht die Zukunft jedoch in natürlichen, erneuerbaren Fasern, die im Gegensatz zu synthetischen Textilien nicht auf Öl basieren. Dafür sorge nicht zuletzt das 7. Forschungs¬rahmenprogramm der Europäischen Union, in dem das Europäische Parlament unter anderem einen nachhaltigen Umgang mit endlichen Energieressourcen festlegte.

Einen Schritt weiter ist die Branche im Bereich der Herstellungstechniken: Die Phase der Theorien und Experimente mit Nano- und Plasmatechnologie sei endgültig vorbei, sagte Prof. Dr. Marc van Parys von der belgischen Vereinigung für Textilunternehmen Unitex. „Wir erleben gerade eine Zeit, in der aus innovativen Ansätzen industrielle Wirklichkeit wird.“ Parys stellte Textilien vor, die mit Plasma- oder Nanotechnologie behandelt wurden und wie Klebezettel aneinander haften können. Zudem berichtete er von Stoffen, die die Haut vor starker Reibung, Hitze und Feuchtigkeit schützen und sich daher für Sportkleidung eignen. Er wies darauf hin, dass vor allem durch die Kombination neuer Technologien Textiloberflächen geschaffen werden, die Sauerstoff, UV-Strahlen, Wasser, Schmutz und Bakterien abweisen. Die Stabilität eines Stoffes könne zum Beispiel um mehr als das Tausendfache erhöht werden, wenn seine Oberfläche aus Nanopartikeln des Kohlenhydrats Chitosan und aus mit Plasmatechnologie behandeltem Polypropylen besteht.

Trotz dieser ersten Schritte hat die Textilindustrie für Branchenexperte Roshan Shishoo ihr Ziel noch nicht erreicht. „Wir sind noch zu traditionell eingestellt, um uns den neuen Technologien ganz zu öffnen. Aber wie dumm wären wir, wenn wir sie nicht bald umfassend nutzten."

Über die TextileTrends

Die TextileTrends fand vom 13. bis 15. Februar 2007 im Berliner Maritim Hotel statt. Über 100 Textilexperten aus 14 Ländern trafen sich zum Austausch über neue Entwicklungen in ihrer Branche. Der Veranstalter, das Materials and Surfaces Training Institute (MSTI), ein Geschäftsbereich des Kongressanbieters IIR Deutschland GmbH, hatte dazu 30 internationale Referenten eingeladen. Die Experten stellten aktuelle Forschungsprojekte vor, diskutierten neue Textileigenschaften und erläuterten die Vorteile natürlicher Fasern. Ferner berichteten sie von verschiedenen Anwendungen in den Bereichen Medizin, Automobil und Luftverkehr. Zu den Referenten zählten Vertreter des Thüringischen Instituts für Textil- und Kunststoff-Forschung, des US-amerikanischen Institute of Environmental and Human Health (Texas Tech University), der Londoner Queen Mary Universität, der EMPA St. Gallen, der britischen Heriot Watt Universität sowie der französischen Ingenieurshochschule Ensait.

Begleitend stellten die Unternehmen Europlasma, Freudenberg Forschungsdienste, Sanitized und SeaCell ihre Produkte und Lösungen vor.

Die Tagungsunterlagen der TextileTrends sind beim MSTI erhältlich.
Die nächste TextileTrends findet vom 12. bis 14. Februar 2008 im Hilton Hotel in Berlin statt.

Romy König | IIR Deutschland GmbH
Weitere Informationen:
http://www.iir.de

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