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Erste Fachtagung zum Standardkosten-Modell (SKM) mit großer Resonanz

07.02.2007
FHM Bielefeld gründet „Nationales Zentrum für Bürokratiekostenabbau“

Über 100 Unternehmer, Wissenschaftler und Verwaltungsfachleute aus Ostwestfalen-Lippe, ganz Deutschland und sogar aus dem europäischen Ausland konnten gestern, am 06. Februar 2007, zum „1. Deutschen Standardkosten-Modell-Forum“ und der zeitgleichen Gründung des „Nationalen Zentrums für Bürokratiekostenabbau“ im ostwestfälischen Bünde begrüßt werden. Das Kompetenzzentrum, das an der Bielefelder Fachhochschule des Mittelstands (FHM) eingerichtet wird, wird künftig als neutrale, wissenschaftliche Einrichtung auf dem Gebiet des Bürokratiekostenabbaus forschen. Der aktuelle Stand des Bürokratiekostenabbaus wurde kritisch diskutiert und vor allem die Frage: „Will die Bürokratie überhaupt weniger Bürokratie?“

Bürokratieabbau ist derzeit ein Thema, welches länder- und parteiübergreifend diskutiert wird. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den europaweiten Bürokratieabbau zu einer zentralen Aufgabe im Rahmen der deutschen EU-Ratspräsidentschaft erklärt. Aus Frankfurt, Hamburg, München und Berlin, aber auch aus den Niederlanden und aus Großbritannien waren Tagungsgäste nach Ostwestfalen angereist. Doch der zum Teil weite Weg war lohnenswert: die Bünder Bürgermeisterin Anett Kleine-Döpke-Güse als Gastgeberin und Liselore Curländer, Landrätin des Kreises Herford, konnten einige der bedeutendsten, deutschen Experten in Sachen Bürokratieabbau begrüßen.

Hochkarätige Experten als Referenten

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Neben Henning Kreibohm, Oberkreisdirektor a.D., als Mitglied vom Bundespräsidenten ernannten Nationalen Normenkontrollrats, Hans-Georg Kluge, Staatssekretär a.D., als Leiter einer Projektgruppe, die den Gesetzesentwurf zur Errichtung des Nationalen Normenkontrollrats und der Einführung des Standardkosten-Modells (SKM) entwickelt hat, Lars Lentfer von der Unternehmensberatung Rambøll Management hat bereits SKM-Messungen in verschiedenen EU-Ländern verantwortlich durchgeführt und die EU-Kommission hierzu beraten, und Prof. Dr. Gerhard Klippstein, Rektor der Fachhochschule des Mittelstands (FHM), der im vergangenen Jahr als wissenschaftlicher Sachverständiger zum Thema SKM im Bundestag gehört wurde, konnten auch die Bürokratieabbau-Experten der beiden großen Volksparteien Dr. Norbert Röttgen, MdB, 1. Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag, und Dr. Rainer Wend, MdB, Wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Deutschen Bundestag, als Referenten gewonnen werden.

Bürokratiekosten als Standortnachteil

„Bürokratie ist Bestandteil eines Rechtsstaates. Ohne Bürokratie herrscht Willkür. Deswegen geht es bei unserem Vorhaben nicht um einfache und pauschale Deregulierung, sondern um eine richtige und effektive Regulierung“, erläutert Wendt in seinem Referat. Allerdings belasten Informations- und Meldepflichten sowie Statistiken die deutschen Unternehmen jedes Jahr zum Teil unnötig in Milliardenhöhe. „Bürokratiekosten sind im Augenblick in Deutschland ein echter Standortnachteil“, urteilt Prof. Dr. Gerhard Klippstein als Leiter des neu gegründeten „Nationalen Zentrums für Bürokratiekostenabbau“. Echter Bürokratieabbau scheiterte bisher stets an der mangelnden Messbarkeit und ambitionierten Zielvorgaben. Mit dem Standardkosten-Modell (SKM) kann erstmals die bürokratische Belastung von Unternehmen gemessen und der eingeleitete Abbau überprüft werden. In Deutschland hat die Große Koalition im letzten Jahr die Einführung des SKM beschlossen und einen Nationalen Normenkontrollrat eingerichtet. „Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion erwartet in dieser Legislaturperiode eine nachprüfbare Reduzierung messbarer Bürokratiekosten“, so Dr. Norbert Röttgen.

Umsetzung des Bürokratieabbaus wird durch deutsche Bürokratie gebremst
Der ehemalige Staatssekretär Hans-Georg Kluge schätzt die Situation als unabhängiger Experte jedoch pessimistischer ein: „Die politischen Vorgaben werden derzeit von der Ministerialbürokratie nicht eingehalten und wichtige Chancen werden vertan“, so Kluge. Die Frage sei, ob die Bürokratie wirklich weniger Bürokratie will. Insbesondere kritisiert Kluge in diesem Zusammenhang die bisherige Arbeit des Statistischen Bundesamtes (DESTATIS), das mit der Umsetzung des SKM in Deutschland betraut worden ist, jedoch als „Inbegriff von Bürokratie gilt“. Auch im Vortrag von Lars Lentfer von der Rambøll Management GmbH wurde deutlich, dass andere EU-Staaten beim Thema Bürokratieabbau schneller sind als Deutschland. So haben die Niederlande, Dänemark, Tschechien und Großbritannien bereits Vollmessungen nach dem SKM erfolgreich abgeschlossen und damit die aktuelle Belastung der Unternehmen mit Bürokratiekosten ermittelt. Auf europäischer Ebene werde künftig vor allem der Vergleich der Länder im Sinne eines „Benchmark“ interessant, betonte Lentfer.

Nationales Zentrum für Bürokratieabbau

„Wir haben uns als eine Hochschule, die das Wort Mittelstand im Namen führt, immer mit diesem Thema beschäftigt“, so Klippstein, denn die mittelständischen Unternehmen wären überproportional mit Bürokratie belastet. So ist die FHM auch Herausgeber zweier Publikationen zum Bürokratieabbau: „Bürokratieabbau und Bürokratiekostenmessung in der Bundesrepublik Deutschland - Strategien und Modelle unter besonderer Berücksichtigung ausländischer Erfahrungen“ (2005) und „Erstes Deutsches Handbuch für das Messen und Reduzieren administrativer Belastungen für Unternehmen und Betriebe in Deutschland“ (2005). In Zukunft wird sich die FHM mit ihrem „Nationalen Zentrum für Bürokratiekostenabbau“ diesem Thema noch intensiver widmen und konnte dafür auf der Fachtagung einen breiten Unterstützerkreis gewinnen. Klippstein wünscht sich für die Zukunft weiterhin kontroverse Diskussionen zum Thema Bürokratieabbau: „Ich hoffe, dass es stürmisch wird, denn ohne Sturm gibt es auch keine Bewegung!“ Weitere Veranstaltungen sind bereits geplant.

Über die FHM:

Die staatlich anerkannte, private Fachhochschule des Mittelstands (FHM) Bielefeld qualifiziert gezielt Fach- und Führungskräfte für die mittelständische Wirtschaft. Das Studienkonzept beinhaltet eine kurze Studiendauer, eine hohe Praxisorientierung, kleine Studiengruppen und eine individuelle Betreuung. Das aktuelle Studienangebot umfasst die Bachelor- und Diplomstudiengänge Betriebswirtschaft, Gesundheitswirtschaft, Handwerksmanagement, Informatikmanagement, Medienwirtschaft und Medienkommunikation & Journalismus sowie zahlreiche Master-Studiengänge. Weitere Schwerpunkte setzt die FHM mit ihren Instituten in den Bereichen Wissenschaftliche Weiterbildung, Existenzgründung und Unternehmensnachfolge im In- und Ausland.

Vanessa Kristina Vieselmeier | Fachhochschule des Mittelstands
Weitere Informationen:
http://www.fhm-mittelstand.de

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