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Neue Ideen braucht das Land - FAL-Seminar zu Nährstoffanalyse und Düngungsplanung

10.01.2007
Die Düngermenge richtig zu bemessen ist nicht nur eine Frage der "guten fachlichen Praxis" und des wirtschaftlichen Erfolges, sondern auch entscheidend für die Verminderung von Umweltbelastungen aus der Landwirtschaft als da sind: gasförmige Stickstoffemissionen, Stickstoff- und Phosphorausträge in Grund- und Oberflächenwässer und die Befrachtung von Böden mit unerwünschten, aber oft unvermeidlichen Nebenbestandteilen von Düngemitteln, wie zum Beispiel Schwermetallen.

Mit welchen Methoden Art und Höhe der notwendigen Zufuhr an mineralischen Nährstoffen bestimmt werden und insbesondere welche neuen Ansätze aus der Wissenschaft es auf diesem Gebiet gibt, wurde am 23. November 2006 auf dem Nährstofftag der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL) in Braunschweig von Wissenschaftler/innen der Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsens, der Universität Kassel, der Tierärztlichen Hochschule in Hannover sowie des Institutes für Pflanzenernährung und Bodenkunde der FAL vorgestellt.

Kernproblem aller landwirtschaftlichen Nährstoffuntersuchungen ist die korrekte Probennahme. Letztlich gelangt bei der Untersuchung von Böden weniger als der zehnmillionste Teil der gesamten für Pflanzenwurzeln zugänglichen Bodenmenge eines Feldes in die Laboranalyse. Dr. Severin von der LWK beschrieb es sehr treffend: "Der Probennehmer ist beim Ergebnis für die Zahl vor, der Laboranalytiker für die Zahl nach dem Komma verantwortlich". Hier hat insbesondere die mittlerweile unbeschränkte und kostengünstige Verfügbarkeit von Satellitennavigationssystemen (GPS) zu einer deutlichen Verbesserung geführt. Die räumliche Unterschiedlichkeit von Bodenmerkmalen kann damit korrekt lokalisiert und bei Auswertung und Interpretation von Daten berücksichtigt werden. GPS-gestützte Probennahme bildet die Grundlage für die Erstellung von Nährstoffkarten und damit den Zugang zur Präzisionslandwirtschaft und zu einem modernen betriebseigenen Versuchswesen.

Die Ermittlung von Kalkbedarf und Düngebedarf an Phosphor und Kalium mittels Bodenuntersuchung haben heute in Deutschland ein weitgehend einheitliches und qualitativ sicheres Niveau erreicht. Bei der Bestimmung des Bedarfes an Düngerstickstoff sind jedoch immer noch regional z. T. sehr unterschiedliche Systeme im Gebrauch, was der Akzeptanz der Bodenuntersuchung in der Praxis nicht zuträglich ist. Hauptproblem aller Bodenuntersuchungsmethoden ist ihre Kalibrierung. Diese sollte vorzugsweise am Nährstoffgehalt der Pflanzen erfolgen, was aber nur für wenige Methoden hinreichend dokumentiert ist. An dieser Stelle liegt denn auch der besondere Vorzug der Pflanzenanalyse, die universell für jeden Nährstoff anwendbar ist und mit Hilfe eines am FAL-Institut für Pflanzenernährung und Bodenkunde entwickelten neuartigen Grenzlinienverfahrens (BOLIDES) für die Hauptkulturarten Getreide, Raps und Zuckerrüben verlässlich kalibriert wurde. Ihr Nachteil bleibt jedoch die strenge Bindung der Probennahme an bestimmte Entwicklungsstadien der Pflanzen und dem daraus resultierenden engen Zeitrahmen für eine eventuell nötige Düngung.

Schnelltests, die vom Landwirt direkt auf dem Feld durchgeführt werden können, liefern für die Bestimmung von pH-Wert und Nitratgehalt im Boden weitgehend zuverlässige Werte, sind jedoch für die sachgerechte Bestimmung des Düngebedarfes an Phosphor und Kalium zu ungenau. Grosse Hoffnungen, rascher auch größere Flächen auf ihren Nährstoffgehalt untersuchen zu können, werden seit jeher auf Methoden der Fernerkundung gesetzt. Ohne Zweifel haben Spektralmessungen (Optik/Radar) ein hohes Informationspotenzial, die Verfügbarkeit von mit flugzeug- und satellitengestützen Sensoren ermittelten Daten, aber auch die Qualität nachgeschalteter Auswerte- und Entscheidungssysteme reicht jedoch bislang für die Landwirtschaft noch nicht aus. Verfahren der direkten Düngerapplikation mit Online-Sensoren erscheinen darüber hinaus besonders kritisch, da das Messsignal nicht allein durch Unterschiede in der Nährstoffversorgung hervorgerufen wird. Elektromagnetische Bodensensoren liefern ebenfalls nur sehr schwer kausal zu interpretierende Strukturkarten. In diesem Bereich ist für die Forschung noch viel zu tun und (zumindest derzeit) für die landwirtschaftliche Praxis noch sehr wenig sinnvoll verwertbar.

Ergänzend zu den technischen Vorträgen wurden spezielle Analysenmethoden für den Ökologischen Landbau vorgestellt und die Frage diskutiert, inwieweit Nährstoffanalysen und Düngungsempfehlungen von Böden und Pflanzen auch dem Mineralstoff-Bedarf landwirtschaftlicher Nutztiere Rechnung tragen.

Die Beiträge können per Email vom Institut abgerufen werden.

Kontakt: Prof. Dr. Dr. Ewald Schnug und Dr. Susanne Schroetter, Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL), Institut für Pflanzenernährung und Bodenkunde, Bundesallee 50, 38116 Braunschweig, Tel.: 0531 596 2101 oder 2112; E-Mail: pb@fal.de.

Margit Fink | idw
Weitere Informationen:
http://www.fal.de/

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