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Rundumsicherheit: Verschmelzung von Unfallvermeidung und Verringerung der Unfallschwere

22.11.2006
Weltgrößte Fachtagung zum Insassenschutz mit Airbags in Karlsruhe jetzt wieder von 4. Dezember bis 6. Dezember 2006

Karlsruhe wieder Nabel der "Airbag-Welt"

1000 Experten aus mehr als 20 Nationen erwartet

Einzigartige Fachausstellung: 50 Firmen zeigen Weltneuheiten rund um den Airbag und die Insassensicherheit

(ICT Pfinztal) Die Sicherheit im Straßenverkehr steht nach wie vor weit oben auf der Tagesordnung von Politikern, Technikern und Verbrauchern. Zwar sind in den vergangenen 30 Jahren die Zahlen der Verkehrsopfer kontinuierlich gesunken, aber alle Experten sind mit dem Erreichten noch nicht zufrieden. Beklagt werden vor allem die großen Unterschiede in der EU: Pro 100 000 Einwohner sterben in Deutschland noch 8 Menschen auf den Straßen, in Belgien 14, in Polen 15 und in Litauen 21. Beste Länder sind Großbritannien mit 6 und Malta mit 4 im Straßenverkehr Getöteten. Heute aber bietet die Technik neben den Einrichtungen zum Insassenschutz vor Verletzungen vor allem ein großes Potential an Maßnahmen zur Unfallvermeidung.

Die US-amerikanische Verkehrsicherheitsbehörde NHTSA hat schon 2001 eine Analyse von 47 000 Unfällen durchgeführt und dabei herausgefunden, dass Sicherheitsgurte das Risiko, getötet zu werden, um 45%, Airbags um 14% und beide Systeme gemeinsam um 51% senken. Daraus hat man errechnet, dass zwischen 1987 und 2003 in den USA durch den Airbag 14 000 Menschenleben gerettet wurden.

Dennoch müssen auch die Airbag-Systeme immer weiter entwickelt werden. Nahezu für jeden Aufprallwinkel gibt es inzwischen einen passenden Airbag, der sich zudem immer besser an die jeweilige Unfallsituation und an Größe und Gewicht des Insassen anpasst. Besser ausgestattete Fahrzeuge bieten acht bis zehn Airbags.

Seit 1980 wird der Airbag als ein den Sicherheitsgurt ergänzendes Sicherheitssystem angeboten. Nicht die Idee, sondern die Realisierung bis zur Serienreife war entscheidend. Die Entwickler und Forscher haben aus den ersten Jahren gelernt und präsentieren inzwischen eine ganz hochwertige Schutztechnologie, die auch zum Fußgängerschutz eingesetzt werden kann. Dabei laufen die Maßnahmen zur Unfallvermeidung, etwa durch ABS, ESP und Bremsassistenten und die dafür benötigte Sensortechnik immer

mehr mit den Insassenschutzsystemen zusammen. Jüngster Trend ist daher die sogenannte 'Integrated Safety', die Vernetzung der Sensordaten zu Fahrzeug, Insasse und Umgebung im Hinblick auf Unfallvermeidung und Insassenschutzsysteme. In naher Zukunft werden neue zuverlässige, vorausschauende Sensoren aus der Unfallvermeidung auch die Airbags auslösen und dabei eine komplette Reaktionskette im Fahrzeug bestimmen.

Vorausschauende Sensoren auf der Basis von Radar und optischen Kameras erfassen bereits im Vorfeld eine möglicherweise gefährliche Situation und geben dem Fahrer Hinweise und Hilfen zur Vermeidung eines Unfalls. Wenn dieser nicht reagiert, werden Bremsvorgänge angedeutet oder sogar ausgelöst. Bald wird auch die automatische Kommunikation zwischen den beteiligten Fahrzeugen eine wichtige Rolle spielen, um beispielsweise noch gezielte Ausweichmanöver einzuleiten. Wenn der Aufprall nicht mehr zu vermeiden scheint, rücken die sich straffenden Gurte den Insassen in die richtige Position, stellen die Rückenlehnen senkrecht, schließen das Schiebedach und bringen die Airbags in eine Art Alarmposition. Dadurch kann wertvolle Zeit gewonnen werden, um den Airbag bedarfsgerecht auszulösen. Auch nach dem Unfall bleiben die elektronischen Helfer aktiv und holen beispielsweise Hilfe.

Beim Karlsruher Airbag-Symposium des Fraunhofer ICT, das seit 15 Jahren die weltweit größte und wichtigste Veranstaltung zur Airbag-Technik ist, berichten die Forscher und Entwickler aus der ganzen Welt über Neuheiten, die wir erst in einigen Jahren im Fahrzeug sehen werden. Dazu Dr. Karl-Friedrich Ziegahn, der Leiter der Tagung: "Wir können ganz klar zeigen, wie die technischen

Diskussionen in Karlsruhe in den vergangenen Jahren immer wieder wegweisend für die Airbag-Technik gewesen sind. Viele Ideen, deren Umsetzung wir heute in unseren Autos sehen, wurden dort erstmals mit Fachkollegen erörtert oder gar geboren." Daher sei auch die kommende Airbag-Tagung wieder ein Schlüsselereignis für die ganze Branche.

Themen, die diesmal eine große Rolle spielen werden sind unter anderem die Vernetzung aktiver und passiver Sicherheit, vorausschauende Sensoren, neu geformte Airbags und adaptive Systeme, die sich noch mehr an die jeweiligen Insassen anpassen. Ein ganz großes Thema wird das rechtzeitige Erkennen von Überschlägen sein, denn durch die wachsende Zahl von Geländewagen, sogenannten 'Sports Utility Vehicles' (SUV) mit ihrem höheren Schwerpunkt, hat das Risiko deutlich zugenommen, bei einem Überschlag getötet zu werden. Dazu Ziegahn: "In den USA sind 3% aller Unfälle mit Überschlägen verbunden, aber sie tragen mit 30% zu der Getötetenrate bei." Daher haben die Entwickler schon in den vergangenen Jahren sogenannte "Airbag-Vorhänge" präsentiert, die beim Überschlag ausgelöst werden sollen. Das Problem sei allerdings noch die rechtzeitige und zuverlässige Erkennung eines Überschlags. Hier werden deutsche Zulieferer bei der diesjährigen Airbag-Tagung neue Lösungen präsentieren.

Die Tagung ist mit einer kleinen Fachausstellung verbunden und wird am Mittwoch mit der Verleihung des "Fraunhofer-Airbag-Awards" an Brian O'Neill beendet. Damit soll die Lebensleistung des langjährigen Chefs des Instituts für 'Highway-Safety' der USA im Dienste der Verkehrssicherheit anerkannt und gewürdigt werden.

Das Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie ICT in Pfinztal bei Karlsruhe gehört mit 350 Mitarbeitern zu den Pionieren der Airbag-Technik und forscht seit den siebziger Jahren im Auftrag der Industrie an der Verbesserung der Airbag-Technik, vor allem an den auf Explosivstoffen beruhenden Gasgeneratoren, an ihrer Funktionsfähigkeit unter den rauhen Bedingungen der Automobilumwelt sowie an neuen, alternativen Systemen.

Pressekonferenz
Am Montag, den 4. Dezember 2006 findet im Karlsruher Kongresszentrum (Stadthalle) um 11.30 h eine Pressekonferenz unter Beteiligung zahlreicher Vertreter der Industrie zur Veranstaltung mit anschließender Ausstellungseröffnung statt.
Pressekontakt:
Dr. Stefan Tröster
Fraunhofer ICT
Tel. +49-(0) 721- 4640-392
stefan.troester@ict.fraunhofer.de

Dr. Stefan Tröster | idw
Weitere Informationen:
http://www.ict.fraunhofer.de

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