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Rheumatoide Arthritis: Kliniktag in der Rheumatologie der Kerckhoff-Klinik

14.11.2006
Krankheitsbild: Etwa 800.000 Menschen leiden in Deutschland unter Rheumatoider Arthritis (RA), die häufig auch als chronische Polyarthritis bezeichnet wird. 70 Prozent davon sind Frauen.

Die RA ist die häufigste und folgenschwerste entzündlich rheumatische Erkrankung. Sie befällt Gelenke, Sehnen und Schleimbeutel und kann sich auf innere Organe, Nervensystem und Augen ausweiten. Bewegungseinschränkungen und schwere Behinderungen sind Folgen der chronischen Erkrankung, die bei vielen Patienten im Alter zwischen 30 und 50 Jahren ausbricht.

Auslöser: Warum manche Menschen an Rheumatoider Arthritis erkranken, konnte die Medizin bis heute nicht eindeutig klären. Vermutlich führt eine ererbte Veranlagung in Verbindung mit äußeren Faktoren zu der Fehlregulation des Immunsystems (Autoimmunreaktion). Neue Forschungsergebnisse haben belegt, dass das Zytokin Tumor-Nekrose-Faktor alpha (TNFα) Rheumatoide Arthritis verstärkt. Zytokine sind Botenstoffe, die die körpereigene Abwehr im Immunsystem steuern.

Symptome: Am häufigsten befällt Rheumatoide Arthritis die kleinen Gelenke an Händen und Füßen, oft auch Ellenbogen, Schultern, Hüften, Knie- und Sprunggelenke. Typische Zeichen sind schmerzhafte Schwellungen, Ergüsse und Druckempfindlichkeit. Sehnenscheiden- und Schleimbeutelentzündungen sowie auffällige Verdickungen unter der Haut an der Streckseite von Gelenken, so genannte Rheumaknoten, deuten auf einen Befall der Weichteile im Bewegungssystem hin. Weniger bekannt ist, dass die Rheumatoide Arthritis alle inneren Organe und Organsysteme befallen kann. Trockene Schleimhäute von Mund und Augen, Augenentzündungen an Bindehaut und Hornhaut, Vergrößerungen von Milz und Leber oder Schwellungen von Lymphknoten sind typische Symptome. Arthritis-Schmerzen treten vor allem in Ruhe auf. Oft sind sie in der Nacht am stärksten, münden in einer ausgeprägten Morgensteifigkeit und bessern sich unter Bewegung. Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme, Müdigkeit, Antriebslosigkeit und Depressivität beeinträchtigen die Betroffenen zusätzlich.

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Diagnose: Trotz vieler typischer Symptome ist die zweifelsfreie Diagnose der Krankheit nicht ganz einfach. Bei Verdacht sollten daher die Patienten umgehend einem internistischen Rheumatologen vorgestellt werden. Blutuntersuchungen, Röntgenbilder und der so genannte Rheumafaktor liefern im frühen Stadium oft keine sicheren Hinweise. Eine zusätzliche Hilfe bietet der Nachweis eines neu entdeckten Antikörpers gegen citrullinierte cyclische Peptide (anti-CCP). Allerdings findet sich der Antikörper ebenfalls nicht bei allen Patienten mit einer Rheumatoiden Arthritis.

Verlauf: Die Zerstörung von Gelenkknorpeln und Knochen beginnt unbehandelt bei 40 Prozent der Patienten schon innerhalb von sechs Monaten nach Ausbruch der Krankheit. Ein Drittel der Patienten leiden nach den ersten drei Jahren unter bleibenden Verformungen und Fehlstellungen vor allem an Hand- und Fingergelenken. Fünf Jahre nach Ausbruch sind zehn Prozent der Patienten in ihrer Bewegungsfähigkeit stark eingeschränkt, einige davon sind sogar auf einen Rollstuhl angewiesen. Sind Organe befallen, ist die Sterblichkeitsrate deutlich erhöht. Die Lebenserwartung sinkt unbehandelt um 5 – 10 Jahre genauso stark wie bei einer koronaren Herzerkrankung oder einem langjährigen Diabetes mellitus.

Therapie: Neue Medikamente und neue Therapiekonzepte haben die Behandlung von Rheumatoider Arthritis in den vergangenen Jahren geradezu revolutioniert. Der Durchbruch beruht auf dem wachsenden Verständnis der Krankheitsprozesse und den Fortschritten in Molekularbiologie und Biotechnologie. Grundsätzlich gilt: Je früher der Arzt die tückische Krankheit diagnostiziert, desto größer sind die Chancen sie wirkungsvoll zu kontrollieren. Vier Medikamentengruppen, begleitet von Krankengymnastik, Ergotherapie, Patientenschulungen und psychologischer Betreuung, kommen heute in der Therapie zum Einsatz.

Schmerzmittel (Analgetika): Sie bekämpfen nur den Schmerz und beeinflussen nicht die typischen Symptome wie Gelenkschwellungen oder Morgensteifigkeit.

Cortisonfreie Entzündungshemmer (nicht-steroidale Antirheumatika): Diese Medikamente wirken sehr schnell, aber nur kurz auf die Entzündung vor Ort, also gegen Gelenkschwellung, Überwärmung und Steifigkeit. Keinen Einfluss haben sie auf die so genannte systemische Entzündung. Sie vermag weder die erhöhte Blutsenkungsgeschwindigkeit noch den erhöhten Anteil des c-reaktiven Proteins (CRP) im Blut langfristig zu senken.

Cortison: Mit Cortison gelingt es, akute Entzündungsschübe schnell in den Griff zu bekommen. Bei ausreichend hoher Dosierung klingen Entzündungen vor Ort schnell ab.

Blutsenkung und andere Entzündungswerte normalisieren sich. Allein ist es aber nicht in der Lage, die Veränderungen an Gelenkknorpel oder Knochen vollständig aufzuhalten. Eine dauerhafte Medikamentation in höheren Dosen ist aufgrund der Nebenwirkungen nicht sinnvoll, deshalb kommen die langwirksamen Antirheumatika zum Einsatz.

Langwirksame Antirheumatika (Disease Modifying Antirheumatic Drugs = DMARDs): Diese Medikamente sind in der Lage, einen Heilungsprozess einzuleiten. Sie reduzieren und verhindern Schäden, die durch chronische Entzündungen an Gelenkknorpel oder Knochen verursacht werden. Im günstigsten Fall leiten sie sogar die Reparatur von Gelenkschäden ein. Langwirksame Antirheumatika sind schmerzlindernd und entzündungshemmend. Für ihren Einsatz müssen aber ebenfalls bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein.

Zu den traditionellen DMARDs gehören u. a. Methotrexat, Ceflunomid und Sulfasalazin, mit denen in der Regel die Therapie eingeleitet wird. Nicht alle Patienten sprechen im ausreichenden Maße auf die traditionellen DMARDs ausreichend an. Neue Hoffnung gibt gerade ihnen eine neue Medikamentenklasse aus der Gruppe der biologischen Therapien: die TNF-α-Hemmer wie Etanercept, Infliximab und Adalimumab. Sie blockieren den körpereigenen Botenstoff TNF-α, der die Entzündung auslöst und verstärkt. Klinische Studien belegen, dass diese neuen Medikamente die Zerstörung von Knorpeln und Knochen verlangsamen und bei einem Teil der Patienten sogar vollständig hemmen können. Dazu hin wurde vor kurzem der B-zell-Hemmer Rituximab zur Therapie der Rheumatoiden Arthritis zugelassen.

Die Biologics haben auch der Therapie von weiteren entzündlich-rheumatischen Erkrankungen, insbesondere den entzündlichen Wirbelsäulenerkrankungen und der Schuppenflechtenarthritis eine neue Perspektive gegeben. Ein Beispiel ist der Morbus Bechterew. Dieser kommt nach der rheumatoiden Arthritis am zweithäufigsten vor und kann die gesamte Wirbelsäule betreffen. Die chronische Entzündung in diesem Bereich führt zu einem schleichenden Verlust der Beweglichkeit bis hin zu einer völligen Einsteifung. Sie kann auch Organe befallen. Die Folgen sind Bewegungseinschränkungen und schwere Behinderungen, die die Lebensqualität der Betroffenen erheblich vermindern.

Mit den Medikamenten aus der Gruppe der TNF-α-Blocker steht erstmals für die Behandlung des Morbus Bechterew ein Therapieprinzip zur Verfügung, welches nicht nur die Symptome der Erkrankung beeinflusst, sondern gezielt in die Krankheitsabläufe bei der rheumatischen Entzündung eingreift. Bisher sind für die Therapie von Morbus-Bechterew-Patienten, die nicht in ausreichendem Maße auf herkömmliche Behandlungsansätze angesprochen und einen schweren Verlauf haben, drei Biologics zugelassen: Etanercept, Infliximab und Adalimumab.

Für weitere Informationen:

Prof. Dr. med. Ulf Müller-Ladner
Kerckhoff-Klinik
Abt. Rheumatologie und Klinische Immunologie
Benekestraße 2-8,
61231 Bad Nauheim
Tel. 0 60 32/9 96 - 21 01
u.mueller-ladner@kerckhoff-klinik.de

Dr. Berend von Thülen | C3 Public Relations
Weitere Informationen:
http://www.kerckhoff-klinik.de

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