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Allein 300.000 verschiedene Blütenpfanzen wachsen auf der Erde. Sie gedeihen in Wüsten, wo ihre Samen Jahrzehnte lang ohne Wasser überdauern können, oder besiedeln gischtumtoste Felsen in tropischen Wasserfällen. Die kleinste misst gerade mal einen Millimeter: die auch in Deutschland heimische Wasserlinse. Fast 1.000mal größer ist die Blüte der südostasiatischen Rafflesia.
Die Vielfalt der Pflanzen verblüfft selbst Experten. Auf dem Internationalen Symposium für Biodiversität und Evolutionäre Biologie geht es unter anderem um die Frage, wie diese Vielfalt auf der Erde verteilt ist - und wie sie entstand. Doch der ökologische Druck auf viele Arten wächst: Noch immer werden tropische Wälder abgeholzt, obwohl in den Tropen zwei Drittel aller Blütenpflanzen wachsen. Auch die durch den Menschen verursachte globale Erwärmung der Erde führt zu so schnellen Umwelt-Veränderungen, dass Pflanzenarten gefährdet werden. Dies ist ein zentrales Problem in Steppengebieten Afrikas, wo sich Wüsten ausbreiten, betrifft aber genauso die Biodiversität europäischer Gebirge.
"Der Erhalt der pflanzlichen Biodiversität ist ein enorm wichtiges Thema", betont Dr. Thomas Borsch vom Bonner Nees-Institut für Biodiversität der Pflanzen. Nicht nur, weil in Pflanzen ungehobene Schätze schlummern können - so liefert ein chinesisches Beifuß-Gewächs eine der momentan wirksamsten Arzneien gegen Malaria. "Blütenpflanzen produzieren an Land auch den Großteil der Biomasse, der Tieren und nicht zuletzt uns als Nahrung dient."
Verräterische Gene
Die Teilnehmer der Tagung diskutieren auch, welches Licht aktuelle Erkenntnisse aus der Genetik auf die Verwandschaftsbeziehungen verschiedener Pflanzenarten werfen. Früher versuchte man, den Lauf der Evolution vor allem aus dem Aussehen der Arten herzuleiten. Seit einigen Jahrzehnten greift man dazu aber mehr und mehr auf Erbgutanalysen zurück. Vereinfacht gesagt: Je ähnlicher das Erbgut, desto näher sind zwei Pflanzen miteinander verwandt.
"Manchmal wirft die genetische Analyse althergebrachte Vorstellungen ziemlich über den Haufen", erklärt Thomas Borsch. Ein Beispiel wird auch auf dem Kongress thematisiert: Neuesten Erkenntnissen zur Folge ist die Lotusblume, eine krautartig wachsende Wasserpflanze, nahe mit den Platanen verwandt, die als Alleebäume so beliebt sind. Von ihrem Aussehen würde das wohl kaum jemand erwarten.
1971 wurde das Symposium für Biodiversität und Evolutionäre Biologie von Heidelberger Forschern ins Leben gerufen. Es fand seitdem alle drei Jahre an wechselnden Orten im deutschsprachigen Raum statt. Schirmherr ist die Sektion Biodiversität und Evolutionsbiologie der Deutschen Botanischen Gesellschaft (DBG). Wie sehr das Feld auch aufgrund neu entwickelter genetischer Methoden boomt, zeigt die Anzahl der Teilnehmer, die mit jeder Auflage neue Höhen erklommen hat. Mit knapp 300 Gästen aus 22 Ländern gilt die Tagung heute als eine der wichtigsten Veranstaltungen zum Thema Biodiversität und Evolution der Pflanzen im europäischen Raum.
Das komplette Tagungsprogramm gibt es auch im Internet:
www.nees.uni-boo.de/symp17
Kontakt:
PD Dr. Thomas Borsch
Nees-Institut für Biodiversität der Pflanzen der Universität Bonn
Telefon: 0228/73 - 2526
Email: symp17@uni-bonn.de
Dr. Andreas Archut | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.uni-bonn.de/
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