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Über die Schattierungen teilweiser Wahrheit in der Fuzzy Logik

19.09.2006
Die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg lädt am Mittwoch, dem 27. September 2006, zur 20. Otto-von-Guericke-Vorlesung ein. Der weltweit anerkannte Professor Lotfi Zadeh aus Berkeley in Kalifornien spricht im Jahr der Informatik über das aktuelle Thema "Intelligente Systeme". Die in englischer Sprache gehaltene Vorlesung beginnt um 19.00 Uhr und findet im Gebäude 50/Hörsaal 3, Große Steinernetischstraße, statt. Die interessierte Öffentlichkeit ist dazu herzlich eingeladen. Der Eintritt ist frei. Professor Zadeh weilt in Magdeburg, um an der Tagung "Fuzzy Systems in Computer Science" teilzunehmen, die aus Anlass des zehnjährigen Bestehens des Lehrstuhls Computational Intelligence an der Magdeburger Fakultät für Informatik von Prof. Rudolf Kruse stattfindet.

Zadeh war bereits anerkannter Forscher auf dem Gebiet der Systemtheorie, als er 1965 in einer Arbeit erstmals das Konzept der Fuzzy Logik vorstellte. Die Idee dahinter ist, ein System mathematisch so zu beschreiben, dass es einer linguistischen Beschreibung ähnelt, wie sie auch ein Mensch abgeben könnte. Die Grundthese ist, dass die Konzepte unseres Denkens keinen scharf voneinander abgegrenzten Kategorien entsprechen, sondern vielmehr graduell ineinander übergehen. Entsprechend plädiert Zadeh dafür, komplexe Welten nicht unter dem Blickwinkel der klassischen Logik zu betrachten, in der nur absolute Wahrheit und absolute Unwahrheit zugelassen sind. In der Fuzzy Logik gibt es alle Schattierungen teilweiser Wahrheit, die es ermöglichen, Konzepte differenzierter zu erfassen.

Zadehs Ideen erwiesen sich als sehr fruchtbar und erlebten in den letzten beiden Jahrzehnten einen regelrechten Boom, mittlerweile taucht der Begriff Fuzzy Logic im Titel von mehr als 40000 wissenschaftlichen Aufsätzen auf. Fuzzy Methoden werden in einer Vielzahl von technischen Anwendungen unterschiedlicher Art genutzt, so zum Beispiel bei der Steuerung von Zementwerken, Schnellbahnen, Haushaltsgeräten aller Art, Automotoren und Kläranlagen.

Lotfi A. Zadeh ist der Sohn einer ukrainischen Mutter und eines iranischen Vaters aus Ardabil, der sich als Journalist einige Jahre in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku aufhielt. Als Zadeh zehn Jahre alt war kehrte sein Vater mit der Familie zurück in den Iran, wo Zadeh aufwuchs und das Gymnasium besuchte. Er studierte an der Universität von Teheran Elektrotechnik und machte 1942 den Abschluss als Elektroingenieur. Danach ging er in die USA und studierte am Massachusetts Institute of Technology (MIT) und erhielt von der Columbia University seinen Doktor. Seit 1959 lehrte er an der Universität von Kalifornien in Berkeley. Selbst als 85-Jähriger hält Lotfi Zadeh noch regelmäßig Hauptvorträge rund um die Welt. Er erhielt für seine Erfolge vielfältige Anerkennungen und Ehrungen von Universitäten aus aller Welt, hochangesehenen akademischen Gesellschaften und Stiftungen in aller Welt, darunter sind 25 (!) Ehrendoktorwürden.

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Die Veranstaltungsreihe Otto-von-Guericke-Vorlesung wird seit 1995 von der NORD/LB Mitteldeutsche Landesbank gefördert und führt renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus unterschiedlichen Disziplinen an die Magdeburger Universität. Mit ihr ehrt die Otto-von-Guericke-Universität ihren Namenspatron und präsentiert der interessierten Öffentlichkeit international anerkannte Persönlichkeiten der Wissenschaft.

Hinweis für die Redaktionen:
Prof. Dr. Lotfi Zadeh steht während seines Aufenthalts in Magdeburg am 27. und 28. September 2006 gern für ein Interview zur Verfügung. Die Terminabsprache kann über Prof. Dr. Kruse, Rudolf, Telefon 0391 67-18706 oder 0391 67-18183 (Tagungsbüro), E-Mail: kruse@iws.cs.uni-magdeburg.de, erfolgen.

Waltraud Riess | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-magdeburg.de/

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